High Need Baby – unnötige Etikettierung oder Erleichterung für Betroffene?

© chalabala / Bigstock.com

Ein High Need Baby ist laut dem Ehepaar Sears ein Baby, das besonders viel Aufmerksamkeit benötigt und Eltern vor besondere Herausforderungen stellt. In diesem Artikel erfährst du mehr über das Konzept High Need Baby und die Frage, ob dieses Konstrukt sinnvoll ist.

1. Was ist eigentlich ein High Need Baby?

Das Konstrukt High Need Baby wurde von Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde) und seiner Frau (Hebamme) ins Leben gerufen, nachdem deren viertes Kind ein völlig anderes Verhalten zeigte als seine Geschwister und seine Eltern dadurch an ihre Grenzen brachte. Frau Sears gibt dabei selber zu, dass sie vorher den Frauen, die ihr erzählten, dass ihre Babys besondere Aufmerksamkeit benötigten keinen Glauben geschenkt hatte.

Nach langem Beobachten ihres eigenen Kinder, sowie der Kinder anderer, entwarfen die Sears ein Konstrukt mit 12 Dimensionen, die High Need Babys beschreiben.

1.1 Die 12 Dimensionen von High Need

  1. „Intense“: intensiv (anstrengend)
    Babys mit dieser Eigenschaft erscheinen zunächst einmal besonders anstrengend: sie tun ihre Bedürfnisse lauthals kund, neigen dazu sich „einzuschreien“, sind dazu oft noch besonders laut und lassen sich nur schwer wieder beruhigen. Eltern merken schnell, dass es leichter ist, wenn sie die Bedürfnisse ihres Babys erfüllen, bevor diese dringend werden. Auch das Stillen und Füttern wirkt oft krampfhaft oder kampfartig und das Baby wirkt generell verspannt, überstreckt sich und ballt die Hände zu Fäusten.

    Intensive Babys werden oft auch zu intensiven Kleinkindern, die sich kaum stoppen lassen und einen unendlichen Bewegungs- und / oder Entdeckungsdrang haben. Eltern tuen in diesem Alter gut daran, ihre Wohnung so kindersicher wie möglich zu machen, da diese Kleinkinder dazu neigen erst zu handeln und dann zu denken.

    All dies scheint zunächst (vor allem für betroffene Eltern) nicht besonders positiv. Die Sears geben jedoch zu bedenken, dass genau diese Eigenschaft dazu führen kann, dass ein Kind seine Umwelt besonders intensiv erkundet und entdeckt und dadurch eine ganz besondere Kreativität entwickeln kann. Außerdem sind nicht nur negative Emotionen bei diesen Kindern besonders ausgeprägt und mitreißend, sondern auch die positiven. Die Aufgabe der Eltern sollte darin bestehen, die Energie des Kindes in Bahnen zu lenken, in denen das Kind wachsen kann.
  2.  

  3. „Hyperactive“: hyperaktiv
    High Need Babys scheinen immer in Bewegung zu sein (bzw. es zu wollen). Hand in Hand damit einher geht, dass sie oft auch einen hohen Muskeltonus haben und somit immer angespannt sind (hyperton). Viele Babys finden in Berührung, Tragen und Liebkosungen der Eltern entspannung aber lange nicht alle.

    Hyperaktiv ist dabei nicht negativ zu bewerten. Bedenken sollte man immer, dass „hyper“ immer nur relativ ist: ein Kind ist „mehr“ („über“) als das andere. Es soll keine Beurteilung des Verhaltens sein, sondern lediglich eine Beschreibung. Hyperaktivität kann zudem dazu führen, dass ein Kind auch Hyperproduktiv ist oder in bestimmten Bereichen sehr schnelle Entwicklungsfortschritte zeigt.
  4.  

  5. „Draining“: entzieht Energie
    Eltern von High Need Babys fühlen sich oft, als würde das Baby ihnen alle Energie entziehen. Sie sind übermüdet, schlapp und kraftlos. Doch diese Energie geht nicht verloren, sondern direkt auf das Baby über. Alles, was wir an Energie abgeben, hilft unserem Baby zu wachsen, zu lernen und sich zu entwickeln. Das ständige Tragen, Schaukeln, Beruhigen, Füttern, Kuscheln und Bestärken kostet uns viel Kraft, die aber direkt unserem Baby zugute kommt.

    Mütter (und Väter) sollten dabei versuchen die Situation einfach anzunehmen und sich selbst zugestehen, dass sie eben nicht noch tausend andere Dinge schaffen können. Der Haushalt kann warten, das Baby nicht.

    Babys bedienen sich dabei an den Energiereserven ihrer Eltern, ohne sich Gedanken darum zu machen, dass für diese nichts mehr übrig bleibt. Für Eltern ist das sehr anstrengend und fast alle erreichen irgendwann einen Punkt, an dem sie denken, dass sie nicht mehr können. Und auf zauberhafte Weise ist an gerade diesem Tag das Baby etwas weniger fordernd. Einfach wird es bestimmt nicht, aber es wir immer Tage geben, an denen es einfacher ist.
  6.  

