Weiblicher Vorname mit Bedeutung, Herkunft, Aussprache und mehr.
Die Lautschrift ist eine Annäherung und kann bei seltenen Namen abweichen. Bei Namen aus anderen Sprachen kann sie von der ursprünglichen Aussprache abweichen.
Ortrun verbindet das germanische Namenglied ort („Spitze“ oder „Speer“) mit rūn („Geheimnis“ oder „Rat“). Die freie Deutung „die Speerspitzengeheimnisvolle“ verbindet diese beiden Namenglieder, ist aber keine wörtliche Übersetzung eines erhaltenen mittelalterlichen Satzes. Ein konkreter literarischer Nachweis findet sich im mittelhochdeutschen Kudrun-Epos.
Das anonym überlieferte Epos wird gewöhnlich in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert und ist nur in einer frühen neuzeitlichen Handschrift vollständig erhalten. Ortrun erscheint dort als Schwester des normannischen Prinzen Hartmut und begegnet Kudrun freundlich. Der Textbeleg ist deshalb von der Datierung der erhaltenen Ambraser Handschrift zu trennen. Er zeigt die Namensform in der angenommenen mittelalterlichen Dichtung, beweist aber keine historische Person außerhalb des Epos. Die spätere deutsche Vornamensverwendung knüpft an diese literarische Überlieferung und an die germanischen Namenglieder an. Im selben Kalender erscheint Ortrun als Namensform zum 23. Juni.