Trauern über Fehlgeburten – von Unverständnis und unsensiblen Ratschlägen

Fehlgeburt Trauer
© Bychykhin Olexandr / Bigstockphoto.com

Wer hier regelmäßig liest, der weiß, dass ich Anfang letzten Jahres eine Fehlgeburt hatte. Es war noch sehr früh und im Ultraschall habe ich nicht mal das Herzchen schlagen sehen und trotzdem hat mich das damals ganz schön aus der Bahn geworfen.

Mittlerweile liegt mein Sohn neben mir und schläft. Und dennoch lässt mich das Thema Fehlgeburt nicht los. Auf vielen Blogs berichten Frauen über ähnliche Erfahrungen und Erlebnisse und eines liest man dabei immer wieder: Auf wie viel Unverständnis man stößt, wenn man über eine „frühe“ Fehlgeburt trauert. Früh meint damit vor der 12. Woche, meist sogar schon in den ersten 5 bis 8 Wochen der Schwangerschaft.

Im Rahmen der Aktion „Alle reden über Trauer“ von Silke vom Blog inlautertrauer.de möchte ich hier noch einmal auf dieses Thema eingehen.

Fehlgeburt: Wenn man um ein „hätte“ trauert

Wenn man eine Fehlgeburt hat, dann trauert man nicht um einen bestimmten Menschen. Dieses Wesen, das da eigentlich in einem wachsen sollte, kennt man ja noch gar nicht. Man weiß oft nicht einmal ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Doch vor allem, wenn man eine Schwangerschaft herbeigesehnt hat, wenn man sich wahnsinnig über den positiven Test gefreut hat und es kaum erwarten kann der ganzen Welt von diesem wundervollen Ereignis zu erzählen, genau dann, trifft einen der Verlust völlig unvorbereitet.

In diesem Moment sind es keine Erinnerungen, die schmerzen, sondern all die Träume, Wünsche und Hoffnungen, die man auf einmal loslassen muss. Man hat meist keine Andenken, außer vielleicht einem Ultraschallbild, auf dem man noch nicht einmal erkennen kann, dass dieser Punkt einmal ein Mensch werden würde. Man hat keine Erinnerungen, keine gemeinsame Vergangenheit.

Und weil man das alles nicht hat, fällt es vielen Unbeteiligten schwer diese Trauer nachzuvollziehen. Zu verstehen, dass ein solcher Verlust dennoch schmerzen kann. Zu akzeptieren, dass man nach so einem Erlebnis ein Recht auf seine Trauer hat.

Unverständnis zeugt meist von Unwissenheit

Am wenigsten Verständnis zeigen oft die Leute, die selber nie eine solche (oder ähnliche Situation) erlebt haben. Manchmal sind das Kinderlose. Manchmal Paar, die selber mehrere gesunde Kinder haben und nie mit dem Thema Fehlgeburt in Berührung gekommen sind. Manchmal sind es aber auch Menschen, die selber gerade erst einen Verlust erlitten haben und nicht verstehen können, wie man um etwas trauern kann, dass noch gar nicht wirklich da war.

Doch da war „etwas“. Ein Minimenschlein. Und das einzige, was ich mir wünschte, wäre, dass man dem anderen seine Trauer lässt. Dass man andere in ihrem Tempo verarbeiten lässt. Dass man nicht versucht zu messen, welcher Verlust nun schwerer wiegt oder wer mehr „Recht“ hat zu trauern.

Denn vielleicht hat die Frau, die gerade eine Fehlgeburt hatte seit Jahren versucht schwanger zu werden. Und selbst wenn sie Zuhause schon ein, zwei, drei oder wie viele Kinder auch immer hat, vielleicht war diese Schwangerschaft ein Herzenswunsch. Und selbst wenn die Schwangerschaft ganz ungeplant entstanden ist, wer weiß schon, ob nach dem ersten Schock nicht die Liebe und Vorfreude stetig wuchs.