  7. „Feeds Frequently“: will ständig gefüttert werden
    Hight Need Babys haben ein großes Saugbedürfnis. Dieses lässt sich am besten an Mamas Brust stillen, da man dort auch noch kuscheln kann und Mama ganz nah ist. Die Forschung zeigt, dass Babys, die oft (und dafür kurz) gestillt werden, weniger schreien als solche, die längere Zeit auf die nächste Mahlzeit warten müssen. In einigen Kulturen stillen Frauen 20 Mal am Tag, was jedoch dadurch erleichtert wird, dass diese Frauen ihre Babys meist nah am Körper tragen. Um Übergewicht muss man sich dabei keine Sorgen machen: Beim Stillen trinken Babys zunächst die fettarme Vormilch und erst nach einiger Zeit die kalorienreiche Hintermilch. Stillbabys sehen dennoch manchmal aus wie kleine Sumoringer, doch mit dem Krabbeln verlieren sie ihre überschüssigen Pfunde meist sehr schnell.

    Die Sears gehen davon aus, dass es die bessere Option ist ein High Need Baby zu stillen, da das Fläschchen nicht so beruhigend wirkt und die enthaltene Milch deutlich mehr Kalorien enthält. Stillen sollten Mütter am besten nach Bedarf, da High Need Babys mit festen Zeiten oft nicht zurecht kommen. Auch das Abstillen wird bei High Need Babys wahrscheinlich schwieriger werden, da diese Kinder sich nur schwer beruhigen können und wenn sie eine Beruhigungsmethode gefunden haben (wie das Stillen), geben sie diese nur ungern auf.
  8.  

  9. „Demanding“: Fordernd
    High Need Babys kommunizieren ihre Bedürfnisse deutlich und laut. Sie schreien besonders intensiv, lassen sich nur beruhigen, wenn das Bedürfnis tatsächlich korrekt erfüllt wurde und das möglichst schnell. Was für Eltern sehr anstrengend sein kann und ihnen manchmal das Gefühl vermittelt, dass sie durch das Baby fremdgesteuert sind, führt jedoch auch dazu, dass Eltern besonders gut lernen ihr Baby einzuschätzen und seine Bedürfnisse schnell zu erfüllen.

    Wenn ein Kind sich sicher aufgehoben fühlt, kann es irgendwann lernen seine Bedürfnisse auf eine sozial verträglichere Weise zu kommunizieren. Gleichzeitig können Eltern diesen Kindern dabei helfen zu Erwachsenen zu werden, die zielstrebig für ihre Bedürfnisse und Rechte kämpfen.

    Fordernde Babys werden oft zu fordernden Kindern, die nicht nur Eltern, sondern auch Lehrern einiges abverlangen. Dafür sorgen diese Kinder so selber dafür, dass sie alles bekommen, was sie benötigen um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten weiterzuentwickeln.
  10.  

  11. „Awakens frequetly“: wacht ständig auf
    High Need Babys scheinen von allem mehr zu brauchen – außer vom Schlaf. Im Gegensatz zu ihren Eltern. Der beste Weg damit umzugehen, ist, laut den Sears, dem Baby eine Umwelt zu bieten, in der es sicher und geborgen schlafen kann und es gleichzeitig hinzunehmen, wenn das Baby dies nicht tut. Ein Baby zum Schlafen zu zwingen ist unmöglich und wird nur dazu führen, dass sowohl das Baby, als auch die Eltern frustriert werden.
  12.  

  13. „Unsatisfied“: unzufrieden
    High Need Babys lassen sich manchmal einfach nicht zufrieden stellen. Für Eltern ist das sehr frustrierend und führt schnell dazu, dass diese an den eigenen Fähigkeiten zweifeln. Ein glückliches, zufriedenes Baby gilt in unserer Gesellschaft als Beleg für die Fähigkeiten der Eltern, das ist aber schlicht falsch. Eltern können zwar alles versuchen, am Ende ist es aber vom Baby abhängig, was dieses annehmen kann. Trotzdem sollten Eltern weiterhin versuchen ihr Baby zu beruhigen und wenn man dann endlich eine Methode gefunden hat, die Hilft, dann kann man wirklich stolz auf sich sein. Dass Morgen alles schon wieder anders ist, darüber kann man sich morgen Gedanken machen.
  14.  

  15. „Unpredictable“: unvorhersehbar und unberechenbar
    Heute hüh und morgen hott. Was heute das Baby wunderbar beruhigte, sorgt morgen für noch mehr Tränen und Geschrei. Mit High Need Babys haben Eltern manchmal das Gefühl jeden Tag von neuem ein Rätselspiel zu spielen, dessen Lösung jeden Tag anders aussieht.

    Auch was die Stimmungen angeht, sind diese Babys unvorhersehbar. Plötzliche Stimmungsumschwünge sind an der Tagesordnung. Dabei überwiegen die Extreme: Das Baby ist entweder extrem fröhlich und steckt alle mit seinem Lachen an oder extrem wütend und überträgt diese negativen Gefühle ebenso auf alle anderen.

