Kinder kriegen ist kein Wettbewerb

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Kinder kriegen ist kein Wettbewerb

Da sitze ich vor dem Laptop und sehe ihn: den positiven Schwangerschaftstest. NEIN! Nicht meinen! Den einer anderen Mama. Und in meinem Kopf fängt es an zu rattert… Ihr erstes Baby ist im September geboren. Jetzt ist sie in der 12. Woche. Es rattert und rattert. Ich frage mich, wie groß der Altersunterschied zwischen ihren Kindern wird und wann ich schwanger werden „müsste“ um die gleiche Konstellation zu erreichen.

Und dann merke ich, dass ich schon seit 4 Wochen schwanger sein müsste.

Bin ich aber nicht.

In meinem Umfeld erlebe ich es gerade gehäuft, dass Geschwister sich auf den Weg machen. Ich freue mich mit jeder Mama, die einen positiven Test in der Hand halten darf und stolz verkündet, dass da ein neues Leben auf dem Weg ist.

Wir wollen noch ein Kind

Bisher war das Thema „2. Kind“ für uns eher weit weg. Unser Sohn fordert uns komplett und wir freuen uns so sehr, dass wir momentan unseren geregelten Alltag Stück für Stück wieder zurück gewinnen. Es läuft gerade wirklich gut und wir alle sind endlich, endlich angekommen.

Für uns stand eigentlich fest, dass wir vor dem ersten Geburtstag unseres Sohnes nicht an ein weiteres Kind denken. Und doch: Wenn ich diese positiven Tests sehe, dann erinnere ich mich. An die Zeit, als ich einen solchen in der Hand hielt. An die Schwangerschaft. (Die Rückblickend total schön und unkompliziert wirkt, von der ich aber weiß, dass ich manchmal echt nicht mehr mochte.) Und ja, selbst an die Geburt. Die Aufregung. Den ersten Moment mit unserem Baby. Die erste Zeit im Krankenhaus. Unser Wochenbett.

Ich möchte noch ein Baby. Das alles nochmal (und doch ganz anders!) erleben. Einige Dinge anders machen. Manches mehr wertschätzen. So ist zumindest der Plan.

Eigentlich hat das noch Zeit. Wir haben noch Zeit. Doch dann sehe ich diesen positiven Test und ich werde ungeduldig. Ich will nicht warten. Ich will das auch. Ich will nicht, dass meine Kinder zu weit auseinander sind. Ich will den perfekten Altersunterschied. Ich will alles, was die anderen haben. Und am besten noch mehr!

Wir sind noch nicht bereit

Und dann lehne ich mich zurück. Schließe die Augen. Und muss über mich selbst lachen. Eigentlich weiß ich, wie dämlich solche Gedanken sind. Und mein Körper, der sagt mir ganz klipp und klar, dass er noch nicht wieder bereit für eine Schwangerschaft ist. Ich stille immer noch voll und habe meine Periode bisher noch nicht wieder gehabt.

Kinderkriegen ist kein Wettbewerb. Es gibt kein besser oder schlecht. Es ist egal, ob man ein Kind, zwei, drei, vier oder mehr hat. Alles ist gut. Es ist auch egal, wie groß der Altersunterschied ist. Für den einen passt ein kleiner Altersunterschied, für die anderen ein größerer. Und wenn es einfach passiert, dann ist es eh toll, so wie es ist.

Ich muss mit niemandem mithalten. Muss niemandem beweisen, dass ich das genauso schaffen würde mit 2 unter 2. Ich muss nicht jetzt schwanger werden, nur damit irgendwelche Kinder im gleichen Alter sind. Oder ich wieder mit den gleichen Frauen den Rückbildungskurs machen kann.

Ja, wir wollen noch ein Baby. Nein, nicht jetzt sofort. Und wenn ich deinen positiven Schwangerschaftstest auf Facebook oder bei Instagram sehe, dann freue ich mich aus vollem Herzen mit dir und genieße die Vorfreude. Denn irgendwann, da werde auch ich (hoffentlich) wieder einen solchen Test in der Hand halten. Wenn ich weiß, dass der perfekte Zeitpunkt FÜR UNS gekommen ist.

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Nele

Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Babyjungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.

18 KOMMENTARE

  1. Schön geschrieben! Wir wollten immer den kleinen Abstand und das klappte so nicht. Retrospektiv alles optimal. Zwischen dem Großen und dem Mittleren liegen etwas 2 2/3 Jahre und zwischen dem Mittleren und dem Kleinen sind 3 1/4 Jahre und es ist perfekt für uns. Sie spielen zusammen, aber die Großen waren jeweils schon verständig und etwas selbständiger. Ausserdem kann man alles mehr genießen. Den universal perfekten Abstand gibts ohnehin nicht.

    • Ja, manchmal kommt es dann auch ganz anders als man denke 😀 Und dann merkt man, dass das eigentlich total gut ist 🙂 Ich denke auch, dass jede Familie für sich schauen und entscheiden muss, was für sie persönlich der „perfekte“ Altersunterschied ist. Und da sollte man sich von anderen nicht hereinreden lassen (auch wenn das manchmal nicht so leicht ist).