Bevor Du urteilen kannst über mich oder mein Leben,
ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg,
durchlaufe die Straßen, Berge und Täler,
fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude.
Durchlaufe die Jahre, die ich ging,
stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin,
stehe immer wieder auf
und gehe genau die selbe Strecke weiter,
genau wie ich es tat.
Erst dann kannst Du über mich urteilen.

Wenn Ratschläge Schläge sind

„Sei doch froh, dass es jetzt passiert ist und nicht in der soundsovielten Woche!“
„Das ist doch besser als wenn du ein behindertes Kind bekommen würdest!“
„Sei froh, so kannst du noch ein paar Monate mehr dein ungebundenes Leben genießen!“
„Vielleicht seid ihr einfach noch nicht bereit Eltern zu werden.“

Mein Kopf, der versteht diese Sätze irgendwie. Die Logik dahinter. Irgendwie. Doch mein Herz nicht. Ich möchte meinen Verlust betrauern dürfen. Solange ich will. In der Form, die ich für angemessen halte. Ich will mich nicht rechtfertigen. Und ich will erst recht nicht, dass mein Schmerz heruntergespielt wird. Ja, es gibt schlimmeres. Aber das kann man doch immer sagen. In jeder Situation findet man eine andere, die noch schlimmer wäre.

Was ich mir stattdessen wünsche?

Ganz einfach:
„Es tut mir leid. Ich bin für dich da!“
Ehrlich. Aus vollem Herzen.

Schlagwörter: ,

Das könnte dir auch gefallen...

Ähnliche Beiträge

Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
Interview mit Irene Hernando, der Gründerin von Vita Et Natura 11. SSW (Schwangerschaftswoche): Dein Baby, dein Körper, Beschwerden und mehr

Kommentare

    • Melissa
    • 6. März 2017
    Antworten

    Du sprichst mir aus der Seele. Alle meinten ich wäre bescheuert zu Trauern. Aber auch wenn man so ein kleines Wunder ganz am Anfang verliert setzt bei vielen der schmerz tief ich habe lange gebraucht damit klar zu kommen.
    Auch in meiner derzeitigen Schwangerschaft lässt mich dieses Thema nicht los.

    1. Nele Hillebrandt
      • Nele Hillebrandt
      • 6. März 2017
      Antworten

      Liebe Melissa,
      ich kann dich gut verstehen! Auch ich hatte in der Schwangerschaft danach solche Angst. Zum Glück ist alles gut gegangen und nun ist unser Babyjunge schon 3 Monate bei uns (damals dachte ich manchmal wirklich, dass ich das nie erleben darf).
      Ich wünsche dir von Herzen, dass alles gut geht und du eine tolle Schwangerschaft erleben darfst!
      Die allerbesten Wünsche
      Nele

    • Corinna
    • 17. Juni 2017
    Antworten

    Ich habe am Donnerstag in der 9. Woche eine Fehlgeburt erlitten bzw wurde diese mittels Wehenmitteln eingeleitet, da der Fötus nicht mehr lebte.
    Heute haben wir es meinen Schwiegereltern gesagt, die zuvor noch nichts von der Schwangerschaft wussten.
    Meine Schwiegermutter hätte es sonst auf der Familienfeier anlässlich des 60. Geburtstags meines Schwiegervaters stolz und freudig der 50 köpfigen Meute verkündet.
    Einer der Gäste stellte dennoch die Vermutung an, dass ich schwanger sei, doch ich redete mich raus.
    Wir wissen um die Risiken der Schwangerschaft in meinem Fall durch eine Autoimmunerkrankung und wollten die erste heiße Phase abwarten.
    Meine Schwiegermutter war zunächst bestürzt, doch ihre Erklärung für das Geschehene schockiert mich sehr.
    Es ist meine Schuld, dass ich das Kind verloren habe, weil ich nicht dazu gestanden habe. Das Leugnen der Schwangerschaft wurde nun bestraft.
    Ich bin fassungslos.
    Mein Mann hat mich umgehend heim gebracht und will morgen noch mal mit ihr darüber sprechen.