    Das tägliche Leben wird dadurch nicht leicht. Mal macht das Baby alles lachend mit und am nächsten Tag wird der Einkauf zum Horrortrip. Eltern bleibt nur sich so weit es geht auf das Baby einzustellen und mit diesen Ups and Downs zu leben.
  16.  

  17. „Super-Sensitive“: super sensibel
    High Need Babys reagieren super sensibel auf Geräusche, Veränderungen und Stimmungen. Am wohlsten fühlen sie sich in einer vertrauten Umgebung mit ihren Bezugspersonen. Wenn sie schlafen, werden sie schnell durch Geräusche wach und das Baby mal für einen Tag an jemanden abzugeben ist undenkbar. Auch auf körperliche Schmerzen reagieren diese Babys extrem und lassen uns Erwachsene das deutlich hören. Eltern können sich somit zumindest sicher sein, dass diese Babys stets deutlich machen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

    Wenn diese Babys älter werden, sind sie oft besonders empfänglich für die Gefühle und Gedanken anderer, entwickeln ein ausgeprägtes Empathie-Verhalten und sind besonders aufmerksam. Wenn wir sie in ihrer Entwicklung gut unterstützen, werden diese Kinder als Erwachsene tief gehende Beziehungen eingehen können und ein erfüllendes Sozialleben erfahren.
  18.  

  19. „Can’t put baby down“: lässt sich nicht ablegen
    Kuscheln, Tragen, Schaukeln und am besten den ganzen Tag auf Mamas oder Papas Arm. High Need Babys brauchen besonders viel Körperkontakt und lassen sich nur unter Protest ablegen. Am besten ist es, wenn der Träger dabei ständig in Bewegung ist, Stillstand finden die meisten High Need Babys eher beunruhigend.

    Manche Babys tun sich anfangs mit dem Körperkontakt schwer, dies liegt oft daran, dass sie so sensibel sind und die Berührungen sie beunruhigen. Eltern sollten dies nicht persönlich nehmen, auf ihr Kind eingehen und ihm das geben, was es braucht. Das Bedürfnis nach viel Nähe entwickelt sich dabei oft, wenn das Kind sich etwas sicherer fühlt.
  20.  

  21. „Not a self-soother“: beruhigt sich nicht selbst
    Wer meinte, ein Baby würde sich mithilfe eine Schnullers, einer Spieluhr oder einer Wippe selbst beruhigen, der wird durch High Need Babys eines besseren belehrt. Dies Babys brauchen Mama und Papa um sich zu beruhigen und die Reize der Umwelt, die täglich auf sie einstürmen, verarbeiten zu können. Alleine einzuschlafen ist für diese Babys sehr schwer und sie brauchen dazu viel Hilfe von den Eltern. Sich selbst in den Schlaf zu weinen, ist dabei keine adäquate Strategie um dem Kind beizubringen sich selbst zu entspannen.
     
    Bei jungen Babys ist es dabei das beste auf die Bedürfnisse so weit wie möglich einzugehen. Erst nach einigen wichtigen Entwicklungsschritten wird das Kind dazu in der Lage sein, durch Lernprozesse sein Verhalten anzupassen. Je älter das Kind wird, desto mehr sollten Eltern versuchen dem Kind adäquate Strategien beizubringen, um sich selbst zu helfen: Egal ob das ein Kuscheltier ist, das Geborgenheit vermitteln kann oder ein Einschlafritual, wichtig ist, das Eltern das Kind darin unterstützen im eigenen Tempo immer selbstständiger zu werden.
  22.  

  23. „Separation sensitive“: reagiert sensibel auf Trennung
    High Need Babys lassen sich nicht einfach an einen anderen abgeben. Sie brauchen am Anfang vor allem ihre Mama und tun dies lautstark kund. Fremden gegenüber werden sie nur zögerlich warm und auf den Arm nehmen dürfen sie nur ausgewählte Personen.

    Auch wenn uns Eltern dieses Verhalten manchmal anstrengt, aus Sicht des Babys ist es völlig logisch. Für das Baby ist die Mama ein Teil des eigenen Selbsts, ein Teil, den man zum Überleben benötigt. Die Sears haben Mütter beobachtet, die ihre Babys viel getragen, nach Bedarf gestillt und oft auch mit ihnen in einem Bett geschlafen haben und diese Mütter entwickelten Trennungsängste bezüglich ihres Babys. Wenn schon Mütter diese Gefühle zeigen, dann sind sie wohl völlig normal für die kleinen Wesen, die ohne ihre Mütter nicht wären.

    Mit der Zeit erweitert sich der Kreis, der Personen, zu denen das Baby Vertrauen fasst, trotzdem dauert es lange, bis es Vertrauen zu Unbekannten fasst. Trennungsängste können dabei bis ins Kindesalter sehr intensiv sein und für Konflikte sorgen. Auf der anderen Seite zeigt dieses Verhalten aber auch, dass die Kinder sehr intensive emotionale Bindungen aufbauen.
  24. 1.2 Anmerkungen zu diesem Konzept

    Auf der Homepage askdrsears wird im Rahmen der Vorstellung des Konzepts darauf hingewiesen, dass jedes Baby wahrscheinlich einige dieser Eigenschaften besitzt. Jedes Baby ist somit ein bisschen High Need und zudem haben auch Babys bessere und schlechtere Tage. Den Sears geht es dabei nicht darum Babys abzustempeln oder ihnen ein Label zu verpassen, sondern darum ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass verschiedene Babys in unterschiedlichen Bereichen mehr Aufmerksamkeit brauchen und fordernder sind.

