1. Wochenbett: Woche 1

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Heute sind 7 Tage um. Unser Babyjunge ist nun eine Woche alt. 7 Tage, in denen eigentlich nicht viel passiert ist und in denen sich dennoch unsere ganze Welt auf den Kopf gestellt hat. 7 Tage, in denen ich so glücklich und nur Momente später so verzweifelt wie nie zuvor war.

Nach der Geburt: 3 Tage im Krankenhaus
Nach der Geburt waren wir noch 3 Tage im Krankenhaus. Die erste Nacht musste Finn nach Hause, weil alle Betten belegt waren, die restliche Zeit hatten wir hingegen das wahnsinnige Glück ein Familienzimmer zu bekommen. Und das war wirklich mein Glück: da ich bei der Geburt so viel Blut verloren habe, konnte ich die ersten 2 Tage nicht aufstehen, weil mein Kreislauf zu instabil war. Ich konnte unser Baby nicht allein aufnehmen, es nicht wickeln, geschweige denn zu den Untersuchungen begleiten.

Jeden Tag versuchte ich aufzustehen und schaffte es am ersten Tag nicht einmal auf Toilette, was mir die nette Bekanntschaft mit einer Bettpfanne einbrache. Erst am Tag meiner Entlassung schaffte ich es auf eigenen Beinen unser Zimmer zu verlassen. Entlassen wurde ich glücklicherweise dennoch, weil Finn versicherte, dass er ebenfalls Zuhause sei und sich um mich und den Babyjungen kümmern würde.

Die Nächte im Krankenhaus habe ich größtenteils wach verbracht. Gar nicht, weil der Babyjunge so viel geschrien hat, sondern einfach, weil ich nicht aufhören konnte ihn anzuschauen und viel zu aufgeregt war um zu schlafen. Trotzdem merkte ich den Schlafmangel kaum, viel mehr machte mir meine schlechte körperliche Verfassung zu schaffen.

Im Krankenhaus bekamen wir auch recht viel Besuch, worüber ich aber ganz froh war, da es den doch eher langweiligen Klinikalltag etwas auflockerte. Alle waren natürlich sofort verliebt in unser Baby und bisher hatte ich noch keine großen Probleme ihn auch mal der Oma oder Uroma zu geben.

4. Tag: Die Fahrt nach Hause
Am Montag, den vierten Tag nach der Geburt, durften wir dann tatsächlich schon nach Hause. Wir packten unsere Sachen und gingen (mit vielen Pausen) zu unserem Auto. Schon auf der kurzen Strecke merkte ich, dass ich extrem kurzatmig geworden bin und hatte bald das unangenehme Gefühl, dass meine Organe unten nicht mehr richtig gehalten werden und rausfallen könnten. Im Auto musste ich mich von diesem Weg erst einmal erholen und stellte dabei fest, dass Autositze ziemlich hart sind, was nach einer Geburt ganz schön unangenehm ist (Notiz an mich selbst: falls es ein nächstes Mal gibt ein weiches Sitzkissen ins Auto packen!).

Auf dem Weg nach Hause wollte Finn noch schnell etwas einkaufen, ich wartete in der Zeit mit dem Babyjungen im Auto. Und wartete. Und wartete. Und fing auf einmal aufgelöst an zu weinen. Ich merkte auf einmal wie kaputt ich war, wie verwundet, wie schwach. Ich musste auf Toilette und würde noch eine Weile durchhalten müssen, bis wir Zuhause wären und auf einmal wusste ich nicht, ob ich das schaffen würde. Außerdem tat es so wahnsinnig weh zu sitzen und im Auto wurde es auch immer kälter. Nun ja, als Finn kam, fand er jedenfalls eine völlig aufgelöste Nele vor und beeilte sich dann sehr nach Hause zu kommen.

