Weniger ist mehr! Warum zu viel Spielzeug schlecht für dein Kind ist

zu viel spielzeug Titel
© romrodinka / Bigstock.com

Eigentlich wissen wir es doch alle: Mehr ist nicht immer besser. Ich geb's ja zu, ich selber halt mich da nicht so richtig dran (ohhhh, diese Schuhe MUSS ich haben… Die sind soo viel schöner als die 37658 Paare, die ich schon habe!) aber genau darum ist es wichtig, sich das immer mal wieder klar zu machen.

Denn wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wie viele Paar Schuhe stehen ungetragen im Schrank? Welche Dinge machen uns das Leben eher schwer, weil sie eigentlich überflüssig sind? Wo fängt zu viel Krams an uns zu belasten? Uns die Freiheit zu rauben?

Kindern geht es bei Spielzeug ähnlich. Wenn sie zu viel besitzen, dann sind sie überfordert. Spielen nicht ausgiebig mit einem Teil, sondern „wandern“ ruhelos von einem zum Nächsten. Dabei bleibt aber das intensive, total versunkene Spielen auf der Strecke.

Was wir eigentlich intuitiv ahnen, das haben Wissenschaftler nun genauer untersuchen und konnten unser Bauchgefühl mit Zahlen und Daten untermalen.

Der Versuch

An dem Versuch nahmen 36 Kinder teil. Die Kinder waren zwischen 18 und 30 Monate alt, gesund (sowohl körperlich, als auch psychisch) und ein Fragebogen ergab, dass sie der Mittelschicht zugehörig seien.

Alle Kinder wurden nun mit zwei Situationen konfrontiert: einem Spielzimmer, in dem sich entweder 4 oder 16 Spielzeuge befanden. Dies geschah jeweils um die gleiche Uhrzeit innerhalb von 2 Wochen. Das Ganze wurde auf Video aufgenommen und später werteten die Wissenschaftler anhand verschiedener Kriterien aus, wie sie das Spielverhalten in den beiden Situationen (4 Spielzeuge vs. 16 Spielzeuge) unterschied.

Das Ergebnis

Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass die Kinder in der Bedingung mit 4 Spielzeugen deutlich länger mit den einzelnen Spielzeugen spielten und sich intensiver mit dem Spielzeug beschäftigen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass eine Umgebung, in der weniger verfügbare Spielzeuge sind, dazu anregt sich intensiver mit diesen Spielzeugen zu beschäftigen. Dies ist besonders wichtig, da das intensive Spielen mit wichtigen Lernerfahrungen in Verbindung steht. Kinder lernen extrem viel, wenn sie spielen. Allerdings reicht es dazu nicht aus ein Spielzeug kurz in der Hand zu halten und sich dann dem nächsten zuzuwenden. Erst beim intensiven Spielen werden Gehirnregionen aktiviert, die sonst eher stumm sind.

Praktische Bedeutung

Wenn ich mich bei uns so umschauen, dann haben wir hier weit mehr als 16 Spielzeuge herumliegen. Müsste ich schätzen, dann würde ich sagen so an die 50. Wenn ich mir nun diese Studie anschauen, dann ist es kein Wunder, dass das Kind sich mit diesen (wenn überhaupt) nur sehr kurze Zeit beschäftigt.

Was also tun?

Spielzeug rotieren lassen

Eine Möglichkeit für weniger Spielzeug zu sorgen ist, dass man die meisten Spielsachen in einen Schrank räumt und nur ausgewählte offen zum Spielen liegen lässt. Wenn man merkt, dass das Kind das Interesse an einem oder mehreren der offenen Spielzeuge verliert, dann tauscht man diese aus. So gibt es kein Überangebot und man kann dem Kind öfter mal „neue“ Spielzeuge geben.

Aussortieren

Besonders im ersten Jahr sind viele Spielzeuge nur für ein bestimmtes Alter interessant. Es gibt sicherlich Eltern, die solche Spielzeuge zeitnah aussortieren, ich gehöre aber definitiv nicht dazu. Sollte ich aber. Denn jede Babyrassel, die hier rumliegt, ist eine Ablenkung. Also werde ich mir einen Tag nehmen, um die Spielsachen mal richtig auszusortieren.

Bedenken sollte man hier allerdings das Alter der Kinder: Je älter sie werden, desto stärker sollte man sie bei solchen Aktionen mit einbeziehen. Und zur Not Alternativen bereit halten, wenn das Kind partout nichts aussortieren will („Ok, wenn du nichts weggeben magst, dann lass uns doch erstmal die Sachen, mit denen du nicht mehr spielst in diese Kiste räumen. Wenn wir dann das nächste Mal aussortieren, kannst du schauen, was du wirklich nicht mehr brauchst und was du behalten möchtest.“) Auch uns fällt es schließlich manchmal nicht leicht loszulassen und unseren Kindern geht es ganz genau so.

Tauschen statt neukaufen

Wer schon viel Spielzeug hat, der sollte eigentlich kein neues mehr dazu kaufen. Aber klar, manchmal haben Kinder Wünsche, manchmal ändern sich Interessen und manchmal möchten wir unserem Kind auch einfach nur eine Freude machen.
Ideal ist es da, wenn man im Freundeskreis Spielzeuge tauschen kann. So bekommen Kinder (eventuell auch nur auf Zeit) mal ganz andere Spielzeuge, ohne dass sich der häusliche Spielzeug-Pool noch weiter vergrößert.

Geschenkeflut eindämmen

Geburtstag, Weihnachten und immer mehr auch Ostern führen dazu, dass sich Spielzeugbestände im Haus über Nacht drastisch vergrößern. Dem kann man etwas entgegen wirken, indem man verschiedene Absprachen trifft. Dies kann sein, dass man gemeinsam ein großes Geschenk für das Kind kauft oder einige Kleine und den Rest des Geldes in ein Sparschwein steckt.

Man kann auch vor dem Fest gemeinsam mit dem Kind einige alte Spielzeuge aussortieren, um sie dann an Kinder in Not zu spenden (z. B. Weihnachten im Schuhkarton) oder auf einem Flohmarkt zu verkaufen.

Bei sich selbst anfangen

Wenn wir unseren Kindern vermitteln wollen, dass zu viel Besitzt uns nicht gut tut, dann müssen wir (wohl oder übel) als gutes Vorbild voran gehen. Regelmäßiges Aussortieren wird auch uns gut tun. Und wenn unsere Kinder sehen, wie wir unseren Schrank aussortieren, dann werden sie sicherlich selber motivierter das bei ihrem ebenfalls zu tun.

Von daher: ich geh dann mal aussortieren.

Das könnte dir auch gefallen...

Ähnliche Beiträge

Nele
von
Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.
Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Kommentare

  1. Antworten

    Toller Beitrag. Wir leben in einer Welt wo man alles im Überfluss hat.

    1. Nele
      • Nele
      • 26. März 2018
      Antworten

      Oh ja, das ist wohl wahr…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.