    Sie sagen zudem, dass sie diese Eigenschaften nicht wertend meinen, sondern lediglich beschreibend. Jede dieser Eigenschaften birgt dabei sowohl Herausforderungen als auch Potenzial mit sich. Das Ziel sollte sein, sein Kind mithilfe dieses Konstruktes besser einschätzen zu können und ihm dabei zu helfen sein Potenzial zu entfalten und Schwierigkeiten irgendwann allein meistern zu können.

    Ich finde, dass dies ein wundervoller Ansatz ist, da es tatsächlich äußerst wichtig ist Kindern Methoden beizubringen, mit ihren Schwächen umzugehen und ihre Stärken zu nutzen. Um das leisten zu können, ist es natürlich unumgänglich, dass Eltern zunächst die Stärken und Schwächen ihrer Kinder erkennen.

    2. Wir haben ein High Need Baby!

    Seit ich Mama bin, frage ich mich schon öfters mal, ob ich nicht etwas falsch mache. In Gesprächen mit anderen Mamas fühle ich mich nicht selten unzulänglich. Während andere mit ihrem Baby allein Zuhause sind und den Haushalt spielend im Griff haben, nebenbei kochen, backen und natürlich genug schlafen, bin ich froh, wenn ich mal 10 Minuten für mich habe um in Ruhe zu duschen. Und das obwohl Finn den ganzen Tag hier ist.

    Unser Babyjunge ist ein unglaublich tolles Kind und wir lieben ihn über alles. Er ist aber auch manchmal ganz schön anstrengend. Er lässt sich keine Minute ablegen, schläft grundsätzlich nur, wenn einer von uns daneben liegt, würde am liebsten den ganzen Tag an der Brust nuckeln und lässt sich von niemandem außer uns Eltern auf den Arm nehmen. Vor allem Abends braucht er seine Mama und dann kann nicht einmal Papa ihn beruhigen. Unterwegs ist es egal ob er mollig im Tuch mit mir kuscheln kann oder im Kinderwagen liegt und sanft durchgeruckelt wird, er schreit oft bis er einschläft. Ach ja, einschlafen läuft hier sowieso selten friedlich ab, man hat eher den Eindruck, Schlaf wäre die reinste Folter für den Kleinen. Schreiend einschlafen und dann mit dem ersten Blinzeln weiter schreien? Hier keine Seltenheit.

    3. Brauchen schon Babys solch einen „Stempel“?

    Dass unser Babyjunge ein High Need Baby ist, habe ich heute eher durch Zufall erfahren. Bei Facebook las ich einen Artikel, der kritisiert, dass Babys diesen Stempel bekommen, dort wurde die Frage aufgeworfen, was es den Betroffenen bringt und ob es nicht den Babys schaden würde.

    Ich habe mich dann recht lange mit dem Thema auseinander gesetzt und mich dabei selber gefragt, ob es mir etwas bringt, wenn ich nun weiß, dass mein Baby ein High Need Baby ist.

    3.1 Die Intention der Sears

    Wer sich die Website von Dr. und Frau Sears anschaut, der gelangt schnell zu der Erkenntnis, dass dieses Konzept gar nicht so negativ aufzufassen ist, wie es sich vielleicht zunächst anhört. High Need klingt in unseren Ohren vielleicht erst mal sehr negativ und nach „Problemkind“, wenn man sich das alles aber in Ruhe durchliest erkennt man schnell, das High Need zwar für Eltern extrem anstrengend ist, darin aber gleichzeitig auch wahnsinnig viele Ressourcen stecken.

    Wenn man sich bewusst macht, warum das eigene Kind diese Verhaltensweisen zeigt, dann ist es nicht mehr weit dahin dies positiv zu nutzen. Sein Kind darin zu unterstützen sich gut zu entwickeln und bestimmte Eigenschaften dabei sogar zu fordern, anstatt sie dem Kind abzugewöhnen. Somit denke ich, dass ein Bewusstsein dafür, dass das eigene Baby ein High Need Baby ist, dazu führen kann, dass man besser mit seinem Baby umgeht.

    3.2 Ein Name macht es greifbar und real

    Außerdem muss ich ganz klar sagen: Es ist so erleichternd zu wissen, dass ich mir nicht alles nur einbilde und mich anstelle!

    Das hört sich jetzt vielleicht erstmal komisch an, aber wenn man als Mama merkt, dass alle anderen viel besser mit ihren Kindern klarkommen und nebenbei viel mehr schaffen, dann zweifelt man einfach an seinen eigenen Fähigkeiten. Man denkt, dass man selber irgendwie versagt. Dass einfach die Babys unterschiedliche Temperamente haben und sich sehr unterschiedlich verhalten, daran habe ich tatsächlich kaum gedacht.

