5 zu 1: die Formel für eine glückliche Beziehung

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Kritik ist so ein Thema. Die meisten Menschen sagen von sich, dass Sie Kritik gut vertragen, und trotzdem kommt es darüber oft zu Streits oder gar Zerwürfnissen. Auch in den meisten Partnerschaften ist dies immer mal wieder Thema und sorgt bei Vielen für negative Gefühle und Gedanken. Dass Kritik aber auch wichtig ist und man diese nicht ein Leben lang herunterschlucken kann, ist ebenso klar. Wissenschaftler beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit diesem Thema. Ein interessanter Ansatz ist die „5 zu 1“-Regel.

Das Verhältnis ist entscheidend

Die „5 zu 1“-Regel besagt, dass es einer Beziehung gut tut, wenn das Verhältnis von Kritik zu Zustimmung oder Lob 5 zu 1 entspricht. Wer einmal kritisiert, sollte daraufhin also fünf Mal loben. J. M. Gottmann fand bei seiner Forschung mit Ehepaaren, dass dieses Verhältnis bei glücklichen Ehen vorlag, während Ehen, bei denen dieses Verhältnis niedriger lag, eher scheiterten. Am instabilsten waren die Ehen von Paaren, bei denen dieses Verhältnis 0,8 bis 1 zu 1 betrug, diese scheiterten am häufigsten.

Dies widerspricht dem, was die meisten Menschen intuitiv annehmen: dass es ausreichen sollte, wenn man sich für etwas Negatives einmal entschuldigt (bzw. dass eine negative Anmerkung durch eine positive ausgeglichen wird). Für eine glückliche Beziehung ist entscheidend, dass beide Partner das Gefühl haben, dass Positives und Negatives sich mindestens die Waage halten und dieses Gefühl stellt sich im Schnitt bei Menschen ein, wenn das Verhältnis bei 5 zu 1 liegt. Negatives scheint somit deutlich schwerer zu wiegen als Positives.

Im Alltag sollten wir uns dies immer mal wieder bewusst machen. Als einfache Maßnahme bietet es sich dabei an, generell mehr und bewusster zu loben. Nicht nur unserem Partner tut es gut, wenn wir ihm oder ihr häufiger mitteilen, dass uns etwas gefällt, sondern auch unseren Verwandten, Freunden und besonders unseren Kindern. So konnten Hart und Risely zeigen, dass Kinder, deren Eltern viel mit ihnen sprechen, sie häufig loben und sie dabei im Schnitt 5-mal mehr loben (bzw. Zustimmung äußern) als tadeln (bzw. Ablehnung deutlich machen) sich besser entwickelten als die anderen Kinder.

Wie kann man mehr loben, ohne dass dies „unecht“ wirkt?

In einem Versuch, in dem Lehrer ihre Schüler häufiger loben sollen (um an das 5 zu 1 Verhältnis zu kommen), berichteten die Lehrer, dass sie in der Folge eher Verhalten lobten, das sie früher kritisiert hätten, das aber in die Richtung des eigentlichen Ziels ging. Sie lobten somit vermehrt die Zwischenschritte, die zur Erreichung des eigentlichen Ziels nötig waren. Kritisiert wurde hingegen vermehrt das Verhalten, das diesem Ziel deutlich widersprach. Diese Art zu loben und zu kritisieren ist schon lange aus der Verhaltensforschung unter dem Begriff „Shaping“ bekannt. Dabei wird ein Ziel festgelegt und dann Unterziele, die dazu dienen das eigentliche Ziel zu erreichen. Gelobt wird immer, wenn ein neues Unterziel erreicht wurde, bis das eigentliche Ziel am Ende erreicht wird.

Vorteil des Shapings ist es, dass auch kleine Schritte positiv belohnt werden und somit ein Erfolgserlebnis darstellen. Und nichts motiviert uns mehr als das Gefühl etwas zu können und gut in etwas zu sein. Das gilt sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene.

Fazit

Egal ob bei unserem Partner oder unseren Kindern, wir sollten stets im Blick behalten, dass Negatives mehr wiegt als Positives. Um ein Gleichgewicht herzustellen, sollten wir darum deutlich mehr positive als negative Interaktionen haben. Mehr zu loben, mag uns am Anfang zwar merkwürdig erscheinen, erfüllt aber durchaus einen Zweck und kann eine Beziehung verbessern.

Natürlich sollten wir nun nicht damit beginnen genau aufzuschreiben, wann und wie oft wir unseren Partner oder unsere Kinder loben und wie oft wir sie kritisieren um dann pedantisch „auszurechnen“ wie wir dies ausgleichen können. Es geht mehr darum, sich bewusst zu machen, wie wichtig es (auch für Erwachsene) ist, Anerkennung und Zustimmung zu bekommen und wie stark sich diese, manchmal sehr kleinen, Interaktionen auf die Qualität unserer Beziehungen auswirken.

Auf einen Blick

In einer glücklichen und stabilen Partnerschaft überwiegen positive im Vergleich zu negativen Interaktionen im Schnitt mit einem Verhältnis von 5 zu 1 (auf eine negative Interaktion kommen also fünf positive Interaktionen). Um dieses Verhältnis zu erreichen, ist es oft sinnvoll prinzipiell mehr zu loben und positives zu sagen. Dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf Partnerschaften beziehen, sondern auch auf die Eltern-Kind-Interaktion.

Literatur:
Gottman, J. M., Coan, J., & Swanson, C. (1998). Predicting marital happiness and stability from newlywed interactions. Journal of Marriage and the Family, 60, 2-22.
Hart, B., & Risley, T. R. (1995) Meaningful Differences. Baltimore, MD: Paul H Brookes.
Martin, G., & Pear, J. (1999). Behavior Modification 6th ed. Upper Saddle River, NJ: Prentice Hall.

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Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
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