    1. Nele
      • Nele
      • 18. Juni 2017
      Antworten

      Liebe Corinna,
      mir fehlen die Worte!
      Dein Verlust tut mir wahnsinnig Leid! Was deine Schwiegermutter da sagt, ist einfach unfassbar. Ich glaube, dass manchen Menschen leider oft nicht bewusst ist, wie sehr ihre Worte uns treffen und verletzen. Ich hoffe, dass das Gespräch für Klärung sorgt und deine Schwiegereltern einsehen, dass ihre Worte einfach wahnsinnig unangebracht und falsch waren.
      Von Herzen wünsche ich dir, dass du bald wieder schwanger wirst und dann eine Traum-Schwangerschaft und 9 Monate später dein Baby auf dem Arm hast. Die Kinderwunsch- / Familiengründungszeit ist leider oft schwer und manchmal unerträglich.
      Egal was kommt, ich wünsche dir ganz viel Kraft und Liebe!

    • Mandy
    • 4. Oktober 2017
    Antworten

    Ich sitze gerade allein zu Haus….Und verliere mein Baby….Ich bin in der neunten Woche… Es ist meine zweite Fehlgeburt. ..Ich hatte so sehr Angst, dass es nochmal passiert. …Und jetzt sitze ich hier und erlebe es nochmal. Ich hab es ..bis auf meinem Mann auch niemandem gesagt. …Ich möchte nicht, dass alle um mich rum dann mit Sprüchen kommen. Ich hatte vor drei Wochen einen Autounfall. .Nicht sehr schlimm aber mit Schock und leichtem Schleudertrauma. .. Vielleicht darum….Ich frage mich die ganze Zeit warum das passiert…..

    1. Nele
      • Nele
      • 4. Oktober 2017
      Antworten

      Liebe Mandy,
      aus der Ferne drücke ich dich und sende dir viele gute Gedanken und Kraft!

      Ich weiß, wie die Frage, ob man etwas hätte anders machen können, einen quälen kann. Aber leider können wir die Zeit weder zurückdrehen noch anhalten (glaube mir, ich hätte es auch ohne zu zögern getan!). Auch die Frage warum dies passiert, wird für die meisten unbeantwortet bleiben. Wenn du kannst, versuche dich nicht mit diesen Fragen zu quälen.

      Ich wünsche dir für die kommende Zeit einen Partner, der fest zu dir steht und dir Kraft geben kann. Zusammen werdet ihr das schaffen! Ich habe sehr viel über das Thema gelesen und vielleicht macht dir eins ein bisschen Hoffnung: Die aller-, allermeisten Paare halten irgendwann ihr Baby in den Armen. Ich wünsche dir von Herzen, dass dies bald sein wird.
      Alles Liebe
      Nele

    • Silvia
    • 1. November 2017
    Antworten

    Hallo Nele,
    ich bin Diabetikerin und habe einen, nun schon, 9 jährigen Sohn. Nach 4-5 Jahren nach seiner Geburt wollten wir es noch einmal probieren. Ich wurde nicht schwanger, Jahr um Jahr nicht. Aber meine Beschwerden rund um den Zyklus nahmen so stark zu, dass ich zeitweise zusammenbrach. Endlich hatte ich eine Antwort: Endometriose. Ich wurde operiert und bekam Medikamente, die das Schleimhautwachstum trosseln sollten. Ein halbes Jahr darauf stellten wir unsin einer Kinderwunschklinik vor. 2 Versuche unternahmen wir. Beim 2.Versuch klappte es. Vor einer Routineuntersuchung in der 9. Woche sagte ich zu der Ärztin, dass es sich sehr eigenartig anfühlen würde. Als wäre ich nicht mehr schwanger. Als sie mich dann untersuchte bestätigte sie meine Vermutung ziemlich trocken. Ich würde mich nicht mehr schwanger fühlen weil ich eben nicht mehr schwanger sei.
    Auch in der Klinik nach der Ausschabung wurde ich sehr unsensibel behandelt. Ich lag nach dem Eingriff sogar in einem Zimmer mit 2 frischgebackenen Mamas.
    Ich habe sehr sehr lange gebraucht um das zu verarbeiten bzw. tue dies immer noch.
    Da ich nun wieder bzw. weiterhin die Medikamente zu mir nehme wird sich wohl nix bei mir einnisten. Durch den Diabetes ist es schon schwierig schwanger zu werden aber mit der Diagnose Endometriose werd ich mich wohl von einem 2. oder gar 3. KIind verabschieden müssen.
    Das Gefühl keine richtige Frau zu sein, nicht das leisten zu können für das man gebaut worden ist ist schlimmer als die Sprüche: “Sei doch froh, du hast ja schon ein Kind.“, “Es war doch noch gar nicht wirklich da so früh.“ oder “Das wär bestimmt behindert gewesen. Das hättest du doch gar nicht geschafft.“. Zum Teufel! Was bilden sich die Leute denn eigentlich ein so urteilen zu dürfen.