    Es liegt nicht immer alles an den Fähigkeiten der Mama (oder des Papas), sondern auch am Temperament des Kindes.

    Mir persönlich geht es gar nicht darum, nun einen Begriff für das Verhalten meines Babys zu haben, sondern viel mehr darum zu wissen, dass es noch mehr Babys gibt, die fordernder sind. Dass es nicht meine Unzulänglichkeit ist, dass mein Baby ständig beschäftigt werden will und unser Tag durch sein Schreien bestimmt wird.

    Und ganz ehrlich? Dass mein Baby anders ist als andere, das erkennt man auch so. Meine Mama sagt immer liebevoll, dass er halt etwas ganz Besonderes ist. Und wenn wir unterwegs sind, dann merken andere schnell, dass man sich mit mir nicht wirklich unterhalten kann und in einem Restaurant etwas zu Essen zu bestellen, ist eher sinnlos da ich es wahrscheinlich (wenn überhaupt) kalt herunterschlingen muss. Mittlerweile haben wir uns ganz gut auf unseren Babyjungen eingestellt und wissen, was möglich ist und womit wir lieber noch etwas warten. Dadurch ist unser Alltag sehr entspannt geworden und der Babyjunge ebenfalls. Trotzdem hat mir das Konzept der Sears in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet und mir ist bewusste geworden, dass viele der Verhaltensweisen, die ich manchmal als sehr anstrengend empfinde auch durchaus ihre positiven Seiten haben, die ich nutzen und fördern kann.

    Zudem habe ich nun ein weiteres Puzzle-Teil gefunden um zu erklären, warum unser Wochenbett so wahnsinnig anstrengend und alles andere als schön war. Außerdem glaube ich, dass es sehr wichtig ist die Schwächen seiner Kinder zu kennen. Denn wenn wir unsere Schwächen kennen, können wir diese sogar zu einem Vorteil machen. Wie? Darüber habe ich im Artikel High Need als Chance ausführlich geschrieben.

    3.3 High Need als Stigmata

    Im Psychologie-Studium haben wir viel darüber gesprochen, dass Diagnosen auch Stigmata sein können. Dass man darum sehr vorsichtig mit sowas sein soll. Trotzdem gibt es sie. Denn auf der anderen Seite hat man nun endlich eine Erklärung für ein Verhalten, das in irgendeiner Form von der Norm abweicht. Man weiß nun, woran man ist und oft geht damit auch einher, dass sich endlich Lösungswege zeigen.

    High Need ist keine Diagnose.
    Es ist ein Konstrukt, das auf der Beobachtung von Babys beruht. Es sagt nicht, dass ein Baby krank oder gestört ist, hilft nicht ein geeignetes Medikament zu finden und ermöglicht Betroffenen nicht eine besondere Therapie aufzusuchen. Es beschreibt lediglich Verhaltensweisen, die zusammen dafür sorgen, dass ein Baby besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge von seinen Eltern fordert.

    Die entscheidende Frage ist doch nun, was Eltern mit dem neuen Wissen anfangen. Wenn sie wissen, dass ihr Baby ein High Need Baby ist, werden sie dann vielleicht gelassener? Setzen sich weniger unter Druck und können im Wettstreit um die perfekte Mutter etwas entspannter sein? Wenn man diese Fragen mit ja beantworten kann, dann denke ich, dass das Konstrukt High Need Baby dem Kind eher hilft. Denn erinnern wir uns nochmal: entspanntere, glücklichere Eltern – entspannteres, glücklicheres Kind (soweit sich das eben beeinflusst).

    Vielleicht sehen Eltern ja sogar, dass ihr Baby in einigen Bereichen High Need ist und in anderen gar nicht? Oder sie erkennen, dass ihr Baby tolle Ressourcen hat, die man als Eltern gezielt nutzen und fördern kann, so wie die Sears es selber beschreiben. Unser Babyjunge hat zum Beispiel einen wahnsinnigen Bewegungsdrang und trainiert jeden Tag super ausdauernd seine ganzen Muskeln. Wir müssen dabei zwar immer an seiner Seite sein und stets schauen, wann wir eingreifen müssen, damit er nicht zu frustriert wird (das endet immer in lautem Geschrei) aber ich hoffe, dass wir ihm dabei helfen können diese Ausdauer und Motivation zu behalten.

    Auf der anderen Seite würde es dem Baby tatsächlich schaden, wenn bestimmte Erwartungshaltungen der Umwelt nun dafür sorgen, dass dieses sich tatsächlich mehr und mehr so verhält. Implizite, also unbewusste, Erwartungen beeinflussen das Verhalten unseres Gegenübers mehr als wir uns manchmal vorstellen können (siehe zum Beispiel der Rosenthaleffekt). Wenn ich nun von meinem Baby erwarte, dass es ständig weint, sich nicht ablegen lässt und besonders viel Aufmerksamkeit benötigt, dann kann es sein, dass mein Baby diese Verhaltensweisen mit der Zeit immer mehr zeigt, weil ich es unbewusst dahingehend beeinflusse. Allerdings lässt sich hier kritisch anmerken, dass ich mein Baby dazu nicht einmal als High Need Baby bezeichnen muss, es reicht, wenn ich denke, dass mein Baby sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält.

