Trauern über Fehlgeburten – von Unverständnis und unsensiblen Ratschlägen

Wer hier regelmäßig liest, der weiß, dass ich Anfang letzten Jahres eine Fehlgeburt hatte. Es war noch sehr früh und im Ultraschall habe ich nicht mal das Herzchen schlagen sehen und trotzdem hat mich das damals ganz schön aus der Bahn geworfen.

Mittlerweile liegt mein Sohn neben mir und schläft. Und dennoch lässt mich das Thema Fehlgeburt nicht los. Auf vielen Blogs berichten Frauen über ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse und eines liest man dabei immer wieder: Auf wie viel Unverständnis man stößt, wenn man über eine „frühe“ Fehlgeburt trauert. Früh meint damit vor der 12. Woche, meist sogar schon in den ersten 5 bis 8 Wochen der Schwangerschaft.

Im Rahmen der Aktion „Alle reden über Trauer“ von Silke vom Blog inlautertrauer.de möchte ich hier noch einmal auf dieses Thema eingehen.

Fehlgeburt: Wenn man um ein „hätte“ trauert

Wenn man eine Fehlgeburt hat, dann trauert man nicht um einen bestimmten Menschen. Dieses Wesen, das da eigentlich in einem wachsen sollte, kennt man ja noch gar nicht. Man weiß oft nicht einmal ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Doch vor allem, wenn man eine Schwangerschaft herbeigesehnt hat, wenn man sich wahnsinnig über den positiven Test gefreut hat und es kaum erwarten kann der ganzen Welt von diesem wundervollen Ereignis zu erzählen, genau dann, trifft einen der Verlust völlig unvorbereitet.

In diesem Moment sind es keine Erinnerungen, die schmerzen, sondern all die Träume, Wünsche und Hoffnungen, die man auf einmal loslassen muss. Man hat meist keine Andenken, außer vielleicht einem Ultraschallbild, auf dem man noch nicht einmal erkennen kann, dass dieser Punkt einmal ein Mensch werden würde. Man hat keine Erinnerungen, keine gemeinsame Vergangenheit.

Und weil man das alles nicht hat, fällt es vielen Unbeteiligten schwer diese Trauer nachzuvollziehen. Zu verstehen, dass ein solcher Verlust dennoch schmerzen kann. Zu akzeptieren, dass man nach so einem Erlebnis ein Recht auf seine Trauer hat.

Unverständnis zeugt meist von Unwissenheit

Am wenigsten Verständnis zeigen oft die Leute, die selber nie eine solche (oder ähnliche Situation) erlebt haben. Manchmal sind das Kinderlose. Manchmal Paar, die selber mehrere gesunde Kinder haben und nie mit dem Thema Fehlgeburt in Berührung gekommen sind. Manchmal sind es aber auch Menschen, die selber gerade erst einen Verlust erlitten haben und nicht verstehen können, wie man um etwas trauern kann, dass noch gar nicht wirklich da war.

Doch da war „etwas“. Ein Minimenschlein. Und das einzige, was ich mir wünschte, wäre, dass man dem anderen seine Trauer lässt. Dass man andere in ihrem Tempo verarbeiten lässt. Dass man nicht versucht zu messen, welcher Verlust nun schwerer wiegt oder wer mehr „Recht“ hat zu trauern.

Denn vielleicht hat die Frau, die gerade eine Fehlgeburt hatte seit Jahren versucht schwanger zu werden. Und selbst wenn sie Zuhause schon ein, zwei, drei oder wie viele Kinder auch immer hat, vielleicht war diese Schwangerschaft ein Herzenswunsch. Und selbst wenn die Schwangerschaft ganz ungeplant entstanden ist, wer weiß schon, ob nach dem ersten Schock nicht die Liebe und Vorfreude stetig wuchs.

Bevor Du urteilen kannst über mich oder mein Leben,
ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg,
durchlaufe die Straßen, Berge und Täler,
fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude.
Durchlaufe die Jahre, die ich ging,
stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin,
stehe immer wieder auf
und gehe genau die selbe Strecke weiter,
genau wie ich es tat.
Erst dann kannst Du über mich urteilen.