  2. Sehr schön geschrieben. Für uns war, nein ist, unsere Kleine immer noch ein Wunder. Wir genießen die Zeit zu dritt und da sie uns auch schon echt fordert, wagt man es nicht an ein 2. Kind zu denken. Vielleicht ist da bei mir manchmal schon dieser klitzekleine aufkeimende Gedanke, und dann besinnt man sich und denkt „Nein, viel zu früh!“

    Da ich ja schon zu den „alten Mami’s“ gehöre und es tatsächlich ein kleines Wunder war überhaupt unsere kleine Maus in den Armen halten zu können, habe ich diesbezüglich eine gewisse Gelassenheit. Wenn es noch ein 2. kleines Wunder geben sollte, dann nehme ich es so wie es kommt und wann es kommt.

    • Danke dir :*
      Gelassen zu sein ist super und ich weiß ja auch eigentlich, dass wir genug Zeit haben. Trotzdem muss ich mich immer wieder selbst ermahnen 😀 Gelassen zu sein ist für mich doch ein Stück Arbeit 🙂 Aber ich gebe mir Mühe.
      Ich bin gespannt, was da noch alles kommt!

  3. So schön geschrieben .
    Ich habe allerdings eher das Problem, das mich alle fragen wann das nächste kommt.. Unser Kleiner ist Anfang Juli 2016 geboren und für uns schon ein absolutes Wunder gewesen.. Bisher wollen wir kein weiteres „riskieren“. Aber ich fühle mich fast schon langsam dazu gedrängt wenn jedes Mal auf die Frage „wie alt ist er jetzt“ die Frage kommt „und plant ihr schon wegen dem nächsten“? Gerne auch mit dem Zusatz „je älter man wird, desto schwerer wird es ja auch..“ Ach, ich gönne jeder Mama zwei oder noch mehr kleine Wunder, aber keiner mag verstehen, dass man mit einem auch zufrieden sein kann…

    • Oh ja, du hast Recht! Man kann auch durchaus „nur“ ein Kind haben und vollkommen zufrieden damit sein. Die Frage kam bei uns auch schon ein paar Mal und ich muss sagen, dass ich es manchmal schon fast ein bisschen unverschämt finde – wobei es wahrscheinlich nicht böse gemeint ist und einfach für viele „Smaltalk“ ist.
      Lasst euch auf jeden Fall nicht unter Druck setzen und macht das, was euer Herz euch sagt 🙂 Ich versuche das auch 🙂

  4. Sehr schön geschrieben!
    Bei mir löst dein Artikel einiges aus… ich bin zwar ungeplant schwanger geworden, hab aber die volle Breitseite abbekommen, von diesem unnötigem Wetteifer. Angefangen bei:“Das hat sie mit Absicht gemacht, weil sie wusste, dass ich noch ein Kind will!“; bis „Jetzt kann ich wegen ihr nicht schwanger werden!“.
    Das hat mich sooooo getroffen, dabei war es nie meine Absicht jemanden „einen Strich durch die Rechnung“ zu machen. Ich hätte mich mehr über aufmunternde oder liebe Worte zu meinem unerwarteten Glück gefreut.
    Denn wie du schreibst: Kinder kriegen ist kein Wettbewerb.

    • Oh wow, das ist ja sehr gemein! Ich kann ja verstehen, dass das Thema viele Gefühle aufwühlt, aber jemand anderem so etwas vorzuwerfen oder überhaupt solche Gedanken zu haben, ist schon krass.
      Ich hoffe, dass sich das mittlerweile gelegt hat und sich alle mit dir freuen können 🙂

  5. Wir sind mit unseren zwei Mädels (eigentlich) komplett. Im Moment kann ich mir kein weiteres Kind vorstellen. Beide Kinder sind auf ihre Art anstrengend, fordernd und wundervoll. Und trotzdem bin ich manchmal etwas wehmütig, wenn wir wieder Klamotten aussortieren weil sie zu klein geworden sind. Ich freue mich für jede die sich über einen positiven Test freuen darf. Aber in solchen Momenten überlege ich, ob ich dass nicht doch nochmal erleben will.

  6. Toll geschrieben. Es ist einfacher, wenn man als Eltern bereit ist. Meine Tochter kam auf die Welt, als mein Sohn knapp drei Jahre alt war. Ich fand das erste Jahr sehr anstrengend.

    Jetzt geht es allerdings ganz gut. 🙂 Wobei ich das nicht zu laut sagen will … wer weiß welche Phasen als nächstes auf mich zukommen ….

    • Irgendeine Phase steht ja immer an 😀

      Ja, ich denke auch, dass es da keine universellen „Regeln“ gibt, jeder muss einfach schauen, was für die eigene Familie passt 🙂

  7. Ich habe diesen Text tatsächlich ganz zufällig gefunden und gar nicht danach gesucht (Google weiß halt was einen so beschäftigt ;)) und ihn deshalb geöffnet weil dieser Text exakt so von mir sein könnte. Alles, aber auch wirklich alles stimmt. Und nun beruhigt es mich sehr, dass es auch anderen manchmal so geht und versuche auch gelassener zu sein und uns die Zeit zu geben, die wir erstmal zu dritt brauchen. Danke für die tollen bestärkenden Worte!

    • Liebe Iniminilino,
      ja, manchmal finden wir genau das, was wir brauchen – ohne danach gesucht zu haben 🙂 Es freut mich, dass dir mein Text hilft und umgekehrt ist es für mich immer sehr schön zu lesen, dass andere sich in meinen Texten wiederfinden und ähnliche Gedanken haben. Dir uns deiner Familie alles Gute 🙂
      Nele

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