    Ich danke dir für diesen Beitrag, Nele. Er hat mir wirklich aus der Seele gesprochen. Wenn man nicht so verletzt und niedergeschlagen wäre in so einem Moment könnte man ordentlich Paroli bieten und dann würden vielleicht nicht so viele dämliche Sprüche kommen.

    1. Nele
      • Nele
      • 3. November 2017
      Antworten

      Liebe Silvia,
      wenn ich deine Geschichte lese, dann weiß ich kaum, was ich dazu schreiben kann. Es tut mir so Leid für dich und ich wünschte, dass die Menschen etwas sensibler und verständnisvoller wären.
      Deine Geschichte zeigt, dass wir eine Situation von außen einfach nie vollständig einschätzen können. Danke, dass du deine Geschichte hier mit uns teilst!
      Ich wünsche dir für die Zukunft, dass ihr glücklich seid. Dass du den Verlust verarbeiten kannst und ihr euren Weg findet.
      Alles Liebe
      Nele

    • Elli
    • 19. November 2017
    Antworten

    Liebe Nele,
    ich danke Dir für diesen wunderbaren Beitrag. Es tut so gut, das hier so auf den Punkt gebracht zu lesen, was mir gerade alles durch den Kopf geht.
    Ich habe in der letzten Woche unser Würmchen in der 6. SSW verloren. Wir versuchen schon so lange, ein Kind zu bekommen und haben uns über den positiven Test irrsinnig gefreut. Keine zwei Wochen später war es vorbei. Ich war vollkommen am Boden und komme erst jetzt ganz langsam wieder auf die Beine, aber es wird noch lange dauern, bis ich mich wieder ganz fühlen werde.
    Ich habe zum Glück viel Verständnis und viele liebe Reaktionen erfahren. Aber leider auch viel Unverständnis, dass ich immer noch (es ist doch gerade erst eine Woche her!) durchhänge. Hätte ich dafür gerade Kraft, wäre ich furchtbar wütend.
    Dein Beitrag hilft ein wenig, mich zu trösten. DANKE!

    1. Nele
      • Nele
      • 20. November 2017
      Antworten

      Liebe Elli,

      dein Verlust tut mir sehr Leid!
      Es freut mich, dass mein Text dir zumindest ein bisschen hilft und ich bin immer wieder erstaunt, dass manche Menschen so unsensibel sind.
      Ich wünsche dir von Herzen, dass du den Verlust gut verarbeiten kannst und ihr bald euer Wunschkind im Arm halten dürft!
      Alles Liebe
      Nele

    • Kristin
    • 8. Dezember 2017
    Antworten

    Liebe Nele,

    danke, dass du alles so aufgeschrieben hast – auch mir spricht dies aus der Seele. Das Schwanger-Sein und dann kurze Zeit später (bei mir in der 7. SSW) eine solche „kleine“ Geburt zu erleben, dabei diese Schmerzen körperlich und seelisch zu spüren, einfach unendlich traurig zu sein, dass es so gekommen ist… das alles hinterlässt Spuren.