Wenn Ratschläge Schläge sind

„Sei doch froh, dass es jetzt passiert ist und nicht in der soundsovielten Woche!“
„Das ist doch besser als wenn du ein behindertes Kind bekommen würdest!“
„Sei froh, so kannst du noch ein paar Monate mehr dein ungebundenes Leben genießen!“
„Vielleicht seid ihr einfach noch nicht bereit Eltern zu werden.“

Mein Kopf, der versteht diese Sätze irgendwie. Die Logik dahinter. Irgendwie. Doch mein Herz nicht. Ich möchte meinen Verlust betrauern dürfen. Solange ich will. In der Form, die ich für angemessen halte. Ich will mich nicht rechtfertigen. Und ich will erst recht nicht, dass mein Schmerz heruntergespielt wird. Ja, es gibt schlimmeres. Aber das kann man doch immer sagen. In jeder Situation findet man eine andere, die noch schlimmer wäre.

Was ich mir stattdessen wünsche?

Ganz einfach:
„Es tut mir leid. Ich bin für dich da!“
Ehrlich. Aus vollem Herzen.

Mama sein
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26 Gedanken zu “Trauern über Fehlgeburten – von Unverständnis und unsensiblen Ratschlägen”

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Alle meinten ich wäre bescheuert zu Trauern. Aber auch wenn man so ein kleines Wunder ganz am Anfang verliert setzt bei vielen der schmerz tief ich habe lange gebraucht damit klar zu kommen.
    Auch in meiner derzeitigen Schwangerschaft lässt mich dieses Thema nicht los.

    • Liebe Melissa,
      ich kann dich gut verstehen! Auch ich hatte in der Schwangerschaft danach solche Angst. Zum Glück ist alles gut gegangen und nun ist unser Babyjunge schon 3 Monate bei uns (damals dachte ich manchmal wirklich, dass ich das nie erleben darf).
      Ich wünsche dir von Herzen, dass alles gut geht und du eine tolle Schwangerschaft erleben darfst!
      Die allerbesten Wünsche
      Nele

  2. Ich habe am Donnerstag in der 9. Woche eine Fehlgeburt erlitten bzw wurde diese mittels Wehenmitteln eingeleitet, da der Fötus nicht mehr lebte.
    Heute haben wir es meinen Schwiegereltern gesagt, die zuvor noch nichts von der Schwangerschaft wussten.
    Meine Schwiegermutter hätte es sonst auf der Familienfeier anlässlich des 60. Geburtstags meines Schwiegervaters stolz und freudig der 50 köpfigen Meute verkündet.
    Einer der Gäste stellte dennoch die Vermutung an, dass ich schwanger sei, doch ich redete mich raus.
    Wir wissen um die Risiken der Schwangerschaft in meinem Fall durch eine Autoimmunerkrankung und wollten die erste heiße Phase abwarten.
    Meine Schwiegermutter war zunächst bestürzt, doch ihre Erklärung für das Geschehene schockiert mich sehr.
    Es ist meine Schuld, dass ich das Kind verloren habe, weil ich nicht dazu gestanden habe. Das Leugnen der Schwangerschaft wurde nun bestraft.
    Ich bin fassungslos.
    Mein Mann hat mich umgehend heim gebracht und will morgen noch mal mit ihr darüber sprechen.

    • Liebe Corinna,
      mir fehlen die Worte!
      Dein Verlust tut mir wahnsinnig Leid! Was deine Schwiegermutter da sagt, ist einfach unfassbar. Ich glaube, dass manchen Menschen leider oft nicht bewusst ist, wie sehr ihre Worte uns treffen und verletzen. Ich hoffe, dass das Gespräch für Klärung sorgt und deine Schwiegereltern einsehen, dass ihre Worte einfach wahnsinnig unangebracht und falsch waren.
      Von Herzen wünsche ich dir, dass du bald wieder schwanger wirst und dann eine Traum-Schwangerschaft und 9 Monate später dein Baby auf dem Arm hast. Die Kinderwunsch- / Familiengründungszeit ist leider oft schwer und manchmal unerträglich.
      Egal was kommt, ich wünsche dir ganz viel Kraft und Liebe!

