Wenn Mamas nicht stillen – Von Vorurteilen, echten Geschichten und Hintergründen

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Du willst nicht stillen? Dann bist du eine schlechte Mama!

So, oder so ähnlich wird es einem oft vermittelt. Doch wer hat eigentlich das Recht so hart über andere zu urteilen? Woher kommt diese Annahme? Und was ist, wenn man zwar stillen will aber verschiedene Gründe dagegen sprechen? Ist man dann trotzdem eine schlechte Mama?

Nicht stillen? Keine leichte Entscheidung

Die Entscheidung nicht zu stillen, ist für die allermeisten Mamas keine, die sie leichtfertig treffen. Jede Mama macht sich Gedanken und Sorgen, überlegt, was für sie und ihre Familie das beste ist und entscheidet dann nach bestem Wissen und Gewissen.

Und ja, auch wenn sie sich dazu entscheidet nicht zu stillen, kann das für genau diese Familie das beste sein.

Ich bin keine Still-Gegnerin.
Ich bin aber eine Momshaming-Gegnerin.

Und wenn unsere Still-Liebe darin mündet, dass Mamas, die nicht stillen wollen oder können verurteilt werden, dann ist es wichtig, dass wir erkennen, dass das der falsche Weg ist.

Die Still-Dauer sagt nichts darüber aus, ob du eine gute Mama bist.

Von einem Extrem ins Andere

Auch wenn uns manchmal etwas anderes vermittelt wird: Überall auf der Welt war es schon lange üblich, dass Babys nicht nur gestillt sondern auch mit anderer Nahrung gefüttert wurde. In München lag die Stillquote zum Beispiel zwischen 1861 und 1886 unter 20 Prozent. Wie lange und ob gestillt wurde, war oft reginal sehr unterschiedlich und hing vor allem damit zusammen, dass Frauen wertvolle Arbeitskräfte waren, die man nicht entbehren konnte.

Problematisch war daran jedoch, dass die Babys mit Nahrung gefüttert wurden, die für sie eigentlich ungeeignet war. Es wurde teilweise Kuhmilch gefüttert, die oft nicht genügend sterilisert war, teilweise aber auch direkt ein flüssiger Brei aus Getreide mit Wasser oder Milch.

Viele dieser Säuglinge starben – deutlich mehr als in vergleichbaren Gruppen von gestillten Säuglingen.

Erste Fortschritte

Erst Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten industriellen Säuglingsnahrungen auf den Markt – die jedoch noch nicht wirklich auf die Bedürfnisse von kleines Babys angepasst waren. Trotzdem stellte dies einen ersten großen Fortschritt da, da Nahrung nun deutlich hygienischer war und so das Risiko für die gefütterten Kinder stark sank.

Erst in der Nachkriegszeit wurde daran gearbeitet die Milchnahrung immer weiter an die Muttermilch anzupassen, was wiederum in der Werbung genutzt wurde, um den Müttern eine Milch zu versprechen, die „humanisiert“ oder „adaptiert“ sei.

Seit einigen Jahren steht jedoch fest, dass die heutige Säuglingsnahrung zwar hygienisch einwandfrei ist, die Muttermilch in Zusammensetzung und gesundheitsfördernden Eigenschaften deutlich überlegen bleibt.

Werbung für das Stillen

Und mit diesen Erkenntnissen beginnen große Kampagnen um Mütter vom Stillen zu überzeugen. „Breast ist best“, „every ounce counts“ und „babys are born to be breastfeed“ sind dabei Slogans, die bald auch auf Social Media rauf und runter gebetet werden.

Und was an sich eine gute und sehr berechtigte Sache ist und unsere Babys schützen und ihre Gesundheit fördern soll, schlägt langsam um in Propaganda und Indoktrination.

Indoktrination
ist eine besonders vehemente, keinen Widerspruch und keine Diskussion zulassende Belehrung. Dies geschieht durch gezielte Manipulation von Menschen durch gesteuerte Auswahl von Informationen, um ideologische Absichten durchzusetzen oder Kritik auszuschalten.

Mütter, die nicht stillen (egal, aus welchen Gründen) werden verurteilt. Sie würden ihrem Kind das beste vorenthalten.

Eine Diskussion auf Augenhöhe ist nicht möglich, weil die, die Stillen das absolute Totschlagargument haben: „Es ist das beste für unsere Kinder.“

Mama als Märtyrer

Stillen ist nicht immer einfach. Es kann schmerzen. Wunde Brustwarzen, Milchstaus und Krämpfe in den Milchgängen. Doch wer eine gute Mutter ist, der erträgt das alles (und noch mehr!) mit einem Lächeln auf dem Gesicht und stillt sein Kind weiterhin.

Es scheint manchmal fast, als wäre es ein Wettbewerb unter Müttern: Wer opfert sich am meisten auf? Wer erträgt seinem Kind zuliebe am meisten Schmerz?

Und wer sich diesem Wettbewerb entzieht, lieber die Flasche gibt, eben weil es schmerzt, der hat eh verloren. Der hat sich einfach nicht genug bemüht. Und keine Hilfe gesucht (oder eben nicht die richtige).

Eure Geschichten

Auf Insta habe ich nach Mamas gesucht, die nicht stillen konnten oder wollten. Die Bilder oder Geschichten mit mir und euch teilen mögen. Einige dieser Geschichten möchte ich euch hier gerne erzählen.

Es sind Geschichten, die mir Tränen in die Augen treiben. Weil diese Mamas so viel durchgemacht haben. Das beste für ihre Kinder wollen. Und von fremden Personen verurteilt werden. Egal ob du stillst oder nicht stillst, vielleicht helfen dir diese Geschichten. Dabei nicht zu schnell zu verurteilen. Dabei deinen eigenen Weg zu gehen ohne dich schlecht zu fühlen.

