Wo bekomme ich mein Kind? Die Wahl des Geburtsortes

Am Ende der Schwangerschaft steht die Geburt. Früher war es ziemlich klar wo und wie man sein Kind bekommt: Bis in die frühen 1950er Jahre kamen Kinder mehrheitlich Zuhause zur Welt. Unterstützend war die Dorfhebamme und eventuell der Kinderarzt dabei, viele Wahlmöglichkeiten gab es jedoch nicht. Eine Klinikgeburt war damals zwar schon möglich, für die Durchschnittsfrau jedoch unbezahlbar und allein aufgrund langer Wege zu den Kliniken kaum machbar.

Schlagartig änderte sich diese Lage, als die Krankenkassen 1964 die Kosten für eine Klinikgeburt komplett übernahmen. Die Hausgeburt galt auf einmal als unsicher und unmodern. In den Klinken waren medizinische Eingriffe wie Dammschnitte oder Lachgas gegen den Wehenschmerz an der Tagesordnung und auch die Babys bekamen statt Muttermilch Pulvermilch, wurden direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt und sollten sich möglichst alleine beruhigen können.

Die Statistiken, die im gleichen Zeitraum einen sehr starken Rückgang der Sterbezahlen von sowohl Mutter als auch Kind zeigten, galten als Beweis dafür, dass diese „moderne Geburtshilfe“ der richtige Weg sei.

Kritiker an diesem System wurden erst in den späten 70ern laut und fragten öffentlich, ob die derzeit betriebene Geburtshilfe mit der Menschenwürde vereinbar sei. Viele Mütter erlebten Gewalt und Erniedrigung unter der Geburt und auch den Babys wurde kein liebevoller Start ins Leben ermöglicht. An erste Stelle stand die Gesundheit von Mutter und Kind zu bewahren, alles andere schien nebensächlich.

Seitdem hat sich in der Geburtshilfe einiges getan: Eingriffe unter der Geburt sollen eigentlich nur noch durchgeführt werden, wenn sie notwendig sind, man versucht Mutter und Kind das Bonding durch frühen Kontakt leichter zu machen und Frauen haben viele Wahlmöglichkeiten. Dass Frauen sich unter der Geburt dennoch häufig entmündigt und nicht würdevoll behandelt fühlen, zeigt uns, dass wir weiterhin daran arbeiten müssen, wie die Geburt wahrgenommen und begleitet wird.

Trotzdem bleibt festzuhalten, dass wir heute weit mehr Wahl- und Einflussmöglichkeiten haben als früher. Eine der wichtigsten Entscheidungen ist dabei sicher die Frage wo wir unser Kind auf die Welt bringen wollen. In Deutschland haben wir 3 Optionen:

1. Die Geburt in der Klinik
Die überwiegende Mehrheit der Frauen bekommt ihr Kind in einer Klinik. Klinikgeburten gelten als sicher und im Ernstfall können erfahrene Ärzte Mutter und Kind schnell versorgen. Kritiker bemängeln hingegen, dass in Kliniken häufig zu früh und zu schnell eingegriffen wird. Der normale Geburtsverlauf wird dadurch gestört und Erhebungen zeigen tatsächlich, dass ein Eingriff oft weitere Eingriffe nach sich zieht.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man nicht auch in einer Klinik eine schöne und selbstbestimmte Geburt erleben kann. Wichtig ist es, dass Frauen sich vor der Geburt möglichst umfassend über die zur Wahl stehenden Kliniken informieren. So gibt es in fast allen Kliniken Kreißsaal-Besichtigungen, die einen Eindruck von den Räumlichkeiten und der allgemeinen Arbeitsweise der Hebammen und Ärzte gewähren. Auch müssen Kliniken Daten zur Anzahl von Kaiserschnitten oder anderen Eingriffe unter der Geburt offen legen.

Des Weiteren ist es sinnvoll, dass Frau sich im Vorfeld darüber Gedanken macht, wie sie sich die Geburt vorstellt und diese Wünsche möglichst schriftlich festhält. Ein solcher Geburtsplan kann dann zum Vorgespräch mitgenommen oder direkt bei Ankunft in der Klinik übergeben werden.

Trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass auch die beste Vorbereitung keine Garantie dafür ist, dass tatsächlich alles so läuft, wie gewünscht. Eine Geburt ist fast nie vorhersehbar und kann schnell ungeahnte Wendungen nehmen. In solchen Fällen sollten Frauen sich ihr Vertrauen in Ärzte und Hebammen bewahren. Die Überzeugung, dass das Klinikpersonal immer das Beste für Mutter und Kind im Sinn hat, schafft eine gute Grundlage um die Geburt auch in kritischen Situationen gut zu überstehen.