  3. Ich sitze gerade allein zu Haus….Und verliere mein Baby….Ich bin in der neunten Woche… Es ist meine zweite Fehlgeburt. ..Ich hatte so sehr Angst, dass es nochmal passiert. …Und jetzt sitze ich hier und erlebe es nochmal. Ich hab es ..bis auf meinem Mann auch niemandem gesagt. …Ich möchte nicht, dass alle um mich rum dann mit Sprüchen kommen. Ich hatte vor drei Wochen einen Autounfall. .Nicht sehr schlimm aber mit Schock und leichtem Schleudertrauma. .. Vielleicht darum….Ich frage mich die ganze Zeit warum das passiert…..

    • Liebe Mandy,
      aus der Ferne drücke ich dich und sende dir viele gute Gedanken und Kraft!

      Ich weiß, wie die Frage, ob man etwas hätte anders machen können, einen quälen kann. Aber leider können wir die Zeit weder zurückdrehen noch anhalten (glaube mir, ich hätte es auch ohne zu zögern getan!). Auch die Frage warum dies passiert, wird für die meisten unbeantwortet bleiben. Wenn du kannst, versuche dich nicht mit diesen Fragen zu quälen.

      Ich wünsche dir für die kommende Zeit einen Partner, der fest zu dir steht und dir Kraft geben kann. Zusammen werdet ihr das schaffen! Ich habe sehr viel über das Thema gelesen und vielleicht macht dir eins ein bisschen Hoffnung: Die aller-, allermeisten Paare halten irgendwann ihr Baby in den Armen. Ich wünsche dir von Herzen, dass dies bald sein wird.
      Alles Liebe
      Nele

  4. Hallo Nele,
    ich bin Diabetikerin und habe einen, nun schon, 9 jährigen Sohn. Nach 4-5 Jahren nach seiner Geburt wollten wir es noch einmal probieren. Ich wurde nicht schwanger, Jahr um Jahr nicht. Aber meine Beschwerden rund um den Zyklus nahmen so stark zu, dass ich zeitweise zusammenbrach. Endlich hatte ich eine Antwort: Endometriose. Ich wurde operiert und bekam Medikamente, die das Schleimhautwachstum trosseln sollten. Ein halbes Jahr darauf stellten wir unsin einer Kinderwunschklinik vor. 2 Versuche unternahmen wir. Beim 2.Versuch klappte es. Vor einer Routineuntersuchung in der 9. Woche sagte ich zu der Ärztin, dass es sich sehr eigenartig anfühlen würde. Als wäre ich nicht mehr schwanger. Als sie mich dann untersuchte bestätigte sie meine Vermutung ziemlich trocken. Ich würde mich nicht mehr schwanger fühlen weil ich eben nicht mehr schwanger sei.
    Auch in der Klinik nach der Ausschabung wurde ich sehr unsensibel behandelt. Ich lag nach dem Eingriff sogar in einem Zimmer mit 2 frischgebackenen Mamas.
    Ich habe sehr sehr lange gebraucht um das zu verarbeiten bzw. tue dies immer noch.
    Da ich nun wieder bzw. weiterhin die Medikamente zu mir nehme wird sich wohl nix bei mir einnisten. Durch den Diabetes ist es schon schwierig schwanger zu werden aber mit der Diagnose Endometriose werd ich mich wohl von einem 2. oder gar 3. KIind verabschieden müssen.
    Das Gefühl keine richtige Frau zu sein, nicht das leisten zu können für das man gebaut worden ist ist schlimmer als die Sprüche: “Sei doch froh, du hast ja schon ein Kind.“, “Es war doch noch gar nicht wirklich da so früh.“ oder “Das wär bestimmt behindert gewesen. Das hättest du doch gar nicht geschafft.“. Zum Teufel! Was bilden sich die Leute denn eigentlich ein so urteilen zu dürfen.

    Ich danke dir für diesen Beitrag, Nele. Er hat mir wirklich aus der Seele gesprochen. Wenn man nicht so verletzt und niedergeschlagen wäre in so einem Moment könnte man ordentlich Paroli bieten und dann würden vielleicht nicht so viele dämliche Sprüche kommen.