    Um es zusammengefasst auf den Punkt zu bringen: Zu wissen, dass man selber ein High Need Baby hat, kann Eltern meiner Meinung nach durchaus helfen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Kinder sich im Laufe ihrer Entwicklung sehr stark verändern können und somit immer wieder kritisch hinterfragen, ob diese Beschreibung noch auf das eigene Kind zutrifft und hilfreich ist oder gar einer (Weiter-) Entwicklung im Wege steht.

    Trage dich in unseren Newsletter ein!

    Und erhalte Nachrichten, wenn neue Beiträge erscheinen, Einladungen zu Produkttests und tollen Verlosungen für Mamis! Garantiert kein Spam.

    * Pflichtfelder

    ** Nötig, wenn du Schwangerschafts-Updates erhalten willst. Wenn du nicht schwanger bist oder keine Schwangerschafts-Updates erhalten willst, einfach frei lassen.

    Die Einwilligung umfasst unsere Hinweise zum Widerruf, Versanddienstleister und Statistik entsprechend unserer Datenschutzerklärung.


    Im übrigen kann und möchte ich dieses Thema hier nur „anreißen“, wenn ihr mehr darüber wissen wollt, dann schaut doch mal bei 2kindchaos vorbei, dort steht das Thema High Need Babys und Kinder im Vordergrund!

Ähnliche Beiträge

Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Kommentare

  1. Antworten

    Wow! Was für ein spannender Artikel! Ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute!!!

    1. Nele Hillebrandt
      • Nele Hillebrandt
      • 6. März 2017
      Antworten

      Vielen Dank liebe Tintenhexe!

  2. Liebe Nele,
    wir so oft kann ich dich auch hier sehr gut verstehen. Das Minikröhnchen brachte mich in den ersten drei Monaten nicht selten zur Verzweiflung, dann wurde es besser. Aber auch heute noch gibt es Tage, an denen er 24/7 Mama einfordert und ich einfach kaum zu etwas komme.

    Das Thema High Need Baby war für mich als ich davon las eine echte Erleichterung. Man hörte nicht nur, dass Babys den ganzen Tag lachen und gut drauf sind. Man erfuhr, dass es auch anderen so geht und versucht den „Fehler“ weniger bei sich zu suchen. Es fällt leichter damit umzugehen.

    Mag es nun ein Stempel oder eine Modeerscheinung sein, es gibt dem Ganzen einen Namen und allein dadurch fühlt man sich verstanden.

    Liebste Grüße
    Frau Kröhnchen

    1. Nele Hillebrandt
      • Nele Hillebrandt
      • 6. März 2017
      Antworten

      Hallo Frau Kröhnchen,
      ja, ich finde es manchmal sehr schade, dass Mütter meinen immer nur erzählen zu müssen, wie gut alles klappt und wie gut es ihnen geht. Über die andere Seite sollte man genauso offen berichten, das sorgt nicht nur für weniger Konkurrenzkampf, sondern auch für ein entspannteres Miteinander. Von daher bin ich froh, dass es auch diese Konzepte gibt, in denen Eltern sich und ihr Baby wiederkennen können und dann merken, dass das auch normal ist 🙂
      Liebe Grüße
      Nele

    • Petra
    • 7. April 2017
    Antworten

    das was ich bis jetzt gelesen habe, passt genau auf Maxi <3 <3

    • Petra
    • 7. April 2017
    Antworten

    er ist so….und er wird so wie er ist geliebt

  3. Antworten

    Hallo Nele,

    ich recherchiere gerade für einen Artikel (Print) und finde deinen Beitrag wirklich interessant und lesenswert!

    Alles Gute weiterhin mit deinem High Need-Baby 😉

    1. Nele
      • Nele
      • 25. Juli 2017
      Antworten

      Hallo Hanna,

      danke für das nette Kompliment 🙂 Jetzt bin ich aber neugierig: Gib mir gerne mal Bescheid, wo man deinen Artikel lesen kann 😉

      Danke dir und euch viel Erfolg bei den Reisevorbereitungen!

      1. Antworten

        Der Artikel erscheint in der Attachment Parenting Ausgabe vom „Unerzogen“ Magazin. Gibt es als Print oder Online…

    • Luisa
    • 2. November 2017
    Antworten

    Hallo Nele,

    ich bin durch Zufall in einer Elternzeitschrift auf den Begriff high-need-baby gestoßen und dann bei der Internetsuche auf deiner Seite hier gelandet und ich muss sagen, beim Lesen hat sich regelrecht Erleichterung bei mir breit gemacht! Vor allem zu wissen, dass es noch viele andere Babies gibt, auf die diese Beschreibung zutrifft und dass man selbst gar nicht so viel falsch macht – im Gegenteil – ist unheimlich beruhigend. Noch dazu schreibst du so treffend, dein Artikel spricht mir wahrlich aus der Seele! Super finde ich auch, dass du schreibst, dass es gerade keine Stigmatisierung sein soll. Unser kleiner Sohnemann ist jetzt bald 7 Monate alt und erfüllt jedes einzelne Kriterium. Im Moment „lehrt“ er uns, dass Brei in seinen Augen völliger Blödsinn ist, weshalb ich mich nun auch mit Baby-led-weaning beschäftige 😉 Er möchte einfach alles selbst machen, schafft aber auch so viel (krabbelt auch schon und übt gerade das Sitzen) und auch wenn ich manchmal völlig am Ende meiner Kräfte bin, bin ich unendlich stolz 🙂

