Manchmal liegt es eben nicht in unserer Hand

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Manchmal läuft eigentlich alles ganz gut. Man ist zufrieden mit seinem Leben und die Tage vergehen ohne große Sorgen. Klar gibt es Dinge, die nicht so toll laufen, Stolpersteine, die im Weg liegen. Aber insgesamt hat man das Gefühl, dass man eigentlich alles im Griff hat. Dass man das Leben unter Kontrolle hat.

Und dann ganz plötzlich, passiert etwas und einem wird klar, dass man eigentlich nie etwas im Leben wirklich unter Kontrolle hat. Dass wir alle Spielfiguren auf einem Spielbrett sind, die willkürlich mal in die eine und mal in die andere Richtung gestoßen werden. Dass unser Leben nur bis zu einem gewissen Grad so selbstbestimmt ist, wie wir immer annehmen. Und dass einem oft nichts anderes übrig bleibt als den Weg anzunehmen, auf den man geschubst wurde.

Wir glauben oft, dass wir etwas nur stark genug wollen müssen, damit es eintrifft. Besonders offensichtlich wird diese Einstellung wenn es um einen unerfüllten Kinderwunsch oder schwere Krankheiten geht. „Du musst kämpfen, dann klappt das schon!“ Wer selber in einer solchen Situation ist, der möchte bei solchen Sätzen wahrscheinlich am liebsten Amok laufen. Denn die große Mehrheit, die so etwas betrifft, kämpft mit Sicherheit wie besessen.

Und so richtet unser Glaube an die „Allmacht unserer eigenen Fähigkeiten“ manchmal vielleicht mehr Schaden an, als das er hilft. Denn wer trotzdem kinderlos bleibt oder die Krankheit nicht besiegt, der hat dann einfach nicht genug gekämpft? Hat sich nicht genug Mühe gegeben, nicht jede Möglichkeit ausprobiert, nicht jeden Wunderheiler kontaktiert?

Die selektive Berichterstattung in den Medien bestärkt uns in diesem Glauben, denn dort hören wir immer nur von dem, der doch noch auf natürlichem Wege ein Kind bekommen hat, oder der trotz der Prognose der Ärzte noch über 100 Jahre alt wurde. Von den anderen, den 99% die hingegen kein Kind bekommen haben oder denen, die den Kampf gegen die Krankheit verloren haben, von denen wird hingegen nie berichtet.

Und so wiegen wir uns in dem Glauben, dass es in unserer Hand liegt. Dass wir nicht mehr aufgelastet bekommen, als wir tragen können. Dass das, was uns nicht umbringt, uns stärker macht. Dass jeder das bekommt, was er oder sie verdient.

Und wenn kurzzeitig die Realität anklopft und uns zeigt wie machtlos wir sein können, dann wissen wir oft nicht, wie wir damit umgehen sollen. Früher wandten sich die Menschen in solchen Zeiten an Gott. Heute fällt es uns in solchen Situationen schwer überhaupt an etwas zu glauben. Doch vielleicht ist genau das, was das Leben ausmacht: Ständig die Balance zu finden, zwischen dem Glauben, dass man sein Schicksal selbst in der Hand hat und dem Wissen, dass man das Leben so nehmen muss, wie es kommt.

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

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Deine
Nele

P.s.: Unserem Baby geht es gut, keine Sorge!

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