    • Liebe Silvia,
      wenn ich deine Geschichte lese, dann weiß ich kaum, was ich dazu schreiben kann. Es tut mir so Leid für dich und ich wünschte, dass die Menschen etwas sensibler und verständnisvoller wären.
      Deine Geschichte zeigt, dass wir eine Situation von außen einfach nie vollständig einschätzen können. Danke, dass du deine Geschichte hier mit uns teilst!
      Ich wünsche dir für die Zukunft, dass ihr glücklich seid. Dass du den Verlust verarbeiten kannst und ihr euren Weg findet.
      Alles Liebe
      Nele

  5. Liebe Nele,
    ich danke Dir für diesen wunderbaren Beitrag. Es tut so gut, das hier so auf den Punkt gebracht zu lesen, was mir gerade alles durch den Kopf geht.
    Ich habe in der letzten Woche unser Würmchen in der 6. SSW verloren. Wir versuchen schon so lange, ein Kind zu bekommen und haben uns über den positiven Test irrsinnig gefreut. Keine zwei Wochen später war es vorbei. Ich war vollkommen am Boden und komme erst jetzt ganz langsam wieder auf die Beine, aber es wird noch lange dauern, bis ich mich wieder ganz fühlen werde.
    Ich habe zum Glück viel Verständnis und viele liebe Reaktionen erfahren. Aber leider auch viel Unverständnis, dass ich immer noch (es ist doch gerade erst eine Woche her!) durchhänge. Hätte ich dafür gerade Kraft, wäre ich furchtbar wütend.
    Dein Beitrag hilft ein wenig, mich zu trösten. DANKE!

    • Liebe Elli,

      dein Verlust tut mir sehr Leid!
      Es freut mich, dass mein Text dir zumindest ein bisschen hilft und ich bin immer wieder erstaunt, dass manche Menschen so unsensibel sind.
      Ich wünsche dir von Herzen, dass du den Verlust gut verarbeiten kannst und ihr bald euer Wunschkind im Arm halten dürft!
      Alles Liebe
      Nele

  6. Liebe Nele,

    danke, dass du alles so aufgeschrieben hast – auch mir spricht dies aus der Seele. Das Schwanger-Sein und dann kurze Zeit später (bei mir in der 7. SSW) eine solche „kleine“ Geburt zu erleben, dabei diese Schmerzen körperlich und seelisch zu spüren, einfach unendlich traurig zu sein, dass es so gekommen ist… das alles hinterlässt Spuren.

    Ich wünsche mir für alle, die soetwas durchmachen mussten/müssen, und für mich viel Kraft. Auf dass die (hoffentlich schnell eintretende) neue Schwangerschaft gut verläuft und wir unseren innigsten Wunsch erfüllt bekommen.

    LG Kristin

    • Liebe Kristin,
      deine Wünsche kann ich nur bekräftigen und auch dir wünsche ich genau das und ganz viele liebe Worte von den Menschen, die du jetzt brauchst.
      Ganz liebe Grüße und ich wünsche dir trotz allem, dass du die Weihnachtszeit gut mit deinen Lieben verbringen kannst!
      Nele

  7. Liebe Nele,
    Dein Text hilft mir sehr, mich selbst und mein Gefühl ernst zu nehmen. Es hat nicht sein sollen, ist derzeit der häufigste Satz, den ich höre und der mir gar nichts gibt, außer mehr Schmerz. Ich danke Dir von ganzen Herzem unbekannter Weise und wünsche Dir alles Gute!
    Elfi

    • Liebe Elfi,
      diesen Satz habe ich auch oft gehört und nicht verstanden, was daran trösten soll.
      Ich wünsche dir, dass du Menschen in deinem Umfeld hast, die dich verstehen, ernst nehmen oder zumindest einfach für dich da sind. Und wenn du kannst, dann genieße die Weihnachtszeit mit diesen Menschen!
      Alles Liebe für dich
      Nele