Zuhause – kehrt nun der Alltag ein?
Zuhause bezog ich meine Sofa-Festung mit Decken, Kissen, Wärmflasche, Teekanne und jeder Menge Knabberzeug und Süßkrams und bewegte mich die folgenden Tage kaum. Die ersten Tage kam meine Hebamme jeden Tag und half mir sehr indem sie mir einiges an Hilfsmitteln (Salben, Einlagen, Globuli, Tee, etc.) mitbrachte und mich immer wieder aufmunterte. Denn Aufmunterung konnte ich gebrauchen: Der Babyjunge schlief zwar Tagsüber lang und ausgiebig, Nachts dafür eher weniger.

Als würde ihm die Dunkelheit nicht behagen, wurde Nachts geschrien, bis er irgendwann erschöpft einschlief. Finn und ich wussten uns nicht wirklich zu helfen und waren teilweise wirklich sehr verzweifelt. Und dann bekam ich einen Ausschlag, der mich völlig aus der Bahn warf. Schon in der Schwangerschaft hatte ich einen Ausschlag mit starkem Juckreiz in den Dehnungsstreifen, nun ging dieser Ausschlag erst auf den Bauch, dann die kompletten Beine, den Po und die Arme über. Ich ertrug keinen Stoff auf meiner Haut und konnte manchmal mein eigenes Baby nicht auf dem Arm halten. Ich kratze mich blutig und konnte Nachts die Decke nicht ertragen und an Schlaf war nicht zu denken. Mittlerweile weiß ich, dass es sich bei diesem Ausschlag um einen hormonbedingten Ausschlag handelt (PUPPP), darüber werde ich in den nächsten Tagen auch noch genauer berichten.

Wahrscheinlich auch wegen dieses Ausschlags klappte auf einmal das Stillen nicht mehr. Ich hatte ziemlich starke Schmerzen und der Babyjunge ließ sich kaum anlegen. Immer wenn ich ihm die Brust anbot, begann er zu schreien, warf sein Köpfchen hin und her und schlug mit seinen Händchen um sich und dabei auch die Brust weg. Das Stillen wurde dadurch für mich zur Tortur und jeden Tag hatte ich mehr Angst davor ihn anzulegen. Zufüttern oder gar ganz auf das Fläschchen umzustellen kam für mich jedoch nicht in Frage und aus Verzweiflung und dem Gefühl zu versagen weil ich mein eigenes Kind anscheinend nicht ernähren konnte, floss nicht nur eine Träne.

Alles in allem war diese erste Woche völlig anders als ich mir das immer vorgestellt habe. Ich war nicht nur völlig übermüdet und kaputt von der Geburt, sondern körperlich auch extrem angeschlagen, kämpfte mit einem Juckreiz, der alles in den Schatten stellte, was ich bisher kannte und unser Baby schien ein echtes Schreibaby zu sein. Das einzige was mir wenigstens ein bisschen half, war abends so heiß zu duschen, dass ich den Juckreiz nicht mehr spürte und dabei einfach zu heulen und alles raus zu lassen. Auch meine Eltern, die uns unterstützen wo sie konnten und natürlich Finn, der jeden Tag für mich da war und alles tat um es mir einfacher zu machen, sorgten dafür, dass ich diese Tage überhaupt überstehen konnte.

Von vielen wird das Wochenbett auch Babyflitterwochen genannt, für mich war diese erste Woche eher die Hölle auf Erden. Ich bin wahnsinnig traurig darüber und würde dir gerne etwas anderes berichten, finde aber, dass auch diese Seite offen erzählt werden sollte. Denn so kann es sein. Und wenn es dir ähnlich geht und du dich im Wochenbett körperlich am Ende, einfach schlecht und überfordert fühlst, dann will ich dir sagen: du bist nicht allein! Das ist nicht unnormal und auch nicht schlimm. Und es wird besser. Das hoffe ich zumindest.

Hier gelangst du zurück zur Übersicht, hier direkt zur zweiten Woche unseres Wochenbetts.

Edit nach 7 Monaten: Es wird nicht nur besser, es wird sogar wahnsinnig schön. Also, nicht aufgeben! Durchhalten!

