Wenn das Kind beißt und haut – Ideensammlung

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Fast jedes Kind kommt früher oder später in eine Phase, in der es andere haut oder beißt. Und selbst wenn die Kinder dabei noch sehr klein sind und nicht besonders viel Kraft haben, kann dies auch für Erwachsene schmerzhaft sein. Außerdem sollte klar sein, dass solche Verhaltensweisen schon bei den Kleinsten nicht akzeptiert werden sollten, damit sie sich diese gar nicht erst angewöhnen. Dabei ist das Hauen und Beißen bei kleinen Kindern aber gänzlich anders zu bewerten als bei größeren Kindern oder gar Erwachsenen.

1. Warum hauen und beißen Kleinkinder?

Kinder hauen und beißen aus verschiedenen Gründen, vor allem bei Babys und Kleinkindern kann man jedoch davon ausgehen, dass sie NICHT hauen um jemand anderen zu verletzen. In diesem Alter ist ihnen noch gar nicht klar, dass sie dem anderen mit ihrem Verhalten Schmerzen zufügen. Diese Erkenntnis erlangen Kinder erst allmählich und auch bei etwas älteren Kindern kann man solche Verhaltensweisen nicht so bewerten, wie man das bei einem Erwachsenen tun würde.

Auslöser dafür, dass ein Kind haut oder beißt, könnte sein:

1.1 Beißen wegen Zahnwachstum

Wenn bei Kindern die Zähne wachsen, neigen viele dazu den Schmerz durch Beißen zu lindern. Dabei ist es ihnen in erster Linie gleich, ob sie in Mamas Arm, Papas Bein oder einen Beißring beißen, hier geht es lediglich darum den eigenen Schmerz zu beseitigen. Dass ein Kind beißt, weil die Zähne wachsen, erkennt man daran, dass das Beißen periodisch (also nur zu bestimmten Zeitpunkten) auftritt und jeweils mit neuen Zähnen einher geht. Dabei kann es sein, dass die Zähne gerade durchbrechen, schon durchgebrochen sind oder erst ein bisschen später durchbrechen.

1.2 Hauen und Beißen als Kommunikationsmittel

Sehr viele Kleinkinder hauen, beißen oder treten aus dem ganz einfachen Grund, dass sie so leicht und schnell mit anderen in Kontakt treten können. Sie zeigen, dass sie etwas von dem anderen wollen – ganz egal, ob dass ein Spielzeug, Aufmerksamkeit oder Hilfe ist. Auch wenn Kinder auf andere zugehen und sie einfach so hauen, heißt dies meist einfach nur „Hallo hier bin ich, ich würde gerne mit dir spielen!“. Besonders extrem zeigt sich dieses Verhalten bei Kindern, die spät anfangen zu sprechen. Sie versuchen so sich auszudrücken, dass sie dabei dem Gegenüber weh tuen, ist ihnen noch nicht klar.

1.3 Hauen oder Beißen aus Frust oder Trotz

Natürlich verspüren auch schon Babys und Kleinkinder Frustration, wenn sie etwas nicht dürfen oder bekommen, was sie gerne wollen. Solche Gefühle können dazu führen, dass das Kind seinen Unmut an anderen auslässt, einfach, weil es kaum anders kann. Es hat noch nicht gelernt, wie man mit solchen Gefühlen umgehen kann. Als Erwachsener sollte man sich auch in diesem Fall darüber im Klaren sein, dass die Intention hier nicht ist „Ich tue jetzt Mama / Papa weh!“, sondern viel mehr „Ich bin sooooo wütend!“.

1.4 Hauen und Beißen, um Aufmerksamkeit zu erhalten

Jede Mama und jeder Papa kennt es: Es gibt Zeiten, da schenkt man seinem Kind mal nicht die 100-prozentige Aufmerksamkeit. Weil man müde ist. Weil die Spülmaschine ausgeräumt werden muss. Weil Essen gekocht wird. Und prompt fängt das Kind an zu nörgeln, zu meckern und zu hauen. Kinder bekommen sehr schnell mit, dass sie plötzlich wieder im Mittelpunkt stehen, wenn sie den anderen hauen oder beißen. Und so kann das Kind solch ein Verhalten gezielt einsetzen, wenn es sich gerade nicht beachtet fühlt.

1.5 Beißen und Hauen, um Grenzen zu testen

Die meisten Kleinkinder kommen irgendwann in ein Alter, in dem sie ganz genau „untersuchen“, wie Erwachsene auf verschiedene Verhaltensweisen reagieren. Besonders gut zeigt sich dieses Verhalten, wenn das Kind zum Beispiel leicht zubeißt und dann immer fester zubeißt, um zu beobachten, wie der Erwachsene reagiert. Vor allem, wenn ein Verhalten irgendwann mal eine ambivalente Reaktion (erst Lachen, dann Wut oder Ähnliches) ausgelöst hat, neigen Kinder dazu immer wieder zu testen, wann welches Verhalten vom Gegenüber gezeigt wird.