  8. Liebe Nele,

    vielen Dank für deinen Text hier. Ich selbst habe zwei Fehlgeburten erlebt, bei der ersten Schwangerschaft war ich einfach nur der glücklichste Mensch der Welt. Umso schlimmer war das viel zu frühe Ende. Da ich gutgläubig schnell die Nachricht verbreitet habe, haben auch viele von der Fehlgeburt gewusst. Überraschenderweise gab es nur wenig „dumme“ Kommentare, stattdessen viele Berichte von Frauen, die es auch durchgemacht haben. Die zweite Schwangerschaft konnte ich aufgrund der Vorgeschichte kaum genießen, immer war da dieses Angstgefühl und irgendwann wusste ich einfach, dass wieder etwas nicht stimmt. Im Ultraschall dann zu sehen, dass kein Herz mehr schlägt, hat meins gebrochen. Zum Glück waren die Ärztinnen im KH sehr feinfühlig. Den Schmerz kann einen trotzdem niemand nehmen. Im Februar wäre geburtstermin meines Sternchens. Das wird nochmal ein sehr schwerer Monat. Die Traurigkeit darüber wird wohl nie ganz vergehen.

    Alles Liebe für dich!
    Steffi

    • Liebe Steffi,
      es tut mir Leid, dass du das erleben musstest aber es ist schön zu lesen, dass viele dir mit Mitgefühl begegnet sind! Vielleicht verändert sich das Bewusstsein der Gesellschaft ja Stück für Stück dahin, dass immer mehr Menschen die Trauer anderer respektieren können und lernen damit umzugehen bzw. die richtigen (oder manchmal einfach auch keine) Worte zu finden.
      Ich wünsche dir für den Februar ganz viel Kraft, auch für mich war es im September nochmal komisch, da wäre unser ET gewesen. Ich hoffe von Herzen, dass das Jahr 2018 viel Schönes für dich und deine Familie bereit hält!
      Einen guten Rutsch und alles Liebe!
      Nele

  9. Leider geselle auch ich mich hier zu euch.
    Auf der Suche nach Antworten – wobei ich weiß, dass es darauf keine Antworten gibt –
    bin ich auf diesen Beitrag gestoßen.
    Am 28.12. hielten wir nach langen Monaten der Kinderwunschzeit, endlich einen positiven Test in der Hand! Die Freude war so unglaublich groß!! Es hatte endlich geklappt und der ganze Druck und die Zweifel ob es überhaupt jemals klappt, vielen von mir ab! Ich war glücklich, ich malte uns die schönste und bunteste Zukunft aus!
    Am 02.01. dann leider der erste Schock – eine Schmierblutung! Wir fuhren sofort ins KH, doch der Arzt konnte keinen Grund für die Blutung feststellen, zeigte uns den schwarzen Punkt auf dem Ultraschall – Anfang 6. Woche, ich war schwanger und glücklich! Sorgen müsste ich mir nur machen wenn ich Schmerzen bekomme oder eine frische Blutung einsetzt!
    Zwei Tage vor dem ersten richtigen Termin beim Frauenarzt, inzwischen in der 7. SSW angekommen, dann der Schock, am 09.01. hatte ich Abends eine frische Blutung!
    Wir fuhren sofort wieder ins KH, eine Assistenzärztin untersuchte mich, ihre knappe Aussage – sie sind nicht mehr schwanger, auf dem Ultraschall ist nichts zu erkennen, die Gebärmutter ist leer! Ich glaube das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens und ich stehe heute noch unter Schock! Die nächste Frage war, ob ich denn sicher schwanger war, ob ich auch wirklich einen Test gemacht habe, bei dem man eindeutig sagen konnte, dass er positiv ist!!!!!
    Ich hätte wütend sein und sie anschreien sollen, doch ich war so geschockt das ich wie eine Hülle meine Sachen zusammen gepackt habe und wir nachhause gefahren sind.
    Am nächsten Tage musste ich zu meinem FA – unter Schock saß ich im Wartezimmer, mit zwei Hochschwangeren Frauen die ihren Babybauch streichelten, und im Nebenzimmer hörte man die Herztöne des Baby´s bei einer Frau, die am CTG angeschloßen war. Das waren die grausamsten Minuten überhaupt für mich!!
    Ich habe ja Glück meinte der Arzt – Ausschabung brauche ich keine!
    Ja ich weiss, es gibt weit schlimmere Schicksale und Geschichten, aber meine ist für mich schlimm und schmerzend genug!
    Und ja, das schlimmste ist das Unverständnis!!
    – Wenigstens weißt du jetzt, das du schwanger werden kannst…
    – Beim nächsten mal klappt es bestimmt…
    – Es ist jetzt vorbei, wir probieren es einfach wieder und machen ein neues Baby…
    Mein Mann, der so glücklich, fürsorglich und liebevoll während der kurzen Zeit der Schwangerschaft war, versagt meiner Meinung nach im Moment komplett…
    Er verdrängt das alles und es ist ihm lästig, dass ich wie ein Haufen Elend zuhause liege und mir die Seele aus dem Leib weine…
    Ich soll mich doch bitte zusammenreißen…. aber ich reiße mich bestimmt nicht zusammen, nur damit es ihm gut geht und er das alles schön in eine Ecke verdrängen kann! Es tut einfach nur unendlich weh!!!!
    Und das schlimme ist, es wird nie mehr so freudvoll und so unbeschwert sein, wie es dieses mal war!! Hinter jeder Freude sitzt nun eine große Angst, wie soll ich die ersten Wochen einer neuen Schwangerschaft überstehen, wann soll ich überhaupt bereit sein für eine neue Schwangerschaft, wann klappt es wieder usw. usw…
    1000 quälende Fragen und Gefühle sind in mir drin! Und antworten darauf kann mir wohl nur die Zeit bringen…..