    Ich wünsche mir für alle, die soetwas durchmachen mussten/müssen, und für mich viel Kraft. Auf dass die (hoffentlich schnell eintretende) neue Schwangerschaft gut verläuft und wir unseren innigsten Wunsch erfüllt bekommen.

    LG Kristin

    1. Nele
      • Nele
      • 9. Dezember 2017
      Antworten

      Liebe Kristin,
      deine Wünsche kann ich nur bekräftigen und auch dir wünsche ich genau das und ganz viele liebe Worte von den Menschen, die du jetzt brauchst.
      Ganz liebe Grüße und ich wünsche dir trotz allem, dass du die Weihnachtszeit gut mit deinen Lieben verbringen kannst!
      Nele

    • Elfi
    • 8. Dezember 2017
    Antworten

    Liebe Nele,
    Dein Text hilft mir sehr, mich selbst und mein Gefühl ernst zu nehmen. Es hat nicht sein sollen, ist derzeit der häufigste Satz, den ich höre und der mir gar nichts gibt, außer mehr Schmerz. Ich danke Dir von ganzen Herzem unbekannter Weise und wünsche Dir alles Gute!
    Elfi

    1. Nele
      • Nele
      • 9. Dezember 2017
      Antworten

      Liebe Elfi,
      diesen Satz habe ich auch oft gehört und nicht verstanden, was daran trösten soll.
      Ich wünsche dir, dass du Menschen in deinem Umfeld hast, die dich verstehen, ernst nehmen oder zumindest einfach für dich da sind. Und wenn du kannst, dann genieße die Weihnachtszeit mit diesen Menschen!
      Alles Liebe für dich
      Nele

    • Steffi
    • 30. Dezember 2017
    Antworten

    Liebe Nele,

    vielen Dank für deinen Text hier. Ich selbst habe zwei Fehlgeburten erlebt, bei der ersten Schwangerschaft war ich einfach nur der glücklichste Mensch der Welt. Umso schlimmer war das viel zu frühe Ende. Da ich gutgläubig schnell die Nachricht verbreitet habe, haben auch viele von der Fehlgeburt gewusst. Überraschenderweise gab es nur wenig „dumme“ Kommentare, stattdessen viele Berichte von Frauen, die es auch durchgemacht haben. Die zweite Schwangerschaft konnte ich aufgrund der Vorgeschichte kaum genießen, immer war da dieses Angstgefühl und irgendwann wusste ich einfach, dass wieder etwas nicht stimmt. Im Ultraschall dann zu sehen, dass kein Herz mehr schlägt, hat meins gebrochen. Zum Glück waren die Ärztinnen im KH sehr feinfühlig. Den Schmerz kann einen trotzdem niemand nehmen. Im Februar wäre geburtstermin meines Sternchens. Das wird nochmal ein sehr schwerer Monat. Die Traurigkeit darüber wird wohl nie ganz vergehen.

    Alles Liebe für dich!
    Steffi

    1. Nele
      • Nele
      • 31. Dezember 2017
      Antworten

      Liebe Steffi,
      es tut mir Leid, dass du das erleben musstest aber es ist schön zu lesen, dass viele dir mit Mitgefühl begegnet sind! Vielleicht verändert sich das Bewusstsein der Gesellschaft ja Stück für Stück dahin, dass immer mehr Menschen die Trauer anderer respektieren können und lernen damit umzugehen bzw. die richtigen (oder manchmal einfach auch keine) Worte zu finden.
      Ich wünsche dir für den Februar ganz viel Kraft, auch für mich war es im September nochmal komisch, da wäre unser ET gewesen. Ich hoffe von Herzen, dass das Jahr 2018 viel Schönes für dich und deine Familie bereit hält!
      Einen guten Rutsch und alles Liebe!
      Nele

