Brief von einer Erzieherin an eine Kindergarten-Mama

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Liebe Mama eines Kindergartenkindes,

ich möchte dir heute schreiben weil ich weiß, dass du dir viele Gedanken darüber machst, wie es deinem Kind bei uns im Kindergarten geht und ob es richtig ist, dass du es zu uns bringst, obwohl es manchmal nicht will und doch eigentlich noch so klein ist.

Ich weiß, dass ich deinem Kind nie das geben kann, was du ihm gibst. Du bist die Mama und du weiß am besten, wie es deinem Kind geht und was dein Kind wann braucht. Ich möchte auch gar nicht mit dir konkurrieren, dir nicht das Gefühl geben, dass ich etwas besser weiß (denn wenn es um dein Kind geht, dann weißt du es immer am besten). Viel lieber wäre ich deine Verbündete!

Als ich dein Kind zum ersten Mal getroffen habe, habe ich sofort gemerkt, dass es etwas ganz Besonderes ist. Dass es seinen eigenen Charakter hat und von mir so wahrgenommen werden möchte, wie es ist. So wie jedes Kind in meiner Gruppe.

Ich weiß, dass ich für viele Kinder da sein muss. Ich weiß, dass ich manchmal nicht jedem Kind das geben kann, was es gerade braucht. Aber lass dir versichert sein, ich gebe jeden Tag mein Bestes! Ich versuche immer dein Kind zu sehen. Ich will dein Kind so annehmen wie es ist, es da abholen, wo es steht und für es da sein, wenn es mich braucht. Ich kann dich nicht ersetzen und das würde ich auch nie versuchen, aber ich will versuchen, in der Zeit, in der dein Kind bei mir ist, so für es da zu sein, wie ich es mir für meine Kinder wünschen würde.

Ich habe gesehen, was für eine liebevolle Beziehung ihr zueinander habt und dass euch beiden die Trennung sehr schwer fällt. Ich weiß nicht, ob du arbeiten gehst, weil du deine Arbeit liebst oder weil du auf das Geld angewiesen bist – und es ist für mich auch völlig gleich. Du bist eine gute Mutter! Du bist keine Rabenmutter, weil du dein Kind in den Kindergarten bringst um selber zur Arbeit fahren zu können. Hier versuchen wir in dieser Zeit deinem Kind neue, andere Erfahrungen zu ermöglichen, die hoffentlich dazu beitragen können, dass dein Kind sich gut entwickelt und glücklich aufwächst.


Ich weiß, dass du manchmal gar nicht gehen magst, weil dein Kind mit Tränen in den Augen am Fenster steht und dir nachblickt, doch ich möchte dir sagen, dass ich dein Kind in diesen Situationen sehen. Ich nehme seinen Schmerz und seinen Kummer wahr und versuche ihm auf die Art zu helfen, die zu deinem Kind passt. Bei manchen Kindern heißt das, dass ich sie in den Arm nehme und kuschel, bei anderen, dass ich mich einfach dazu setze und abwarte. Ich möchte dass du weißt, dass auch mir das Herz bricht, wenn ein Kind weint und ich stets mein Bestes geben werde, ihm Trost zu spenden.

Und weißt du, was mich besonders freut? Wenn dein Kind dann, nach ein paar Minuten, selig lächelnd mit ein paar anderen Kindern spielen geht. Habe keine Sorge! Meist geht es deinem Kind schon recht bald gut und der Abschiedsschmerz ist überwunden. Solange dein Kind sich deiner Liebe sicher ist und weiß, dass es sich darauf verlassen kann, dass du wiederkommst, hält die anfängliche Trauer oft nicht lang.

Ich glaube, dass diese Situationen dir oft mehr zusetzen als deinem Kind. Eben weil du nicht sehen kannst, wie es einige Minuten später wieder glücklich spielt. Du hast immer noch das Bild von deinem Kind an der Fensterscheibe, mit Tränen in den Augen, im Kopf. Ich möchte dir heute sagen, dass du keine Angst haben brauchst. Ich werde immer für dein Kind da sein. Ich werde es nicht allein lassen und wenn ich sehe, dass es gar nicht geht und ich deinem Kind wirklich nicht helfen kann, dann werde ich dich anrufen. Habe keine Angst, dass dein Kind den ganzen Tag weinend am Fenster steht. Ich werde alles dafür tun, dass es bei uns eine glückliche Zeit hat und du am Mittag ein fröhliches Kind in die Arme schließen kannst.