    • Liebe Jule,
      es tut mir so leid, dass auch du so eine Erfahrung machen musstest!
      Wie im Krankenhaus mit dir umgegangen wurde, ist furchtbar und leider kein Einzelfall. Es wäre schön, wenn Ärzte in solchen sensiblen Themen vielleicht noch gesondert geschult werden würden (was Gesprächsführung etc. angeht).
      Das Verhalten von deinem Mann kenne ich auch ein bisschen von meinem. Letztendlich hat es uns geholfen ganz in Ruhe zu reden. Zu einem Zeitpunkt, an dem das Ganze schon etwas her war und ich langsam wieder Licht sehen konnte.
      Ich kann deinen Schmerz so sehr verstehen und wünsche dir von ganzem Herzen, dass du bald schwanger wirst und es dieses Mal alles gut geht. Ich weiß, dass die Angst ab nun immer mit dabei sein wird. Das war bei mir genauso. Aber lass dich von der Angst nicht unterkriegen!
      Ich wünsche dir alles, alles Gute für die Zukunft!
      Liebe Grüße
      Nele

  10. Vor 6 Tagen bin ich zu meinem Frauenarzt. Die 11. SSW war eingeläutet und ich hatte einfach ein komisches Gefühl mit ganz leichten Schmierblutungen, die eigentlich keine Blutfarbe hatten. Die Ärztin beruhigte mich und sagte, dass es in meinem Stadium sehr unwahrscheinlich sei, dass etwas schief gelaufen ist. Aber wir schauen sofort nach.
    Sie sagte keinen Ton. Aber ich bemerkte von alleine, dass das Herzchen nicht mehr schlägt. Es sah so friedlich schlafend aus.
    Unser Kleines war schon ca. zwei Wochen nicht mehr am Leben.
    Meine Rückenschmerzen, von denen ich annahm, dass es vom falschen Sitzen kommen würden, waren Wehen.
    Am Ende der Woche wurde die Ausschabung durchgeführt. Laut Operateur sei alles sehr gut verlaufen.
    Ich kann aber weder schlafen noch richtig essen. Mein Mann ist am Boden zerstört. Die Traurigkeit ist das Einzige, dass meine Gedanken füllt.
    Es tut mir einfach unendlich leid für das Kleine- für alle kleinen Menschen, die es nicht auf unsere Welt geschafft haben!
    Es tut mir für alle Sterneneltern leid, die so etwas grausames erleben müssen.
    Es war für mich sehr erschreckend, wie hoch die Dunkelziffer ist und wie sehr diese Verluste verschwiegen werden.
    Aber auch wir haben uns dazu entschlossen, unser Schicksal im engen Kreis zu behalten. Warum? Genau wegen dem Unverständnis der Gesellschaft. Mein Chef deckt mich vor dem Kollegium. Aber als ich zwei Tage nach der Fehlgeburt eine Kurznachricht einer schon älteren und kinderlosen Kollegin erhalten habe, was ich denn überhaupt hätte, bin ich zusammengebrochen.