1.6 Unbewusstes oder meditatives Haare ziehen, Kneifen, etc.

Ebenfalls sehr verbreitet ist anscheinend, dass Kleinkinder (vor allem Mama) an den Haaren ziehen. Oft geschieht das in Situationen, in denen das Kind zur Ruhe kommt (oder kommen soll), wie beim Stillen, Füttern oder Einschlafen. Ich nenne das hier unbewusstes oder meditatives Haare ziehen, weil das Kind dabei schon fast entrückt wirkt. Der Blick ist oft glasig und nicht mehr fokussiert. Manche Kinder kneifen dabei auch in die Haut, kratzen oder pulen an Muttermalen oder anderen Erhebungen der Haut.

2. Was man gegen das Hauen und Beißen tun kann

Klar ist: Auch wenn Kinder nicht aus Boshaftigkeit hauen oder beißen, so müssen wir dennoch auf dieses Verhalten reagieren. Während man andere unerwünschte Verhaltensweisen nach Möglichkeit ignorieren sollte, um dem Kind keinen weiteren Anreiz zu geben, ist das beim Hauen und Beißen nicht möglich. Wir wollen schließlich nicht, dass unser Kind uns oder andere verletzt.

Auf die Frage, wie Mamas mit solchem Verhalten umgehen, kam in meiner Facebook-Gruppe vor allem folgende Antwort:

Ich sage klar „nein“ und sorge dafür, dass das Kind nicht hauen / kratzen / beißen kann. Ich halte den Arm fest. Nehme dem Kind den Gegenstand weg, mit dem es gerade hauen wollte. Sage, dass das weh tut und nicht in Ordnung ist. Ich bleibe dabei ruhig, aber bestimmt. Diese Reaktion wiederhole ich immer wieder.

Um gut auf das Kind eingehen zu können, ist es zudem wichtig zu erkennen, warum das Kind haut oder beißt. So können wir dem Kind wirklich helfen alternative Verhaltensweisen zu erlernen. Generell gilt dabei, dass dem Kind, wie oben gesagt, immer signalisiert werden sollte, dass Hauen, Beißen und Kratzen nicht ok ist. Sobald das Kind diese Verhaltensweisen zeigt, sollte der Erwachsene mit einem klaren „Nein“ reagieren und das Kind daran hindern. Auch wenn das Kind so leicht haut, dass es nicht unangenehm ist, sollte man so reagieren. Kinder können noch gar nicht genau einschätzen, wie viel Kraft sie gerade aufwenden und für sie ist es eine ambivalente Reaktion, wenn hauen einmal belächelt wird („Ach, das tut doch nicht weh!“) und einmal zu einem Aufschrei („AU!“) führt. In solchen Fällen neigen Kinder dazu das Verhalten erst recht zu zeigen, um in Erfahrung zu bringen, wann welche Reaktion ausgelöst wird.

2.1 Wenn das Kind beißt, weil es Zahnschmerzen hat

Am einfachsten ist es wohl, wenn das Kind beißt, weil es Zahnschmerzen hat. In diesem Fall kann man dem Kind etwas geben, worauf es herum kauen kann, um seine Schmerzen zu lindern. Dazu eignen sich gekühlte Beißringe, kühle Karotte oder auch ein Stück Veilchenwurzel.

2.2 Wenn das Kind haut, um Kontakt aufzunehmen

Wenn das Kind hingegen beißt und haut, um mit anderen Kontakt aufzunehmen, ist es wichtig, dass wir unserem Kind alternative Wege zeigen. Es komplett aus der Situation herauszunehmen und ihm dadurch den Kontakt zu verwehren, würde in diesem Fall bedeuten das soziale Interesse nach Kontakt zu bestrafen und zu verwehren.

Auch unser Sohn hat anderen Kindern eine Zeit lang immer wieder auf den Kopf gehauen. Wir mussten uns in solchen Situationen angewöhnen stets in seiner Nähe zu sein, damit wir seine Hand greifen konnten, sobald er sie erhoben hat. Wir haben dann gemeinsam mit ihm das andere Kind leicht am Kopf berührt / gestreichelt. Außerdem haben wir erzählt, wie man gemeinsam spielen kann, dass es anderen weh tut, wenn man sie haut und sind auf die jeweilige Situation eingegangen. Natürlich sollte man dem Kind keinen Roman erzählen und wichtig ist, dass die Botschaft „Nein, hauen sollst du nicht“ vermittelt wird. Ich denke aber, dass man Alternativhandlungen (gemeinsam streicheln, etc.) durchaus sprachlich untermalen sollte.