Du bist keine schlechte Mutter, weil du dich entschieden hast dein Kind in einen Kindergarten zu geben. Du bist eine wundervolle Mutter weil du dich immer wieder fragst, ob das die richtige Entscheidung war. Du bist die perfekte Mutter für dein Kind, das sehe ich jeden Tag, wenn du es bringst, wenn du es abholst und wenn ich dein Kind von dir reden höre! Nimm dir nicht zu Herzen was andere sagen. Meist kennen sie weder dich noch dein Kind besonders gut.

Ich freue mich schon auf den nächsten Tag, den ich im Kindergarten mit deinem Kind verbringen darf!

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7 KOMMENTARE

  1. Ich kann da leider heutzutage nicht in allen Punkten mitgehen! Wunderschön geschrieben, aber viele Dinge verwischt und unzutreffend für mich. Ich erlebe viele Mütter, die sich von ihren Kindern lenken lassen, die allein Urlaub machen und ihr Kind in die Einrichtung bringen, Kinder, die sich nicht mal verabschieden früh und Eltern, die hilflos sind im Umgang mit ihrem Kind. Es gibt viele Eltern, die Konflikte nicht aushalten können und dann Tyrannen zu Hause haben! Und es entwickelt sich im Laufe der Jahre!

    • Hallo Sylvia,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar!

      Ich erlebe manchmal auch Situationen, in denen ich weder Eltern, noch Kinder verstehe, ich denke aber generell, dass man Eltern ihre Erziehungskompetenz nicht absprechen und immer davon ausgehen sollte, dass Eltern für ihr Kind das Beste möchten (so habe ich es zumindest in der Ausbildung gelernt und das ist ein Ansatz, der mir persönlich sehr zusagt).

      Die im Brief genannten Situationen habe ich so erlebt und ich habe wirklich oft das Gefühl gehabt, dass die Trennung vom Kind den Eltern sehr, sehr schwer fällt. Auch wenn es bei manchen anders sein mag, sollte man im Blick haben, dass vielen Eltern ihre Kinder alles bedeuten und sie sich lediglich wünschen, dass ihr Kind gut betreut und für es gesorgt wird.

      Was du schreibst ist deshalb nicht weniger wahr oder real, aber es gibt halt wie immer viele Seiten einer Medaille 😉

      Liebe Grüße
      Nele

    • Wenn man mal alleine Urlaub macht finde ich das nicht schlimm, wenn die Kinder super betreut sind. Wir haben das allerdings erst einmal gemacht (als ich mit dem zweiten Kind schwanger war). Und konnten es gar nicht genießen, weil wir den Mini Chef so vermisst haben. 🙂

  2. Liebe Nele, du triffst gerade das, wie es mir geht. Unsere Aufgabe darf es sein beide Seiten zu sehen. Das Kind mit seinem Kummer und die Mutter mit ihren Sorgen. Unsere Eingewöhnungen laufen hier in der Kindertagespflege sehr oft genauso ab. Oft wird den Müttern ihre Angst in den ersten Eingewöhnungstagen bewusst. Sie dann dort abzuholen und anzunehmen, setzt unglaublich positives Feedback frei. Da ich es nicht besser formulieren kann, bitte ich die Worte veröffentlichen zu dürfen auf meiner Seite. Lg Claudia “Kindertagespflege Hevenser Räuberbande”.

    • Liebe Claudia,
      wow, das ist toll wenn ihr so arbeitet! Sollte eigentlich ja selbstverständlich sein, leider lassen die Rahmenbedingungen das nicht immer zu…
      Alles Liebe
      Nele

  3. Sehr schön geschrieben. Meine Kinder lieben ihren Kindergarten total. Meine Tochter ist bereits mit einem Jahr in die KiTa gekommen. Sie hat eine sehr intensive Bindung zu den Erziehern (die super nett sind!).

    Ich sehe das als Bereicherung. Emily weiß, dass ich ihre Mutter bin und liebt mich über alles (und natürlich auch am meisten). Aber ihre Erzieher liebt sie ebenfalls und das finde ich toll.

    Wenn die Gruppen nicht zu groß sind und Kinder liebevoll betreut werden, ist der Kindergarten meist klasse. Bei uns gehen alle Kinder gern hin. Ist halt eine tolle Gruppen-Dynamik mit super Programm. Und viel an der frischen Luft sind sie bei uns auch.

    • Ich glaube auch, dass Eifersucht oft fehlt am Platz ist (wobei ich es auch verstehen kann, dass schnell mal solche Gefühle entstehen). Die Kinder lieben ihre Elter eigentlich immer über alles und eine Erzieherin (oder auch ein Erzieher) ist einfach nur eine tolle Bereicherung.

      Toll, dass ihr das genau so seht! Ich hoffe ihr habt weiterhin eine schöne Zeit in eurem Kindergarten <3

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