Stillen ist toll. Ich selber hatte einen holperigen Start und am Ende war es das beste, was uns passieren konnte. Ich finde es toll, wenn eine Mama, die eigentlich nicht stillen möchte es zumindest probiert. Aber am Ende ist es die Entscheidung jeder einzelnen Mama. Und es ist nicht an uns diese Entscheidung zu verurteilen.

Das Stillen klappt nicht

Laura

Es ist spät. Ich bin unglaublich erschöpft und müde. Zum zehnten Mal in dieser Stunde lege ich mein neugeborenes Baby an. Versuche ihn irgendwie an die Brust zu bekommen, damit er endlich etwas trinkt. Tränen laufen mir übers Gesicht. Mein Baby brüllt aus voller Kehle. Ich weiß, dass er hungrig ist. Seit vier Tagen kämpfen wir ums Stillen. Seit vier Tagen lege ich ihn teilweise alle 5 Minuten an. Seit vier Tagen weiß ich, was es heißt wirklich verzweifelt zu sein.

Ich hatte es mir alles so schön vorgestellt. Stillen sollte doch einfach sein. Das natürlichste der Welt. Es ist das beste für unsere kleinen Babys. Und das beste für uns Mamas. Es ist praktisch. Und hygienisch.

Doch bei uns ist es ein einziges Drama.

Es klopf an der Tür und die Nachtschwester kommt herein. In der Hand hält sie eine Flasche. Sie schaut mich mitfühlend an und sagt mir, was ich selber auch fühle. Dass wir den Druck rausnehmen müssen. Dass mein Kind Nahrung braucht und ich etwas Ruhe.

Ich nehme die Flasche. Bin unentschlossen. Es fühlt sich an wie aufgeben. Als wäre ich nicht stark genug. Nicht gut genug.

Ich gebe meinem Sohn die Flasche dennoch. Weil ich einfach nicht mehr kann. Weil er nicht mehr kann.

Er trinkt.
Und trinkt.
Und trinkt.

Und auf einmal ist es still. Mein Sohn ist friedlich eingeschlummert. Er liegt in meinen Armen, atmet ruhig und sieht so unglaublich zufrieden aus. Und bei mir brechen alle Dämme. All die Verzweiflung, die Angst, die Schuldgefühle überwältigen mich förmlich. Ich weine und weine und weine.

In dieser Nacht – der ersten, in der mein Sohn länger als zwei Stunden am Stück schläft, kann ich das erste Mal seit der Geburt etwas ausruhen. Die Schwestern bringen mir später noch eine Flasche und ich füttere meinen Sohn damit ohne ihn zuvor anzulegen.

Am nächsten Morgen fühle ich mich hundeelend und gleichzeitig befreit. Ich sehe, wie gut es meinem Kind geht und fühle mich so schlecht, weil ich es einfach nicht geschafft habe.

Stillen ist doch der heilige Gral der Mutterschaft.

Und ich bin einfach unfähig.

Ich weiß, dass ich von anderen (Müttern) verurteilt werde. Dass viele denken, dass ich es einfach nicht genug wollte. Dass ich nicht stark genug war. Und lange Zeit habe ich das auch gedacht. Mich schlecht und ungenügend gefühlt.

Doch mittlerweile frage ich mich, wer eigentlich das Recht hat so hart über mich zu urteilen. Und vor allem: WARUM Mütter in punkto Stillen so hart verurteilt werden.

Weil es das beste für das Kind ist?

Klar ist es das. Aber das sind viele andere Dinge auch, die ebenso wenig von allen umgesetzt werden.

Und ehrlich gesagt finde ich es ziemlich anmaßend von einer Mama dafür verureilt zu werden, die ihr Kind auf dem Spielplatz ständig anschreit und ihm droht Spielzeug wegzuschmeißen, wenn es nicht auf sie hört…

Ich bin nicht perfekt.

Wahrlich nicht.

Aber genauso wenig perfekt sind Mütter nur weil sie stillen.

Wir alle haben Fehler.
Wir alle machen Fehler.

Und anstatt uns gegenseitig zu verurteilen und uns über andere zu erheben, sollten wir uns doch einfach viel öfter anlächeln und die schlechten Gedanken beiseite schieben.

Cindy

Ich hatte drei Jahre vor der Geburt eine OP, weil ich große (zum Glück gutartige) Tumore in beiden Brüsten hatte. Diese wurden entfernt.

Während der Schwangerschaft hat sich wieder einer gebildet und in der Stillzeit hat sich (vermutlich auch durch die OP) die Milch darin eingekapselt und konnte nicht abfließen. Das musste spätestens alle zwei Wochen mit einer Spritze abgezogen werden, weil die Milch zu gerinnen drohte.

Nach mehreren Monaten haben wir mit Hebamme und Frauenärztin entschieden lieber abzustillen, da das jedes Mal ohne Betäubung war (das Betäubungsmittel wäre auch in die Milch übergegangen und niemand konnte mir so richtig sagen, wie lange es dauert, bis das wieder abgebaut ist und ob es schädlich für meinen Sohn wäre) und auch immer ein Infektionsrisiko für mich und meinen Sohn brachte. Ab da gab’s dann PRE-Nahrung und mein Kleiner hat das super vertragen.

Vivian (_vivi.os_)

Im Krankenhaus haben wir versucht meinen Sohn öfter anzulegen, auch mit Stillhütchen, leider hat es nicht funktioniert. Er konnte einfach nichts saugen und hat nur geweint und geschrien vor Hunger. Nach drei Tagen habe ich dann gefragt, ob sie ihm nicht mal ein kleines Fläschchen machen können, damit er wenigsten mal etwas zu sich nimmt. Das hat super geklappt und er war friedlich.