    Ich wünsche allen Sterneneltern, dass ihr genug Zeit zum trauern habt. Vor allem aber, dass ihr niemals euren größten Wunsch aufgebt. Genau dieser Wunsch wurde auch an uns ausgesprochen und wie ich finde, ist er voller Ehrlichkeit.

    Ich bin sehr dankbar, dass ich euch unsere Geschichte erzählen durfte und wünsche euch ganz viel Kraft.

    • Liebe Kerstin,
      es tut mir sehr Leid, dass ihr diese Erfahrung machen musstet.
      Ich wünsche dir und deinem Mann, dass ihr euren Weg findet mit dieser Trauer umzugehen und hoffe von Herzen, dass sich euer Wunsch bald erfüllen wird.
      Liebe Grüße
      Nele

  11. Ich hatte vor 5 Tagen eine fehlgeburt in der 8ssw.. Ich bin so verzweifelt und enttäuscht von Menschen. Mein Partner verhält sich so als ob nie was war hat kein Verständnis für meine Trauer. Er besteht darauf das ich Hilfe brauche also das meine Trauer nicht normal sei. Meine Mutter hat mir vorgehalten das es nur ein fötus war der nicht gelebt hat und mehr nicht. Ich soll endlich nach vorne schauen. Mein Vater meinte ich soll unbedingt Tabletten holen gegen Depressionen. Ich fühle mich so alleine mit diesen Schmerz… So unverstanden..

    • Liebe Anne,
      ich kann deine Gefühle gut verstehen und möchte dir nur eins sagen: Deine Trauer ist normal. Nach 5 Tagen sollte noch niemand das Wort Depression überhaupt in den Mund nehmen. Du hast das Recht zu Trauen und deine Gefühle auszuleben. Es ist so schade, wenn unser Umfeld uns diese Gefühle nicht zugestehen kann und will. Ich wünsche dir von Herzen, dass du deine Trauer und den Verlust gut verarbeiten kannst und vielleicht doch noch etwas mehr Unterstützung bekommst.
      Alles Liebe
      Nele

  12. Auch ich habe leider diese schlimme Erfahrung durchleben müssen. Letzte Woche Mittwoch habe ich mein Engel Ende der 14.SSW gehen lassen müssen. Die SS war bis dahin vorbildlich gewesen. Kind zeitgerecht entwickelt, alles stimmte. In der 13+0 SSW waren mein Mann und ich in einer Praxis der Pränatalmedizin, wo das Nackenfaltenscreening durchgeführt wurde. Wir wurden entlassen mit den Worten, dass wir uns auf eine gesunde Tochter freuen dürften. 4 Tage später stellte mein Frauenarzt fest, dass ihr Herz aufgehört hatte zu schlagen. Einfach so. Eine Ursache konnte uns nicht genannt werden. Ich vermisse meine Tochter sehr. Sie gehen lassen zu müssen, war das bisher Schlimmste für mich. Über 3 Jahre waren wir in einer Kinderwunschbehandlung gewesen, bis sich unsere Tochter auf den Weg gemacht hat. Und nun ist mein Bauch leer, mein Herz ganz schwer und mein Verstand begreift noch nicht, welches Unglück uns wiederfahren ist.

    Ich hoffe sehr, dass ich nochmal ein Baby empfangen darf und wir am Ende der Schwangerschaft mit einem gesunden Baby belohnt werden. Auch allen anderen Frauen, die dieses Schicksal teilen, wünsche ich ein gesundes Baby im Arm halten zu dürfen und es aufwachsen sehen zu können. Wir müssen stark sein, auch wenn es mir gerade nicht leicht fällt und ich noch nicht weiß, wie man stark sein kann….