    • Jule
    • 12. Januar 2018
    Antworten

    Leider geselle auch ich mich hier zu euch.
    Auf der Suche nach Antworten – wobei ich weiß, dass es darauf keine Antworten gibt –
    bin ich auf diesen Beitrag gestoßen.
    Am 28.12. hielten wir nach langen Monaten der Kinderwunschzeit, endlich einen positiven Test in der Hand! Die Freude war so unglaublich groß!! Es hatte endlich geklappt und der ganze Druck und die Zweifel ob es überhaupt jemals klappt, vielen von mir ab! Ich war glücklich, ich malte uns die schönste und bunteste Zukunft aus!
    Am 02.01. dann leider der erste Schock – eine Schmierblutung! Wir fuhren sofort ins KH, doch der Arzt konnte keinen Grund für die Blutung feststellen, zeigte uns den schwarzen Punkt auf dem Ultraschall – Anfang 6. Woche, ich war schwanger und glücklich! Sorgen müsste ich mir nur machen wenn ich Schmerzen bekomme oder eine frische Blutung einsetzt!
    Zwei Tage vor dem ersten richtigen Termin beim Frauenarzt, inzwischen in der 7. SSW angekommen, dann der Schock, am 09.01. hatte ich Abends eine frische Blutung!
    Wir fuhren sofort wieder ins KH, eine Assistenzärztin untersuchte mich, ihre knappe Aussage – sie sind nicht mehr schwanger, auf dem Ultraschall ist nichts zu erkennen, die Gebärmutter ist leer! Ich glaube das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens und ich stehe heute noch unter Schock! Die nächste Frage war, ob ich denn sicher schwanger war, ob ich auch wirklich einen Test gemacht habe, bei dem man eindeutig sagen konnte, dass er positiv ist!!!!!
    Ich hätte wütend sein und sie anschreien sollen, doch ich war so geschockt das ich wie eine Hülle meine Sachen zusammen gepackt habe und wir nachhause gefahren sind.
    Am nächsten Tage musste ich zu meinem FA – unter Schock saß ich im Wartezimmer, mit zwei Hochschwangeren Frauen die ihren Babybauch streichelten, und im Nebenzimmer hörte man die Herztöne des Baby´s bei einer Frau, die am CTG angeschloßen war. Das waren die grausamsten Minuten überhaupt für mich!!
    Ich habe ja Glück meinte der Arzt – Ausschabung brauche ich keine!
    Ja ich weiss, es gibt weit schlimmere Schicksale und Geschichten, aber meine ist für mich schlimm und schmerzend genug!
    Und ja, das schlimmste ist das Unverständnis!!
    – Wenigstens weißt du jetzt, das du schwanger werden kannst…
    – Beim nächsten mal klappt es bestimmt…
    – Es ist jetzt vorbei, wir probieren es einfach wieder und machen ein neues Baby…
    Mein Mann, der so glücklich, fürsorglich und liebevoll während der kurzen Zeit der Schwangerschaft war, versagt meiner Meinung nach im Moment komplett…
    Er verdrängt das alles und es ist ihm lästig, dass ich wie ein Haufen Elend zuhause liege und mir die Seele aus dem Leib weine…
    Ich soll mich doch bitte zusammenreißen…. aber ich reiße mich bestimmt nicht zusammen, nur damit es ihm gut geht und er das alles schön in eine Ecke verdrängen kann! Es tut einfach nur unendlich weh!!!!
    Und das schlimme ist, es wird nie mehr so freudvoll und so unbeschwert sein, wie es dieses mal war!! Hinter jeder Freude sitzt nun eine große Angst, wie soll ich die ersten Wochen einer neuen Schwangerschaft überstehen, wann soll ich überhaupt bereit sein für eine neue Schwangerschaft, wann klappt es wieder usw. usw…
    1000 quälende Fragen und Gefühle sind in mir drin! Und antworten darauf kann mir wohl nur die Zeit bringen…..