Ich wollte weiter versuchen zu stillen aber meine Brustwarzen waren so kaputt und blutig, das tat sehr doll weh und mein Sohn hat es wieder nicht geschafft und nur genuckelt. Als wäre es für ihn nur zur Beruhigung aber nicht um zu essen.

Ich habe es immer und immer wieder versucht, bis ich irgendwann sehr verzweifelt war und ihm lieber die Flasche gegeben habe. Nach der Flasche war er sofort ruhig und viel zufriedener.

Am Ende habe ich entschieden bei der Flasche zu bleiben und mich nicht weiter zu stressen, da es so ja wunderbar funktioniert. Ich wurde von den Schwestern zwar doof angeguckt, weil ich das Stillen somit ablehnte aber das war mir egal! Hauptsache mein Sohn nimmt so etwas zu sich.

Bei der U3 wurde bei unserem Sohn dann ein Herzfehler festgestellt. Der Kardiologe sagte mir daraufhin, dass das Stillen für unseren Sohn viel schwerer sei, als für gesunde Kinder und wahrscheinlich deswegen nicht geklappt hat. Als mir das gesagt wurde, wusste ich, dass ich im Krankenhaus die richtige Entscheidung getroffen habe.

Es ist nicht (wie viele denken) eine Entscheidung, weil man als Mama nicht möchte oder keine Lust drauf hat! Das ist völliger Quatsch. Ich hätte liebend gerne gestillt aber leider ging es nicht und ich bin als Mama dankbar, dass es das Fläschchen gibt. Mit vielen verschiedenen Lochgrößen und verschiedenen Aufsätzen und Marken – so kann man herausfinden, womit das Baby am besten trinken kann.

Tina (Pfirsichmama)

Für mich stand fest, dass ich stillen möchte. Also habe ich mir ein stillfreundliches Krankenhaus gesucht und eine Hebamme, die auch Stillberaterin war. Dann ging es los und alles war ganz anders als gedacht.

Es wurde ein Notfallkaiserschnitt und da mein Kind so fertig war und nur geschlafen hat, wurden wir in eine andere Klink verlegt und er kam auf die Intensivstation. In diesem Krankenhaus lag ich auf einer gynäkologischen Station. Da hieß es nun ich müsse alle vier Stunden abpumpen. Das tat ich und er bekam die Flasche mit Pre.

Keiner hat mir gezeigt, wie man anlegt oder sonst was. Na gut, ab nach Hause.

Meine tolle Hebamme hat wirklich alles versucht aber der Kleine wollte einfach nicht an die Brust. Letztendlich meinte meine Hebamme, dass Stillen Spaß machen und schön sein soll, aber für uns sei es nur Stress. Also habe ich weiter gepumpt.

Ich habe das in unseren Alltag integriert und es geht ganz gut. Ich pumpe jetzt fast 10 Monate, nicht mehr alle vier Stunden, sondern nur drei Mal am Tag aber ich hatte so manche Tage, wo ich nicht mehr wollte. Aber Augen zu und durch!

Ich hatte leider viele Milchstaus und das richtig doll. Habe auch einige Pumpen ausprobiert, bis ich eine gute gefunden habe, die die Pumpe aus der Apotheke ersetzen konnte (bei mir war das die Ardo von Calypo). Außerdem kann ich jeder Mama, die abpumpt ein spezielles Bustier dafür empfehlen, so hat man beide Hände frei beim Pumpen.

Aileen

Ich wollte sehr gerne stillen aber mein Körper hat nicht genug Milch produziert und sie war „saugfaul“, sodass mir im Krankenhaus empfohlen wurde, ich solle mal die Flasche versuchen. Das haben wir gemacht und es hat super geklappt und die Hebamme im Krankenhaus meinte dann dass es besser ist die Flasche zu geben, da mein Körper wohl auch nicht sehr viel weitere Milch produzieren wird und sie so oder so überwiegend von der Flasche trinken muss. Somit habe ich mich dann für die Flasche entschieden.

Natürlich war ich am Anfang sehr traurig aber im Endeffekt ist sie jetzt fünf Wochen alt und sie wächst und gedeiht und ich sehe das positive an der Sache: Mein Mann kann nachts auch aufstehen, die OMas können sie auch mal über Nacht nehmen und wenn wir unterwegs sind, geht das mit der Flasche auch super.

Manuela

Mini bekommt die Flasche, weil er seit der Geburt einen hohen Gaumen hat und deshalb den nötigen Druck zum Saugen nicht aufbauen kann. Desweiteren war er aufgrund eines echten Nabelschnurknoten unterversorgt und kam einen Tag vor ET mit gerade einmal 2450 g zur Welt. Kinderarzt und Hebamme haben gemeinsam mit mir entschieden, dass es das beste ist, wenn Mini aus der Flasche trinkt, da man dann auch sieht, wie viel er zu sich nimmt.

Katharina

Wir geben unseren Babys die Flasche, da es nicht anders geht.

Dass unsere Zwillinge überhaupt auf der Welt sind, ist laut Ärzten eine kleine Sensation. Denn da ich 2015 mit 27 Jahren an Brustkrebs erkrankt bin und viel Chemotherapie bekommen musste, war eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege fast ausgeschlossen.

Zudem musste ich mir als krönenden Abschluss für die ganze Tortur meine Brüste entfernen lassen – somit ist Stillen anatomisch einfach nicht mehr möglich. Daher haben wir keine andere Wahl als unseren Babys die Flasche zu geben.

Ich musste mir leider schon das ein oder andere Kommentar bezüglich des Fläschchens anhören- Wenn ich dann sage, warum ich nicht stillen kann, gucken die Leute meist beschämt zu Boden… zu recht!