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9 Gedanken zu „1. Wochenbett: Woche 1“

    • Liebe Claudi,
      Ja, bei Facebook haben auch schon einige geschrieben, dass es ihnen ähnlich ging und auch wenn man das natürlich keinem wünscht, ist es beruhigend zu wissen, dass man nicht total aus dem Rahmen fällt.

      Schöne Weihnachtstage und bestimmt wird es 2017 dann Stück für Stück leichter/schöner! 🙂
      Nele

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    • Dass dein Babyjunge in Katastrophenalarm war, sobald es dunkel war und herzerweichend schrie, statt schlief, hat wahrscheinlich das Krankenhaus verbockt. In der ersten Nacht (nicht nur da) gehören Mutter und Kind zusammen. Sonst hat das Baby Todesangst: Du bist seine Beine zum Weglaufen, wenn der Säbelzahntiger kommt, und seine Milchbar, aus der Essen und Liebe kommen, so nah am Mutterherz. Du bist seine ganze Sicherheit.

      Bei mir ist dasselbe passiert, nur haben sie mich damals nicht eine Nacht, sondern gleich 10 Tage von meiner Mutter getrennt. Ein vollkommen unnötiger Brutkastenaufenthalt, weil das Krankenhaus den neu hatte, toll fand und jetzt auch benutzen wollte. Ich war nur wenige Tage zu früh.
      Der Schaden ist riesig, denn für meine Mutter kam ich, ohne Wochenbett und ohne zugehörige Hormonumstellung, als Fremdkörper zurück. Ich störte, anstatt ihr Ein und Alles zu sein. Ihr System hatte umgestellt auf Normalmodus, es war kein Kind da, die Schwangerschaft hatte sozusagen nicht geklappt, kein Kind war da. Zusätzlich hat ihr das Krankenhaus auch noch vom Stillen abgeraten. Und so störe ich bis heute. Das Krankenhaus hat unser Familienleben in die Hölle verwandelt. Und die Todesangst und Trauer, dass meine Mami nicht da war und ist, hat mich bereits über 300 Psychotherapiestunden gekostet. Es gibt keinen größeren Schmerz, jeder Lebenspartnerverlust ist leichter. Der Saftladen von Krankenhaus hat mich mein ganzes Lebensglück gekostet. Leider war es schon viel zu spät, als ich das Ganze mit 34 endlich durchschaute. Wäre es früher gewesen, hätte ich den Laden versucht, zu verklagen und eine sehr große Summe Geld rauszuholen, die ich dringend brauchen könnte. Für die Therapien, die endlosen depressiven Zeiten, die zu einer viel zu kleinen Rente geführt haben. Wundert dich, dass ich der Schulmedizin nicht über den Weg traue? Sie hat all meine Probleme verursacht. Der jahrelange emotionale Stress hat zu viel zu frühen Wechseljahren mit Ende 30 geführt und zu etlichen kleinen körperlichen Wehwehchen. Ich kämpfe ständig darum, nicht an den Spätfolgen zu Grunde zu gehen. Und auch heute noch spüre ich oft unendliche Einsamkeit.
      Seht zu, dass ihr eurem Baby nachts Sicherheit, Sicherheit und nochmals Sicherheit gebt. Er darf niemals unfreiwillig allein sein. Das entstandene Trauma muss komplett heilen. Es muss nach der Schockerfahrung der ersten Nacht spüren können, dass du immer da bist, besonders nachts, und ihm Sicherheit gibst. Lass es in deinen Armen schlafen. Jedes einzelne Mal, wenn es dich nachts nicht hat, aber braucht, lebt das Trauma wieder auf. Das darf nicht passieren. Ich weiß, das ist anstrengend, erspart dir aber sehr viel Schlimmeres.
      Ich war früh bereit zum Kopfsprung ins Leben und die Arme meiner liebenden Eltern. In nur 3,5 Sunden von der ersten Wehe bin ich aus meiner Mutter rausgeflutscht in freudiger Erwartung. Direkt in die Einsamkeitshölle.