    LG Luisa

    1. Nele
      • Nele
      • 3. November 2017
      Antworten

      Hey Luisa,
      oh ja, unser Kleiner hat uns auch sooo viel gelehrt 😀 Und seit ich mich mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, läuft es hier bei uns viel besser 🙂 Ich war damals auch sehr froh zu lesen, dass nicht ich verrückt bin, sondern dass Kinder sich im Temperament einfach unterscheiden und manche ein bisschen fordernder sind.
      Ich wünsche dir noch eine ganz tolle Zeit mit deinem Wirbelwind 🙂
      Liebe Grüße
      Nele

    • Daniela
    • 6. Dezember 2017
    Antworten

    Hallo an alle! Ich möchte davor warnen, das Ganze lediglich als High Need abzutun. Bitte holt euch Hilfe, wenn euer Baby immer weint! Meldet euch in einer Schreiambulanz! Unser Schreibaby ist mittlerweile 10 Jahre alt und hat hochgradig ADHS. Er ist immer noch high Need und wird es vermutlich sein ganzes Leben lang bleiben. Also, wenn ihr nicht mehr könnt, holt euch bitte Hilfe! LG, Dani

    1. Nele
      • Nele
      • 6. Dezember 2017
      Antworten

      Sich Hilfe zu holen, kann ich nur unterstreichen! Wenn man merkt, dass die eigenen Ressourcen erschöpft sind, sollte man sich unbedingt Hilfe holen.
      Danke für diese wichtige Anmerkung, Dani

    • Martina
    • 2. März 2018
    Antworten

    Hallo liebe Nele, verfolge sehr beigeistert deinen Blog. Ich bin im November 2017 Mami eines süßen Jungen geworden. Wir hatten einen schweren Start und ich brauchte 2 Monate um mein Baby anzunehmen und zu lieben. Ständig war er unzufrieden. Friedlich 2 h am Stück schlafen? Fehlanzeige! Gefühlt habe ich den ganzen Tag gestillt und getragen. Ich hatte das Gefühl er will von der Welt hier draußen nichts wissen und nur an meiner Brust ist es für ihn auszuhalten. Habe lange die Schuld bei mir gesucht, mittlerweile haben wir uns eingespielt und ich verstehe ihn besser. Du hast geschrieben, du hast dich zum schlafen immer mit hingelegt…wie lang brauchte dein Kleiner das? Wie schläft er jetzt tagsüber? Wie hast du Freunde/Familie/Bekannten erklärt, dass er besondere Bedürfnisse hat?
    Ich freue mich über Antwort von dir! Viele Grüße, Martina mit Baby Frederick

    1. Nele
      • Nele
      • 2. März 2018
      Antworten

      Hallo Martina,
      dann sind unsere Jungs ja fast gleich alt 🙂 Und ich kann sooo gut verstehen, was du schreibst, bei uns war es ja fast genauso.

      Wir schlafen übrigens immer noch mit ihm. Auch Nachmittags wechseln mein Mann und ich uns ab. Ich habe natürlich den Luxus, dass mein Mann von Daheim arbeitet und wir uns das aufteilen können, ansonsten wäre ich wahrscheinlich schon durchgedreht. Und wir sind beide recht entspannt was die Hausarbeit angeht, die hier einfach immer noch regelmäßig liegen bleibt.

      Abends ist es mittlerweile so, dass ich mit ihm ins Bett gehe und dann nach etwa 30 bis 60 Minuten aufstehen kann. Er schläft dann 1 bis 2 Stunden und dann muss ich wieder hin. Manchmal schaffe ich es dann noch einmal aufzustehen, manchmal schlafe ich aber auch einfach mit ein.

      Ich weiß auch nicht, wann das besser wird, hoffe aber 😀

      Meine Familie ist zum Glück sehr „bedürfnisorientiert“ geprägt und hier ist es kein Problem – eher sagt meine Mama mir, dass ich es einfach genießen soll mit ihm schlafen zu gehen etc. (was ich ehrlich gesagt nicht immer kann^^). Mit Freunden und Bekannten steigen wir selten so tief in das Thema ein, aber wenn, dann gibt es schon mal Unverständnis oder Aussagen wie „pass auf, dass du ihn nicht verwöhnst“ oder „da seid ihr doch selbst Schuld dran!“. Ich weiß aber mittlerweile dass das (für uns!) nicht stimmt. Ich weiß, dass mein Sohn das einfach braucht. Ich versuche in Gesprächen dann einfach das Thema zu wechseln. Bei der Erziehung hat halt jeder seine eigene Meinung und ich fange da keine Diskussionen mehr an oder versuche mich zu rechtfertigen.