    • Liebe Jen,
      ich sende dir aus der Ferne eine Umarmung.
      Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr euren Weg durch diese schwere Zeit findet und hoffe, dass sich dein Wunsch schon in naher Zukunft erfüllt.
      Alles Liebe
      Nele

  13. Hallo ihr Lieben!
    Ich habe den Beitrag und die Kommentare gelesen und mir kommen die Tränen. Das geht bei mir seid Wochen so.
    Mein Mann und ich versuchen seid 3,5 Jahren ein Kind zu bekommen.
    Meine Vorgeschichte begann mit 18 Jahren und einer Eileiter Schwangerschaft die ich nie verarbeitet, sondern nur verdrängt habe. In den Jahren dadrauf habe ich mich nie mit dem Kinderwunsch und dem Geschehen gesundheitlich wie auch psychisch beschäftigt. Als ich dann meinen Mann kennenlernen durfte ( er hat einen Sohn , aber keinen Kontakt..) hab ich mich mehr damit beschäftigt. Im August 2017 wurde mir dann die Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Mein Leben ist zusammen gebrochen. Es war schwer da raus zu kommen. Der Befund war bei der Abnahme der Gewebeprobe negativ und der Arzt sagte schwanger werden sei kein Problem.
    Vor 6 Wochen bekam ich dann Blutungen außer der Reihe. Ich bin zum Arzt, dieser beglückwünschte mich , ich sei schwanger. Sagte aber auch das es schwierig sei jetzt am Anfang.
    Wegen schmerzen die ich nicht erklären konnte bin ich ein paar Tage später ins KH. Die Ärztin vor Ort sagte lachend, das mein Arzt was falsches gesehen haben muss, in meiner ausgerechneten Woche könnte man nicht merken und sehen das man schwanger ist. Mein FA hat es weiter bestätigt das ich schwanger bin. Ich durfte durch die Blutungen nicht arbeiten( bin Altenpflegerin im Heim)
    Ich hab meinen engsten Freundinnen und meinen Eltern von der schönen Neuigkeit erzählt weil ich glücklich war trotz der 50/50 Situation. Außerdem ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Mein Mann hat in den letzten Wochen nicht mit mir gesprochen über dieses Thema. Weder das er sich freut und positiv denkt noch das in meine Freude etwas über diese Sache etwas überfordert..
    Letzen Freitag kam dann die ernüchternde Nachricht von meinem FA , meine Werte sind nicht gestiegen aber es ist nicht stille und leise abgegangen. Also hatte ich gestern eine Ausschabung. Das alles ist schlimm genug gewesen, aber das schlimmste war die Reaktion von meinem Mann der zu mir knallhart sagte er würde nicht trauern weil da noch kein Leben in mir gewesen ist und er würde nicht verstehen das ich jetzt so traurig sei…
    Mir ist das Blut in den andern gefroren. Dazu kam das er nicht bereit war sich für den Tag der Ausschabung frei zu nehmen und mich zu begleiten. Die Konsequenz waren Tränen und Streit seid Freitag.
    Jetzt habe ich es frisch überstanden und machen mir einfach nur wahnsinnig viele Vorwürfe das ich es erzählt habe und ob nach dieser Reaktion die Ehe mit meinem Mann noch einen Sinn hat. Ich traue mich nicht zu Trauern.. ich bin einfach nur leer und überfordert mit allem.
    Ich bin bis nächste Woche krankgeschrieben. Dann werde ich wieder arbeiten gehen.. ich traue mich nicht noch länger zu Hause zu bleiben..ich könnte noch von den Reaktionen der vermeintlichen Freunde schreiben.. das tue ich nicht weil dieser Text schon lange genug ist…
    Viele liebe Grüße und Allen die das hier lesen wünsche ich nur das beste..

    • Liebe Franziska,
      ich danke dir sehr für deinen Kommentar. Wie dein Mann darauf reagiert, ist für dich natürlich unglaublich schwierig. Ich frage mich beim Lesen gerade, ob er wirklich so fühlt (oder nicht fühlt), oder ob es vielleicht von ihm auch eine Schutz-Reaktion ist? Das kann ich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen, aber bei Männern ist es ja doch noch oft so, dass sie ihre Gefühle lieber erst einmal unterdrücken.. Zumindest bei vielen, die ich so kenne..
      Ich wünsche dir jedenfalls von Herzen alles Gute und dass du und dein Mann irgendwie zusammenfinden. Dass er deine Gefühle vielleicht ernster nimmt, auch wenn er selbst doch anders empfindet.
      Ich drücke dich virtuell (())
      Alles Liebe
      Nele

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