Danach

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Heute ist mein 12. Zyklustag. Der 12. Tag nachdem eine Blutung eingesetzt hat, die eine Schwangerschaft beendete, die noch nicht mal in meinem eigenen Kopf real war. Und auch wenn ich nicht wirklich um ein Baby trauerte, denn das war es in meinem Kopf irgendwie noch gar nicht, so trauerte ich doch um diese Chance, um das, was ein Baby – mein Baby, unser Baby – hätte werden können.

Ich dachte nicht, dass es mich so belasten würde und dass ich ständig im Kalender nachschauen würde in welcher Woche ich jetzt wäre. All diese Gedanken, die keinen Sinn ergeben und das Leben ein bisschen schwerer machen, lassen mich kaum los und mein einziger Lichtblick ist, dass ich nun doch zumindest weiß, dass ich schwanger werden kann.

Doch statt voll Hoffnung und Zuversicht zu sein, frage ich mich immer nur, wie lange ich nun wohl warten muss und ob es das nächste Mal besser ausgeht. Ich sage mir, dass ich eigentlich ja „Glück“ hatte, weil ich es so früh verloren habe und nicht erst in der 15. Woche, was ja durchaus passiert (wenn auch selten). Und gleichzeitig fühle ich mich betrogen, weil ich es so früh verloren habe und das Gefühl habe, dass ich gar nicht trauern darf. Dass ich um das Recht zu trauen betrogen wurde, denn es war ja noch kein Baby und dann braucht man ja auch gar nicht trauern.

Wie schlecht es mir manchmal geht, erzähle ich darum kaum jemanden. Ich will mich nicht rechtfertigen. Ich will es nicht herunterspielen, um in ein Schema zu passen. Ich will nicht, dass andere dieses Gefühl, das nur mir gehört, be- und mich und mein Erlebtes dadurch entwerten. Es ist mein Schmerz. Es ist meine Geschichte und momentan möchte ich diese mit niemandem offen teilen.

Natürlich rede ich mit Finn darüber. Doch egal wie verständnisvoll er sein möchte, irgendwo gibt es da eine Barriere, die er einfach nicht überschreiten kann. An der er zwar für mich da sein kann und mich unterstützt, mich aber nicht wirklich verstehen kann. Das ist ok. Er ist trotzdem mein wichtigster Verbündeter und der Einzige, bei dem ich völlig ehrlich sein kann. Das ist momentan alles, was ich brauche.

Ich weiß auch, dass diese Gefühle vorbeigehen werden. Ich weiß, dass ich irgendwann an diese Zeit zurückdenken werde und denken werde, dass alles einen Sinn hatte. Dass es so kommen musste. Doch jetzt, jetzt frage ich mich nur warum. Warum ich? Warum jetzt?

Ich öffne meinen Zykluskalender und sehe dort, dass ich bald meinen Eisprung haben sollte. Ich frage mich, ob mein Körper wirklich schon wieder wie ein Uhrwerk laufen kann und ob ich das überhaupt will. Alles in meinem Kopf ist so durcheinander, dass es sich fast schon richtiger anfühlt, wenn auch mein Körper durcheinander ist. Und gleichzeitig wünsche ich mir nichts mehr, als das alles sich so schnell wie möglich normalisiert und wir einen neuen Versuch starten können.

Tags: Fehlgeburt

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Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
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