Gerade weil es so unterschiedliche Gründe gibt nicht zu stillen – und alle sind absolut berechtigt! – wünsche ich mir mehr Akzeptanz.

Ich möchte nicht stillen

Lara

Ich habe es zwei Wochen probiert und trotz super Hebamme und Beratung habe ich mich einfach nicht wohl gefühlt.

Ich fand es furchtbar und musste bereits weinen, bevor mein Sohn seinen Hunger geäußert hat. Das hat uns beiden nicht gut getan. Deshalb habe ich von einen auf den anderen Tag abgestillt und alle waren glücklich. Ich habe viel Gegenwind erhalten, jedoch nie etwas darauf gegeben. Nicht stillende Mütter lieben ihre Kinder nicht weniger.

Hanna

Ich habe die Flasche gegeben, weil es von Anfang an ein Kampf war ihn anzulegen beim Stillen und keine Hebamme mir je richtig geholfen hat mit unseren Problemen und meinen Ängsten. Mir wurde immer nur gesagt „Ach, Sie machen das schon! Das wird sich einpendeln!“.

Nach zwei Wochen wollte ich einfach nicht mehr. Emil hat jedes Mal wenn ich ihn alegen wollte nur noch gebrüllt und die Brust gar nicht mehr genommen. Also habe ich die Flasche gegeben.

Richtig Milch hatte ich auch nicht. Ich habe dann noch versucht für ihn abzupumpen und ihm abgepumpe Milch aus der Flasche zu geben aber nach zwei Tagen war es vorbei und es kam gar keine Milch mehr.

Rabea

Bei mir persönlich stand es von Anfang an fest, dass ich es mir nicht vorstellen kann mein Kind immer und überall zu stillen. Während der Schwangerschaft habe ich dann doch hin und her überlegt weil mir auch viele reinreden wollten. Dann bin ich zu meiner Mama (5 Kinder). Sie hat die erste gestillt und dann nicht mehr, weil sie solche Schmerzen und ENtzündungen bei der ersten hatte. Sie meinte, ich soll auf mein Herz und mein Bauchgefühl hören. Ich soll die Geburt abwarten und vielleicht kommt alles ja ganz anders als man denkt.

Mein erster Sohn kam nach 12 Stunden und abfallenden Herztönen per Kaiserschnitt auf die Welt. Er bekam keinen Sauerstoff mehr, weil sich die Nabelschnut um seinen Hals gelegt hatte. Nach dem Kaiserschnitt kam die Hebamme und fragte mich, wie es mit Stillen wäre und da war es wieder so, dass ich mich total unwohl fühlte. Sie bat mich, es dennoch zu versuchen und dem Kind zumindest die erste Milch auf den Weg zu geben.

Gesagt, getan. Aber was soll ich sagen: Wir versuchten Paul anzulegen und der kleine Mann hat der Mama wohl angemerkt, dass sie sich nicht wohl fühlte, also wollte er nicht. Er drehte seinen Kopf weg und ließ sich nicht darauf ein. Somit hat unser kleiner Mann mir die Entscheidung abgenommen.

Im Nachhinein war es für mich so toll. So durfte auch der Papa seinen kleinen Mann das erste mal füttern, während Mama sich ausgeruht hat.

Meine Einstellung hat sich auch bei Nummer zwei nicht geändert.

Paul wird im April drei Jahre alt und Luke ist im Dezember ein Jahr geworden. Sie sind beide super entwickelt und selten krank. Ich glaube, jede Mama muss das für sich entscheiden und sich damit wohlfühlen, dann ist es die richtige Entscheidung, egal ob gestillt oder Flaschenkind.

Du bist dir unsicher?

Wenn man sich nicht sicher ist, ob man stillen möchte oder nicht, dann würde ich prinzipiell empfehlen zunächst gar keine Entscheidung zu treffen, die Geburt abzuwarten und dann einfach das Kind anzulegen.

Abstillen kann man dann jederzeit aber vielleicht ist das Stillen ja gar nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt. Ein toller Nebeneffekt dabei: Das Kind bekommt das Kollostrum (die erste Milch, die noch vor dem eigentlichen Milcheinschuss produziert wird). Diese Milch gibt deinem Kind einen besonderen Immunbooster und ist darum sehr wertvoll.

Solltest du merken, dass das Stillen wirklich gar nichts für euch ist, dann kannst du im Grunde jederzeit abstillen. Deine Hebamme oder auch eine Krankenschwester im Krankenhaus kann dich dabei unterstützen.

Zu wenig Milch?

Wenn es darum geht, warum Mamas aufgehört haben zu stillen, hört man oft, dass sie zu wenig Milch hatten. Viele Stillberaterinnen und Still-Verfechterinnen im Internet tun das mittlerweile (teilweise sehr unfreundlich) ab und sagen, dass fast jede Mama genug Milch produzieren kann.

Gängige Tipps um die Milchbildung anzuregen, sind dann das Kind sehr oft anzulegen, Stilltee zu trinken und die Brust vor dem Stillen zu erwärmen (um den Milchfluss überhaupt in Gang zu bringen).

Die Unsicherheit

Und ja, wenn man sich Erhebungen ansieht, dann haben nur wenige Mamas zu wenig Milch. ABER entgegen einiger anderer Meinungen denke ich nicht, dass viele Frauen das als Ausrede benutzen um nicht zu stillen, sondern vielmehr, dass es ein Ausdruck der Unsicherheit ist, die wir als Mamas alle durchmachen.

Bekommt mein Kind wirklich genügend Nährstoffe?
Entwickelt sich mein Kind (alters-)gerecht?
Biete ich ihm wirklich alles, was es braucht?