    1. Nele
      • Nele
      • 13. Januar 2018
      Antworten

      Liebe Jule,
      es tut mir so leid, dass auch du so eine Erfahrung machen musstest!
      Wie im Krankenhaus mit dir umgegangen wurde, ist furchtbar und leider kein Einzelfall. Es wäre schön, wenn Ärzte in solchen sensiblen Themen vielleicht noch gesondert geschult werden würden (was Gesprächsführung etc. angeht).
      Das Verhalten von deinem Mann kenne ich auch ein bisschen von meinem. Letztendlich hat es uns geholfen ganz in Ruhe zu reden. Zu einem Zeitpunkt, an dem das Ganze schon etwas her war und ich langsam wieder Licht sehen konnte.
      Ich kann deinen Schmerz so sehr verstehen und wünsche dir von ganzem Herzen, dass du bald schwanger wirst und es dieses Mal alles gut geht. Ich weiß, dass die Angst ab nun immer mit dabei sein wird. Das war bei mir genauso. Aber lass dich von der Angst nicht unterkriegen!
      Ich wünsche dir alles, alles Gute für die Zukunft!
      Liebe Grüße
      Nele

    • Kerstin
    • 15. Juli 2018
    Antworten

    Vor 6 Tagen bin ich zu meinem Frauenarzt. Die 11. SSW war eingeläutet und ich hatte einfach ein komisches Gefühl mit ganz leichten Schmierblutungen, die eigentlich keine Blutfarbe hatten. Die Ärztin beruhigte mich und sagte, dass es in meinem Stadium sehr unwahrscheinlich sei, dass etwas schief gelaufen ist. Aber wir schauen sofort nach.
    Sie sagte keinen Ton. Aber ich bemerkte von alleine, dass das Herzchen nicht mehr schlägt. Es sah so friedlich schlafend aus.
    Unser Kleines war schon ca. zwei Wochen nicht mehr am Leben.
    Meine Rückenschmerzen, von denen ich annahm, dass es vom falschen Sitzen kommen würden, waren Wehen.
    Am Ende der Woche wurde die Ausschabung durchgeführt. Laut Operateur sei alles sehr gut verlaufen.
    Ich kann aber weder schlafen noch richtig essen. Mein Mann ist am Boden zerstört. Die Traurigkeit ist das Einzige, dass meine Gedanken füllt.
    Es tut mir einfach unendlich leid für das Kleine- für alle kleinen Menschen, die es nicht auf unsere Welt geschafft haben!
    Es tut mir für alle Sterneneltern leid, die so etwas grausames erleben müssen.
    Es war für mich sehr erschreckend, wie hoch die Dunkelziffer ist und wie sehr diese Verluste verschwiegen werden.
    Aber auch wir haben uns dazu entschlossen, unser Schicksal im engen Kreis zu behalten. Warum? Genau wegen dem Unverständnis der Gesellschaft. Mein Chef deckt mich vor dem Kollegium. Aber als ich zwei Tage nach der Fehlgeburt eine Kurznachricht einer schon älteren und kinderlosen Kollegin erhalten habe, was ich denn überhaupt hätte, bin ich zusammengebrochen.

    Ich wünsche allen Sterneneltern, dass ihr genug Zeit zum trauern habt. Vor allem aber, dass ihr niemals euren größten Wunsch aufgebt. Genau dieser Wunsch wurde auch an uns ausgesprochen und wie ich finde, ist er voller Ehrlichkeit.

    Ich bin sehr dankbar, dass ich euch unsere Geschichte erzählen durfte und wünsche euch ganz viel Kraft.

    1. Nele
      • Nele
      • 16. Juli 2018
      Antworten

      Liebe Kerstin,
      es tut mir sehr Leid, dass ihr diese Erfahrung machen musstet.
      Ich wünsche dir und deinem Mann, dass ihr euren Weg findet mit dieser Trauer umzugehen und hoffe von Herzen, dass sich euer Wunsch bald erfüllen wird.
      Liebe Grüße
      Nele

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du bist schwanger und möchtest wissen, was in deinem Körper passiert?

Dann melde dich für unseren Newsletter an, um monatliche Schwangerschafts-Updates zu erhalten. Zusätzlich erhältst du Tipps zur Schwangerschaft sowie Einladungen zu Produkttests und Verlosungen!

Die Einwilligung umfasst unsere Hinweise zu Widerruf, Statistik und Versanddienstleister gemäß unserer Datenschutzerklärung. Abmeldung jederzeit möglich.