      Ich wünsche dir alles, alles Liebe und drücke die Daumen, dass bald (für uns alle 😉 ) ruhigere Zeiten anbrechen 😉
      Nele

    • Juli
    • 18. April 2018
    Antworten

    Hallo, danke für deinen tollen Artikel. Ich empfinde das high Need Konstrukt auch vor allem als Erleichterung für mich als Mama, weil es mir zeigt, dass ich weder unfähig bin, noch mir was einbilde. Es hat mir auch geholfen mich selbst und mein Verhältnis zu meiner Mama besser zu verstehen. (Ja, hätte meine Mama damals von high Need gewusst, hätte sie sicher nicht so sehr unter dem sozialen Druck gelitten, der ihr sagte, sie sei eine schlechte Mutter usw. ) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur durch Erfahrung überhaupt verstanden wird, was mit high Need gemeint ist. Man muss am eigenen Leibe spüren, wie die Energie quasi aus einem rausgesogen wird ☺ Meine Schwiemu z.B. meinte mal „ich liebe deine beiden über alles. Sie sind lieb und brav und klug und witzig. Und ich weiss gar nicht wieso, aber ein Tag mit ihnen und ich habe das Gefühl eine ganze Weltreise hinter zu haben.“ Lg

    1. Nele
      • Nele
      • 18. April 2018
      Antworten

      Liebe Juli,
      oh ja, so ging es mir auch, als ich zum ersten Mal davon gelesen habe 🙂
      Und das mit dem Energie-Absaugen ist eine gute Umschreibung! Jetzt zum Beispiel fühle ich mich so kaputt und alle, dass ich froh bin, dass der Tag zu Ende ist und alle schlafen. Und das ist gar nicht böse gemeint, denn ich freue mich auf morgen! Wenn meine Akkus wieder voll sind 😉 Aber auch wir Mamas (und Papas und Omas und Opas und alle) haben eben nicht unbegrenzt Energie und Kraft.
      Liebe Grüße!
      Nele

    • Stefanie
    • 25. April 2018
    Antworten

    Hallo liebe Nele, ich bin auch im November 2017 stolze Mama eines High-Need-Babys geworden. Wir lieben unsere kleine Maus über alles und könnten uns unser Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich an manchen Tagen am Ende meiner Kräfte angelangt bin und oft nicht mehr weiß wie ich den nächsten Tag kräftemäßig überstehen soll. Die ersten drei Monate waren wirklich sehr sehr schwer und wir wussten einfach nicht was mit ihr los ist. Sie wollte nur stillen, alles andere endete nach nur fünf Minuten in Dauergebrüll. Nicht einmal Tragen war für sie toll. Geschlafen wurde tagsüber und nachts nur an der Brust ohne dass sie losgelassen hat. Es war wirklich schlimm und niemand konnte uns helfen. Mittlerweile ist es zwar noch immer anstrengend, sie weint auch noch sehr viel, aber es haben sich einige Dinge gebessert. Sie schläft sogar im eigenen Bett im eigenen Zimmer. Sie kommt zwar in schwierigen Nächten, welche nicht selten sind alle Stunde (oder weniger), aber das ist schon ein Fortschritt. Sie lacht auch mittlerweile viel und kommt mit sich und der Umwelt schon besser klar. Ich weiß, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, aber ich bin mir sicher, dass sie irgendwann ein lebensfrohes Mädchen werden wird. Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun und immer für sie da sein. Lange habe ich an mir gezweifelt und mir für alles die Schuld gegeben, habe aber nie wirklich ausmachen können, was ich genau falsch mache. Nachdem ich von High-Need gelesen habe wurde mir einiges klar und weiß nun, dass es nicht an mir liegt und wir nicht alleine sind und wir uns alles nicht einbilden. Ich finde, dass der Erfahrungsaustausch untereinander sehr hilft. Liebe Nele, Ihr Sohn ist jetzt schon 1,5 Jahre, richtig? Wie ist Ihre derzeitige Situation? Ist es besser? Vielen Dank und liebe Grüße – Steffi

    1. Nele
      • Nele
      • 30. April 2018
      Antworten

      Hallo Steffi,

      bitte entschuldige die späte Antwort! Ich habe gerade heute etwas zu unserer momentanen Situation geschrieben. Die ist, leider, eher angespannt und anstrengend. Ja, es gibt auch gute Tage aber jetzt gerade überwiegen gefühlt die schlechten. Es wird viel geweint und leider hat er sich in letzter Zeit angewöhnt mich zu hauen oder zu beißen, wenn etwas nicht so läuft, wie er es gerne hätte 🙁 Manchmal bedrückt mich das ganz schön. Und ich bin oft abends ziemlich am Ende meiner Kraft. Aber es ist, wie du sagst: Ich bin mir sicher, dass er ein lebensfroher Junge werden wird (ich sehe es ja jetzt schon oft 🙂 ) und ich unterstütze ihn da wo ich kann. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist.
      Ich hoffe, dass es bei euch auch weiterhin langsam aber stetig besser wird 🙂
      Liebe Grüße
      Nele

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.