In unserer modernen Welt wissen wir eigentlich immer genau, was wir wann wo gegessen haben. Wie viel Milch ein Baby aus der Brust trinkt, ist jedoch unergründlich. Wie viele Nährstoffe diese Milch enthält umso mehr.

Auch ich habe mir diese Sorgen gemacht. Unser Sohn ist sehr schmal für sein Alter und noch heute frage ich mich manchmal, ob er nicht von Flaschennahrung profitiert hätte. Aber beim Stillen müssen wir (wie auch bei vielen anderen Dingen, die unsere Babys betreffen) genau solche Gedanken loslassen. Uns davon nicht verrückt machen lassen.

Vertrau auf dich und deinen Körper!

Sprich mit deiner Hebamme über deine Bedenken. Und letztendlich: Triff die Entscheidung, mit der du dich wohl fühlst. Nicht weil du dich dazu genötigt fühlst. Nicht weil du unsicher bist.

Schmerzen

Und zu guter Letzt ein Wort zu Schmerzen beim Stillen: Nein, stillen tut nicht unbedingt weh.

Für manche ist es angenehm.
Für manche unangenehm.
Für manche ist es einfach ungewohnt.
Und manchen tut es weh.

Zu welcher Gruppe du gehörst, wirst du erst erfahren, wenn du es ausprobierst. Und nein, man muss nicht monatelang Schmerzen ertragen. Gute Stillberaterinnen können in den meisten Fällen sehr gut helfen – und falls nicht: Es ist absolut gut auf sich zu achten. Und wenn man die Schmerzen nicht aushält, dann ist ein Fläschchen eine wundervolle Alternative!

Stillen ist Liebe – Fläschchen geben aber auch!

Noch mehr Artikel zu dem Thema findest du zum Beispiel hier:

Bloggermumofthreeboys – Flaschenkinder – ich stille nicht

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20 Gedanken zu „Wenn Mamas nicht stillen – Von Vorurteilen, echten Geschichten und Hintergründen“

  1. Danke! Was für ein wunderbarer Artikel und danke Dir fürs Verlinken. Deinen tollen Beitrag habe ich in meinem Posting zum Thema „Nicht Stillen“ nun auch verlinkt. Sehr schön ausgewogen, interessante Fakten und sehr gut recherchiert!

    Antworten
  2. Danke!
    Auch bei uns hat es nicht funktioniert, obwohl wir alles versucht und ich wochenlang Schmerzen ertragen habe. Blutige Brustwarzen und jeden zweiten Tag ein neuer Milchstau. Nach 5 Monaten haben wir daher abgestillt. Der Stress und die Schmerzen haben uns die schönen ersten Monate beherrscht und dennoch hört man negative Kommentare von stillenden Müttern, bei denen es einfach ohne große Probleme funktioniert hat. Jetzt beim zweiten Kind bin ich schlauer und werde versuchen zu stillen aber ich werde diese kostbaren ersten Monate genießen und nicht vergeuden. Mein großer Sohn ist trotz Fläschchen absolut perfekt.

    Antworten
    • Liebe Xenia,
      das war bestimmt keine leichte Zeit für euch! Und es ist so schade, dass man so schnell verurteilt wird, obwohl der andere gar nichts über einen weiß.
      Ich hoffe, dass du es beim Zweiten genau so umsetzen kannst, wie du es dir vorgenommen hast. Habt eine tolle erste Zeit!
      Und du hast absolut Recht: Jedes Kind ist absolut perfekt. Egal ob gestillt oder mit Fläschchen gefüttert 🙂
      Nele

      Antworten
  3. Wow! Was für ein toller Artikel, was für berührende Geschichten! Ich finde auch wir Mamas sollten doch viel öfter nach links und rechts schauen und nicht die Augenbrauen hochziehen sondern uns anlächeln! Es gibt so viele Themen,und stillen steht da ganz vorn, wo Mütter unter sich so fies und verurteilend werden.
    Solche Artikel muss es öfter geben. Nicht belehrend, informierend, etwas von allen Seiten beleuchtend. Toll geschrieben. Danke!

    Antworten
    • Liebe Jasmin,
      ehrlich gesagt war es für mich nicht einfach den Artikel zu schreiben. Da die Balance zu finden, ist gar nicht so leicht.. Das Thema ist einfach nicht einfach, weil es so viele Dinge zu bedenken gibt. So viele Gründe…
      Es freut mich, wenn dir der Artikel gefallen hat und ich hoffe, so zumindest hier auf meinem Blog dafür zu werben, dass wir alle weniger urteilen 🙂
      Liebe Grüße
      Nele

      Antworten
  4. Ein wirklich toller Artikel. Ich finde es furchtbar wie Mütter untereinander oft miteinander umgehen. Wir haben doch alle das gleiche „Schicksal“ wir wollen gute Mamas und Vorbilder für unsere Kinder sein. Jedes Kind ist anders, das merkt man ja schon in der Schwangerschaft. Deshalb muss jeder seinen eigenen idealen Weg finden für sich und auch seine Familie, schließlich ist z.B. bei Kind 2 noch jemand anderes da der Aufmerksamkeit einfordert, da wird alle 10 min anlegen eine schwierige Sache!
    Lasst euch nicht verurteilen! Findet euren Weg. Jeder der euch dabei verurteilt ist eure Freundschaft nicht wert!
    Lg Natascha