Wichtig dabei ist, dass man dem Kind den Kontakt zu dem anderen ermöglicht und gleichzeitig darauf achtet, dass das andere Kind nicht verletzt wird. Für uns hat das bedeutet, dass wir eine Zeit lang stets in Reichweite bleiben und immer schauen mussten, wann unser Sohn anfing zu hauen, um an dieser Stelle direkt eingreifen zu können.

Zeigt das Kind solche Verhaltensweisen gegenüber anderen Erwachsenen oder älteren Kindern, kann man diese bitten laut „Nein“ zu sagen und wenn nötig den Arm (nicht grob!) festzuhalten. Auch hier sollte wenn möglich eine Alternative geboten werden (gemeinsam etwas spielen, die Hand nehmen, um zu streicheln etc.).

2.3 Hauen und Beißen aufgrund von Überforderung

Wenn das Kind hingegen haut, kratzt oder beißt, weil es überfordert ist, dann ist es durchaus hilfreich das Kind aus der Situation heraus zu holen. In der Facebook-Gruppe schrieb eine Mama, dass sie ihr Kind in solchen Fällen fest in den Arm nimmt. Eine andere sagte, dass sie sich gemeinsam mit dem Kind hinsetzt und sich mit ihm / ihr beschäftigt. In solchen Fällen ist es auf jeden Fall wichtig das Kind nicht mit seinen Gefühlen allein zu lassen. Das Hauen oder Beißen ist Ausdruck einer Überforderung und wir als Erwachsene sollten unserem Kind in diesem Fall helfen mit dieser umzugehen.

2.4 Hauen oder Beißen um Aufmerksamkeit zu erhalten

Wenn ein Kind haut oder beißt, weil es so die Aufmerksamkeit anderer auf sich lenken will, sollten wir Erwachsene stets reflektieren wie wir uns verhalten um das Kind nicht unbewusst zu bestärken. Sollte ein anderes Kind bereits verletzt worden sein, ist es wichtig zunächst diesem Aufmerksamkeit zu schenken und es zu trösten. Das Kind, das gehauen oder gebissen hat, sollte wenn möglich beim Trösten miteinbezogen werden. Danach sollte man (je nach Alter des Kindes) die Situation besprechen.

Um solch einem Verhalten vorzubeugen, ist es sinnvoll dem Kind bestimmte Zeitfenster einzuräumen, in denen es die ungeteilte Aufmerksamkeit erhält. Besonders wichtig bei so etwas ist, verlässlich zu sein: Wenn man dem Kind verspricht, dass man nach dem Abwaschen ein Buch liest, sollte man dies auch unbedingt tun. Hilfreich kann auch feste „Exklusiv-Zeit“ sein, also Zeiten, die das Kind regelmäßig alleine mit Mama und / oder Papa verbringen darf.

2.5 Hauen und Beißen aus Frustration

Wenn ein Kind dazu neigt andere zu hauen, wenn es nicht bekommt was es möchte oder unzufrieden ist, dann ist es besonders wichtig dem Kind zu zeigen, wie es seine Wut oder Frustration loswerden darf. Das Benennen des Gefühls und Empathie für das Kind steht dabei an erster Stelle: „Du bist furchtbar wütend!“ wenn man weiß warum, kann man dies noch mit einbinden „Du bist furchtbar wütend, weil du nicht mit der Glasflasche spielen darfst!“. So fühlt das Kind sich wahrgenommen und merkt, dass Mama oder Papa es wirklich sehen. Im Anschluss kann man dem Kind anbieten gegen ein Kissen zu boxen, mit dem Fuss aufzustampfen oder auch laut zu schreien. Negative Gefühle müssen raus und es liegt an uns unseren Kindern zu zeigen, auf welchem Wege das geschehen sollte.

3 Das Kind zurück hauen oder beißen

Generell wird davon abgeraten das Kind zurück zu beißen oder zu hauen. Weil das Kind nicht in böser Absicht haut oder beißt und die Reaktion des Erwachsenen nicht unbedingt mit dem eigenen Verhalten verbindet, kommt beim Kind vor allem eins an: Mama oder Papa tut mir weh.

In meiner Facebook-Gruppe gab es jedoch Mütter, die berichtet haben, dass sie dies als Notfallmaßnahme getan haben (weil das Kind einfach ständig andere verletzt hat).
Ich persönlich möchte keine Mama verurteilen, möchte auf diesem Blog aber auch nicht zu solchen Handlungen raten. Ich denke, dass es viele gewaltfreie Möglichkeiten gibt mit solchen Verhaltensweisen umzugehen. Manchmal ist es ein langer Weg und manchmal sind wir verzweifelt und wissen nicht weiter. Ich bin aber überzeugt davon, dass ein liebevoller und konsequenter Umgang dazu führen wird, dass wir unsere Kinder auch durch diese Phase hindurch bekommen.

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Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
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