2. Die Geburt im Geburtshaus

In vielen großen und mittelgroßen Städten gibt es Geburtshäuser. Aufgrund der immer teurer werdenden Versicherung der Hebammen wurden in den letzten Jahren leider einige dieser Geburtshäuser geschlossen und vielen fällt es schwer Nachwuchshebammen zu finden, wenn ältere aufhören. Darum sollten Frauen, die sich eine Geburt im Geburtshaus wünschen möglichst früh mit der Suche beginnen, am besten noch vor der 12. Schwangerschaftswoche.

Die Geburt im Geburtshaus bietet gegenüber der Klinikgeburt den Vorteil, dass medizinische Eingriffe deutlich seltener vorkommen. Auch die Atmosphäre ist oft deutlich heimischer und Schichtwechsel wie im Krankenhaus gibt es nicht. Auf der anderen Seite befinden sich Geburtshäuser oft in der Nähe von Kliniken und bei Komplikationen können Mutter und Kind schnell verlegt werden.

Begleitet wird eine Geburtshausgeburt in den meisten Fällen von ein bis zwei Hebammen, die einige Wochen vor und nach dem errechneten Termin auf Abruf bereit stehen. Für diese Rufbereitschaft nehmen Hebammen eine Gebühr, die sich auf mehrere hundert Euro beläuft. Manche Krankenkassen geben einen Zuschuss, darüber sollte man sich im Vorfeld bei seiner Krankenkasse informieren.


3. Die Geburt Zuhause

Bei der Hausgeburt kommt eine Hebamme zu den werdenden Eltern nach Hause, wenn die Geburt beginnt. Im geschützten Umfeld des eigenen Heimes fällt es manchen Frauen leichter sich ganz auf die Geburt einzulassen. Der Vorteil liegt auch hier darin, dass medizinische Eingriffe kaum vorkommen und die Geburt dank der Hebammenbegleitung dennoch recht sicher ist.

Im Zweifelsfall wird auch hier die Hebamme darüber entscheiden, ob eine Verlegung in eine Krankenhaus angebracht ist, der Nachteil gegenüber dem Geburtshaus ist, dass die Anfahrtswege hier deutlich länger sein können. Trotzdem ist das Risiko für Mutter und Kind gering: da generell nur Frauen Zuhause entbinden dürfen, die eine komplikationslose Schwangerschaft erlebten und deren Kinder sich termingerecht auf den Weg machen, werden viele Risikofaktoren von vornherein ausgeschlossen (gleiches gilt für die Geburt im Geburtshaus).

Auch bei einer Hausgeburt sollte Frau sich schon frühzeitig um eine Hebamme kümmern, die sie begleiten soll. Auch in diesem Fall wird die Hebamme eine Gebühr für die Rufbereitschaft um die Zeit des Entbindungstermins nehmen. Zusätzlich sollte man sich bei einer Hausgeburt überlegen wo man das Kind bekommen möchte und wie man Möbel und Fußboden vor bleibenden Flecken schützen kann. Eine Malerplane und ausreichend Decken und Kissen, die man waschen kann, haben sich da bewährt. Für die Entsorgung sind zudem blickdichte Müllbeutel von Vorteil, sowie ein Behältnis für die Plazenta.

Es ist deine Wahl!
Ein Kind zu bekommen stellt immer ein einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau dar. Die bewusste Wahl des Geburtsortes kann dabei helfen sich auf dieses Erlebnis vorzubereiten und mit einem guten Gefühl in die Geburt zu gehen. Wo man sein Kind bekommen möchte, ist eine persönliche Entscheidungen, die von vielen Faktoren abhängig ist. Jede Frau sollte jedoch so entscheiden, dass es sich für sie selbst gut anfühlt. Kommentare und Ratschläge anderer können dabei im Wege stehen und sollten stets daraufhin überprüft werden, ob die Schwangerer dem zustimmt oder eine andere Ansicht hat.

Meine Wahl
Ich selber habe zu Anfang der Schwangerschaft in einem Geburtshaus entbinden wollen. Die Gebühr für die Rufbereitschaft (über 700 Euro) war mir jedoch zu hoch und ich hatte den Eindruck, dass dieses Geld mich unter Druck setzen würde. Denn wenn die Geburt nicht komplikationslos ablaufen würde und ich ins Krankenhaus verlegt würde, wäre dieses Geld in meinen Augen verloren. Dies sind aber meine persönlichen Gedanken und andere Frauen sehen das vielleicht ganz anders.

Hinzu kam, dass ich mich in dem Geburtshaus, in dem ich war, nicht wirklich wohl gefühlt habe. Das war mehr eine intuitive Sache, die mir aber sehr zu denken gegeben hat. Im Oktober, in der 35. Schwangerschaftswoche, haben wir nun einen Termin im Krankenhaus für die Geburtsvorbesprechung. Darauf bin ich sehr gespannt und hoffe, dass man dort, zumindest soweit das möglich ist, auf meine Wünsche und Vorstellungen eingehen wird.

Mama sein
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