    Antworten
  5. Wirklich toller Artikel! Es ist schön zu lesen, dass auch andere mit dem Thema Stillen Probleme haben. Als ich meine erste Tochter bekam war ich gerade 17. Nach 28 Stunde Wehen musste sie per Notkaiserschnitt geholt werden. Die Tage nach der Geburt liefen wie ein Film vor meinen Augen vorbei, als wäre ich nicht anwesend. Immer wieder kamen die Hebammen in mein Zimmer, zerrten an mir herum und versuchten die Kleine an meine Brust zu führen. Schlussendlich klappte es mit den Stillhütchen. Nach zwei Tagen zuhause wurde die Kleine immer unruhiger, schrie viel und schlief nichtmehr. Ich war am Ende. Meine Mutter kam auf die Idee, uns an eine Mütterbratungsstelle zu wenden. Die Kleine hat nicht genug zugenommen, wurde an der Brust einfach nicht satt. Und ich werde nie den Blick der Hebamme vergessen, als ich sie fragte, ob ich denn PRE-Nahrung geben könnte. Als ob ich mich mit meinen 17 Jahren nicht schon unfähig genug gefühlt hätte. Am selben Tag noch bin ich mit meinem Freund in die nächste Apotheke gefahren. Und von da an lief alles immer besser und besser. Und sieben Jahre bei meinem Sohn habe ich das Stillen.zwar versucht, es ging auch 2 Wochen problemlos. Dann fing es an, dass ich teilweise 7 Stunden lang dasaß um den Kleinen alle 5 Minuten anzulegen. Die Milch war mit Anfang des dritten Monats komplett weg. Und auch er bekommt seitdem PRE-Nahrung, die er super verträgt.
    Jede Mutter weiß, was das Beste für sich selbst und für ihr Kind ist und sollte viel mehr darauf hören!

    Antworten
  6. Danke für diesen wunderschönen Artikeln zum Thema Stillen! Auch ich kann bzw konnte nicht uneingeschränkt stillen ich habe furchtbare Schmerzen dabei empfunden und wie schon eine Dame aus dem schilderte hieß es auch bei mir nur “das pendelt sich schon ein“. Das hat es aber nicht nach zwei Wochen habe ich unter Tränen meine Mutter angerufen dass sie mir pre Nahrung aus dem Drogeriemarkt besorgt damit der kleine wenigstens mal etwas isst. Später habe ich dann mit Milchpumpe abgepumpt. Und das gekaufte Milchpulver brauchten wir immer weniger. Mein Kleiner erhält bis heute Muttermilch aber eben aus der Flasche und für uns und unsere Familie ist das so in Ordnung und ich fühle mich nicht mehr so als wäre ich mit einer dicken Kette an mein Baby gefesselt…

    Antworten
    • Leider entsteht bei diesem Thema so viel Druck, der an einigen Stellen etwas kaputt macht, was eigentlich toll funktionieren würde. Toll, dass ihr euren Weg gefunden habt, das ist soo wichtig!
      Liebe Grüße
      Nele

      Antworten
  7. Und trotzdem kann ich oft schon vorher voraussagen, welche Mama still und welche nicht.
    Du stillst? Ok normal.
    Du stillst nicht? OHJE Probleme? Erzählt …
    Dass aber „stillen können“ tatsächlich auch oft ein hart erkämpftes Gut ist, das rechnet einem keiner so richtig an. Ist ja alles easy. Ist das nicht auch schade?

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  8. Beste Zusammenstellung zum Thema „Nicht Stillen“!!!! Danke!!!
    Ich habe meine beiden Töchter nicht gestillt, einfach weil ich es nicht wollte.
    Habe im Rahmen dessen überhaupt erst gemerkt was für ein Politikum Stillen/nicht-Stillen ist und fühlte mich gleich ein bisschen als Kämpferin; wenn man mich angriff, machte es mich noch stärker einfach dafür zu kämpfen, dass man als Frau doch wohl einfach eine Wahl haben muss. Es ist ja schließlich mein eigener Körper. Ich habe auch versucht die Sicht von Frauen einzunehmen, die stillen wollen, es aber nicht geht. Wie schlimm muss es dann erst sein, mit diesem hohen Erwartungsdruck von außen umzugehen. Und ja, viele der stillenden Frauen in meinem Umfeld genießen es, sich als Märtyrerinnen zu stilisieren, die sich mit blutenden Brustwarzen usw für ihr Kind aufopfern, weil es ja nur so „das Beste“ bekommt. So bescheuert. Jede soll doch machen wie sie es für richtig hält, und wir dürfen alle drauf stolz sein, wenn wir glückliche Kinder haben, die später in ihrem Leben auch mal die Wahl zwischen verschiedenen Wegen haben werden und sich selbstbewusst für einen entscheiden können. Aber deswegen muss ich doch niemanden dissen, nur weil er/sie es anders macht als ich. Und ich glaube auch nicht, dass es mich zu einer besseren Mutter oder zu einem besseren Menschen macht oder gar mein Kind zu einem besseren Menschen macht, je härter ich mich aufopfere. Leben und leben lassen. Es kommen im echten Leben (außerhalb der „Blase“ stillen/nicht-stillen) noch genug echte Herausforderungen auf uns zu. Wir sollten unser Pulver nicht bei einer solchen Banalität verschießen bzw. uns bei so einer Nebensächlichkeit völlig aufreiben.

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  9. Ich hab volle drei Monate gekämpft, alles ausprobiert was geht um mehr Milch zu produzieren. Habe gepumpt wie verrückt, mit Sonde gefüttert als er nicht mehr an die Brust wollte, ich bin auf ein brusternährungsset umgestiegen, ich hab einfach so viel versucht und trotzdem produziert mein Körper einfach kaum Milch. Mein Sohn schreit meine Brust nur an. Drei mal hatte ich nachts eine etwas verhärtete Brust und nur zu diesen Zeitpunkten konnte ich erahnen wie wunderschön stillen ist, wie selig er an meiner Brust trinken kann. Ich würde alles dafür geben meinen Sohn stillen zu können. Ich fühle mich als große Versagerin und entwickle von Tag zu Tag mehr eine Abneigung gegenüber meinem Körper, weil er es einfach nicht schafft. Und gleichzeitig bin ich bin ich einfach nur erschöpft von all den Versuchen. Und grade bin ich wohl einfach auf der Suche nach gleichgesinnten, auf diesen Artikel gestoßen und hatte wohl irgendwie das Bedürfnis diese Zeilen los zu werden.