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  1. Liebe Nele, ich habe gerade deinen Blog entdeckt und beim Lesen flossen ein paar Krokodilstränchen.. Mein Babyjunge ist mittlerweile anderthalb und mein absoluter Superheld! Aber in den ersten Wochen nach der Entbindung ging es uns genauso wie du es hier beschreibst und das allerschlimmste daran war, dass alle die uns für ein paar Minuten oder Stunden besuchten, einem ständig mitteilten, was für ein pflegeleichtes und zuckersüßes Baby man hätte! Nach diesen (unbedachten) Kommentaren kam ich mir noch unfähiger und gefühlskälter vor!
    Und ich weiß noch genau, dass ich am meisten darüber verwundert war, wie viel man überhaupt in kurzer Zeit fühlen kann und wie unfassbar schnell Gefühle umschlagen können!

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute mit deinem Jungen! Genießt eure Zeit sogut es eben geht!

    Lotta

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    • Liebe Lotta,

      es ist immer wieder schön zu hören, dass man mit diesen Gefühlen nicht alleine dasteht. Auch wenn ich natürlich jeder Mama wünsche, dass ihr Wochenbett schöner ist als unseres. Mittlerweile hat sich bei uns zum Glück alles ganz gut eingespielt und wir sind sehr glücklich und zufrieden. An die erste Zeit kann ich mich aber immer noch lebhaft erinnern und muss gestehen, dass ich froh bin, dass sie um ist.
      Dass andere die Situation ganz anders wahrnehmen, war bei uns auch teilweise so und hat es nicht leichter gemacht…
      Vielen dank für deine lieben Wünsche, die kann ich nur zurück geben 😉
      Alles Liebe
      Nele

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  2. Hallo Nele, bei mir ist es 27. bzw. 25 Jahre her und ich kann jedes Wort unterschreiben. Zum Glück hatte ich Hilfe von meiner Tante, deren Kinder damals schon gross waren und die sich dann um das Baby und mich gekümmert hat, in dem sie für Ruhe für uns und wenig Besuch gesorgt hat, ein wenig old fashioned, aber ehrlich gesagt war ich froh! Sie hat den kompletten Haushalt geschmissen, die Wäsche und alles, so dass ich mich nur um mich und das Kind kümmern musste. Ich kann jeder frischgebackenen Mutter nur empfehlen, sich für die ersten Wochen eine Verwandte oder jemanden zu organisieren, der einem da komplett entlastet, auch den Vater, damit man sich nur auf die neue Rolle als Eltern konzentrieren kann.

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    • Hallo Heike,
      du hast absolut Recht! Am Anfang kann man die Hilfe wirklich total gebrauchen und ich war auch so dankbar für die Unterstützung, die wir bekommen haben. Man kann sich das in der Schwangerschaft gar nicht so vorstellen (zumindest konnte ich das nicht) aber ein Baby krempelt mit einem Schlag alles um und die Umgewöhnung ist doch nicht ohne. Toll, dass deine Tante dich da so unterstützt hat! Ich wünsche wirklich jeder Mama, dass sie ebenfalls jemanden hat, der in dieser Zeit da ist um zu unterstützen <3
      Liebe Grüße
      Nele

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  3. Oh vaia,
    Also bei mir ist es schon 11 Jahre her dass ich in dieser Situation war. Ich glaube allerdings nicht dass es so schlimm war bei mir. Auch nicht beim ersten Kind. Aber vielleicht habe ich das alles vergessen.
    Naja, ich hatte nicht solche starke Blutverlutste und auch keinen Ausschlag. Nur schon das, erschwert das ganze natürlich sehr.

    Ich bin jetzt wieder Schwanger und ich hoffe alles läuft gut.

    Danke für deine Infos. Es ist schon teilhaben zu dürfen.

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    • Hey Corinne,
      herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft und ich drücke dir die Daumen, dass alles gut läuft 🙂
      Ich habe mittlerweile auch schon echt viel vergessen und am Ende ist es das alles ja allemal wert 😉
      Liebe Grüße
      Nele

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