    Antworten
    • Liebe Kathrin,
      ich möchte dir an dieser Stelle zunächst eins sagen, das aber von ganzem Herzen: Du bist eine großartige Mama! Egal, ob es mit dem Stillen klappt oder nicht. Unser Sohn ist ja nun schon 3,5 Jahre alt und spielt mit Kinder, die früher gestillt wurden und Kindern, die nicht gestillt wurden. Soll ich dir etwas verraten: Man merkt es keinem der Kinder an 🙂 Stillen sollte uns niemals so sehr unter Druck setzen. Da sind andere Sachen sooo viel wichtiger. Ein liebevoller Umgang zum Beispiel <3
      Falls du die Möglichkeit hast, kann ich dir sonst noch empfehlen dich an eine Stillberaterin zu wenden. Dann hast du jemanden, mit dem du dich austauschen kannst und ich viele sind auch tolle emotionale Stützen (wenn du an eine gerätst, bei der du merkst, dass sie dir nicht gut tut, dann darfst du den Kontakt auch durchaus direkt wieder abbrechen! Hör auf dich und schau was dir da gut tut).
      Ich wünsche dir alles, alles Liebe
      Nele

      Antworten
  10. Danke für diesen Artikel!
    Vor ca. drei Wochen kam unser zweites Kind auf die Welt – in diese unfassbar-historisch-einmalige-Corona-Welt und meine Ausnahmewelt kollidiert mit dieser Ausnahmewelt da draußen zusammen…
    Ich wollte bei diesem Kind alles „richtig“ machen (da ich beim ersten Kind, welches per Notkaiserschnitt mit geringem Gewicht zur Welt kam und immer zugefüttert werden musste und das Stillen nicht so geklappt hat). Ich suchte mir ein stillfreundliches Krankenhaus aus, kaufte keine Fläschchen auf Vorrat und freute mich über die sich nähernde Geburt. Und mit jedem Tag, der im März verging, umso mehr Verunsicherungen kamen – jeden Tag die Nachrichten lesen, ob mein Mann bei der Geburt jetzt dabei sein kann oder nicht oder dieses Corona-dings mich und mein Baby gefährdet, und, und, und…
    Die Geburt war wieder keine spontane, sondern erneut ein Kasierschnitt, da wieder Baby im Stress – 1. Fall von „Versagen“ des perfekten Plans… Stillen wollte nicht klappen – drei Nächte haben ich und das Baby durchgemacht und am Ende hat mein Milchfluss gestreikt.
    Der Kinderarzt empfahl mir etwas zuzufüttern und dem Baby den Stress des Saugens zu nehmen – 2. Fall des „Versagens“: schon wieder Flasche, schon wieder kein Vollstillen möglich.
    Jetzt ist es so, dass ich alle 3-4 Tage Heultage habe, weil ich denke, die Natur bestraft mich, da ich meinem Kind nicht „das Beste“ geben kann. An den restlichen (Gott sei Dank den meisten) Tagen kriegt mein Kind die Flasche, er wächst und gedeiht.
    Und ein positiver Nebeneffekt dieser Corona-Epidemie ist, dass mein Mann ununterbrochen da ist und mich emotional und organisatorisch voll unterstützen kann.
    So, jetzt ist es ein langer Kommentar geworden – Nochmals herzlichen Dank für den Artikel und bleibt gesund!
    Liebe Grüße

    Antworten
    • Liebe Elif,
      du bist großartig!
      Du gibst das beste für dich und dein Kind und in dieser verrückten Zeit ist das wirklich alles andere als leicht!
      Du bist die perfekte Mama für deine Kinder und ich wünsche euch eine wundervolle erste Zeit. Lass dich von der Sache mit dem Stillen nicht stressen, am Ende zählen andere Dinge viel, viel mehr <3
      Alles Liebe für euch
      Nele

      Antworten
  11. Liebe Nele,
    vielen Dank für diesen tollen, so wichtigen Artikel und die unterschiedlichen Stimmen!
    Mein Kleiner wird jetzt 11 Wochen und auch bei uns klappt es leider nicht (mehr).
    Ich hatte von Anfang an die Befürchtung, dass es Probleme geben könnte, weil ich nicht nur eine sondern zwei tubuläre Brüste mit extrem geringem Brustdrüsengewebe und Flachwarzen habe. Wenn ich meine Bedenken ggü. der Gyn geäußert habe, kam auch nur „warten Sie ab, das wird schon, blabla“, aber ernst genommen, die Brust vielleicht mal untersucht, hat niemand.
    Da ich auch fest entschlossen war, voll zu stillen hatte ich nichts da, keine Fläschchen, keine Pre-Nahrung, nichts.
    Mein kleiner Schatz kam spontan und gut auf die Welt, allerdings mit der Nabelschnur um den Hals. Links hat das Anlegen überhaupt nicht geklappt, rechts dann ein bisschen im Geburtshaus, ein paar wenige ml Kolostrum hat er wohl bekommen.
    Zuhause dann, alleine? Keine Chance… Und er hatte Hunger und schrie und schrie und schrie, das kleine Würmchen. Wir haben dann übergangsweise „bis zum Milcheinschuss“ Pre-Milch über einen Löffel zugefüttert, wobei er mehr Luft als Milch geschluckt und dementsprechend schlimme Blähungen gehabt hat.
    Als dann der Milcheinschuss hätte kommen sollen passierte mehr oder weniger nichts, trotz quasi 22h am Tag mit (Stillhütchen) angelegten Babys.
    Ich war einfach nur noch fix und fertig, wollte mich am liebsten besaufen oder aus dem Fenster werfen, bei mir kam so wenig Milch, dass er roten Urin hatte, er nahm weiter ab, ich habe dann mit einer Spritze zugefüttert, da hat er immerhin nicht so viel Lift geschluckt.
    Die Milchmenge blieb zu wenig, trotz Anlegen-Anlegen-Anlegen, Power Pumpen, Malzbier, Stilltee, Bockshornkleesamen, Haferflocken ohne Ende, Stillsaft usw., er wurde nicht satt, schrie und weinte erbärmlich, alle waren einfach nur fertig.
    Mit der Apotheken-Pumpe kamen so 20ml pro Seite und Tag, mit der Handpumpe waren es 10ml. Aber ich kam und komme auch einfach nicht dazu, die angegeben Anzahl an Malen abzupumpen, mit Haushalt (fast alleine), 2 Katzen, 5 Kaninchen und einem Baby, das weint, sobald es abgelegt wird, ist es nicht möglich, alle 2h abzupumpen. Mit Glück schaffe ich 2x am Tag.
    Dann wurde noch ein Brusternährungsset gekauft, das hat 3 oder 4x geklappt, dann fing er an zu Brüllen, sobald er diesen winzigen Schlauch im Mund spürte. Also auch ein Schuss in den Ofen.
    Zwischenzeitlich habe ich ohne ärztliche Absprache die Dosis meines Schilddrüsenhormons verdoppelt, weil ich gelesen habe, dass eine UF zu Milchmangel führen kann…
    Mittlerweile habe ich ihn seit 2 Wochen bis auf 1x nicht mehr angelegt, bei dem einen Mal hätte ich ob des Gefühls beinahe geweint.
    Es macht mich unheimlich traurig, dass es nicht klappt, dass das alles so schwierig ist, es fehlt mir, einfach das Gefühl, mit meinem Kleinen so verbunden zu sein.
    Es macht mich wütend auf mich selber, dass mein Körper so versagt, in dieser „einfachsten, grundlegendsten“ Rolle der Frau, mal ganz simpel gesagt. Ich habe als Mutter versagt, mein Baby zu ernähren, dieses Gefühl ist so furchtbar…
    So ganz habe ich immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, die paar ml, die ich abpumpen kann, bekommt er mit ins Fläschchen, aber Stillen wird es wohl leider nicht mehr werden.
    Für mich ist es schlimm, dass ich nicht stillen kann, umso froher bin ich, dass unsere Babys die Möglichkeit der Pre-Milch haben und nicht auf verdünnte Kuh- oder Kondensmilch oder auf eine Amme angewiesen sind.
    Meine Hebamme sagte zu mir,
    ja, Stillen fördert die Mutter-Kind-Bindung, aber nicht, wenn es so mit Stress verbunden ist, wenn man so fertig ist. Dann ist es für die Beziehung zwischen Mutter und Kind deutlich besser, wenn liebevoll und bewusst das Fläschchen gegeben wird. Das versuche ich mir immer wieder zu sagen. Seitdem läuft auch alles etwas entspannter.

    Ich wünsche allen Müttern eine gute „Stillzeit“, ob mit oder ohne Zusatznahrung.

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  12. Ein ganz toller Artikel!!! Auch ich wollte unbedingt, hatte aber so viel Milch, das meine Große einfach nicht richtig andocken konnte. Schon am zweiten Tag begannen meine Brustwarzen so sehr zu schmerzen und zu bluten, dass ich nur noch geweint habe. Nach einer Woche bekam ich trotz toller Hebamme eine so schlimme Brustentzündung, dass ich am vierten Tag mit Fieber um die 41. Grad ins Krankenhaus kam. Der Arzt in der Notaufnahme war furchtbar rabiat und erklärte, dass mein Mann das Kind mit nach Hause nehmen müsste, wenn ich nicht stillen wolle. Er hatte gerade eine Woche vorher eine neue Stelle angenommen und bekam keinen Urlaub. Auf der Station bekam ich keinerlei Unterstützung von den Schwestern, musste total krank mein Kind wickeln, stillen, Eisbeutel am Ende des Gangs holen. Am dritten Tag schickten mich die Schwestern mit dem Neugeborenen endlich auf die Säuglingsstation zu einer Hebamme. Dort bekam diese fast einen Tobsuchtsanfall, weil mich ihre Kolleginnen kein Bettchen für unsere Tochter gegeben hatten, und ich vor Schwäche mit meinem Kind auf dem Arm vor Schmerzen und Fieber fast in Ohnmacht gefallen wäre. Unsere Tochter konnte nicht genug saugen und bekam pro Mahlzeit nicht mehr als 20 gr. Sie bekam dort die Flasche und es ging ihr endlich gut. Sie wurde satt und unglaublich friedlich. Mit der zweiten Tochter ging es mir ähnlich und ich entschied mich schnell auch sie mit der Flasche zu füttern. Sie sind heute 25 und 21 Jahre alt, gesund und zu klugen, wunderbaren jungen Frauen herangewachsen, auf die ich täglich stolz bin.

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    • Liebe Uschi,
      vielen Dank für deine bewegende Schilderung! Ich bin immer wieder schockiert, wie mit Mamas und Babys in Krankenhäusern umgegangen wird und freue mich sehr, dass ihr euren Weg dennoch gefunden habt! Es wäre so schön, wenn man die Sorgen und Nöte ernster nehmen und individuell schauen würde. Leider ist es bis dahin wohl noch ein langer Weg.
      Ich wünsche dir und deinen Töchtern alles Liebe!
      Nele

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