Geburtsbericht mit versuchter äußerer Wendung

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Geburtsbericht mit versuchter äußerer Wendung
© geargodz / Bigstock.com

Heute erzählt euch Bianca etwas über ihre Geburt, bei der eine äußere Wendung probiert wurde, weil das Kind zum Geburtstermin falsch herum lag. Vielen Dank für diesen tollen Bericht!

Während meiner Schwangerschaft hatte ich nicht nur mit Gestationsdiabetes zu kämpfen, sondern auch mit einem Baby, dass beschlossen hatte sitzen zu bleiben. Während der ersten 2 Trimester hat unser Baby die Querlage im Bauch bevorzugt. Beim Ultraschall im 3. Trimester stellte meine Gynäkologin dann fest, dass es sich nun in Beckenendlage (BEL) befindet. Zu diesem Zeitpunkt wäre das nicht bedenklich, viele Babys drehen sich erst kurz vorher. Dennoch wurde ich ab dann gründlicher überwacht.

Vier Wochen später gab die Gynäkologin Entwarnung. Aufgrund des Tastbefundes hatte es sich wohl richtig herum gedreht. Weitere vier Wochen später Kontroll-Schall und die Ernüchterung: Es lag wieder, oder immer noch, in BEL. Es folgte ein langes Gespräch. Aufgrund des Gestationsdiabetes hielt meine Gynäkologin eine Entbindung in BEL für zu riskant. Meine Wunschklinik fiel somit aus. Ich bekam eine Überweisung und den Rat mich in einer Klinik vorzustellen, die eine Kinderklinik mit Kinderintensiv integriert hat.

Vorstellung im Krankenhaus

In der SSW 35 stellte ich mich dort bei den Hebammen und Ärzten vor. Es war alles soweit in Ordnung, nur, dass der Bauchzwerg (wir wussten bis dahin noch nicht, was es war. Es hat sich versteckt) immer noch saß. Es folgte eine ausführliche Beratung.

Möglichkeit 1: direkt einen Termin für Kaiserschnitt vereinbaren
Möglichkeit 2: Eine Geburt in BEL. Diese sei aber nur in der Partner Klinik in Würzburg möglich
Möglichkeit 3: Hebamme einschalten, alternative Methoden (Moxen*, indische Brücke etc.) probieren und hoffen, dass sich der Zwerg dreht
Möglichkeit 4, wenn 3 nicht klappt: äußere Wendung. Chance, dass sie klappt in der Regel 50/50, in der Klinik läge die Erfolgsquote bei ca. 80%

Der Oberarzt tendierte zu Nr. 3 es wäre noch Zeit. Ich sei groß, es wäre laut Ultraschallbefund genügend Platz für das Kind zum Drehen vorhanden, das Baby ist noch klein und sitzt noch nicht tief im Becken drinnen.

Nun war es an mir eine Entscheidung zu treffen. Also sollte man gründlich zwischen den Alternativen abwägen.

Möglichkeit 1 war für mich keine Option. Ich wollte eine natürliche Geburt. Ich gebe es zu, ich hatte und habe immer noch ein Problem damit als Eltern zu entscheiden: „Wir wollen einen Kaiserschnitt und am soundsovielten soll das Kind kommen“. Es sollte doch das Kind entscheiden, wann es bereit ist uns „Hallo“ zu sagen.

Aber Möglichkeit Nr. 2 habe ich mir als Erstgebärende ehrlich nicht zugetraut. Was wäre, wenn das Kind stecken bleibt? Oder gar die Nabelschnur abgedrückt würde und da Kind nicht mehr gut versorgt wird während der Geburt? Zudem wäre die Klinik, in der eine natürliche Geburt in BEL möglich wäre, von uns über eine Stunde Fahrt weg gewesen. Also kam für mich erst mal nur Möglichkeit 3 in Betracht. Wenn das nichts bringen sollte, war ich dafür die Wendung zu probieren. Der Oberarzt gab uns 14 Tage. Wenn sich dann nichts getan hat, sollte ich einen erneuten Termin vereinbaren und gleich darauf hinweisen, dass an diesem Tag auch eine Wendung probiert werden solle.

Versuch das Baby zur Wendung zu überreden

Zu Hause informierte ich gleich meine Hebamme und vereinbarte einen Termin mit ihr. Sie zeigte uns das korrekte Moxen* und wir machten gemeinsam Übungen um das Kind aus dem Becken rutschen zu lassen. Weiterhin stellte mir meine Hebamme für die Psyche Bachblüten zusammen, für den Fall, dass meine Psyche eventuell mit eine Rolle für das „Nicht-Wenden-Wollen“ spielt.

In der folgenden Woche hat mich mein Partner alle zwei Tage gemoxt. Nach 10 Tagen erfolgte eine Tastkontrolle durch die Hebamme, die mein Gefühl bestätigte, dass sich nichts getan hat. Unser Baby wollte sitzen bleiben. Also rief ich in der Klinik an. Ich bekam einen Termin für den Freitag der SSW 38+0. Bis zur 38. SSW, so wurde mir erklärt, kann man eine Wendung ohne Gefahr probieren. Am Freitag erschien ich wie gewünscht nüchtern auf Station, es wurde ein CTG geschrieben und eine kurze Untersuchung folgte. Baby sitzt. Ich sollte im Wartebereich Platz nehmen, bis genügend Zeit für die Wendung sei. Nach 5h Warten wurde ich wieder unverrichteter Dinge heimgeschickt. Es gab zu viele Geburten an diesem Tag und die Ärzte wurden alle gebraucht. Nächster Termin Montag (38+3).

Mittlerweile hatte ich schon mulmiges Gefühl im Bauch. Was wohl auf mich zu kommen wird? Montags bin ich dann mit meiner Mama inkl. Kliniktasche zum Termin gefahren.

Äußere Wendung im Krankenhaus

Es wurde zuerst nochmal gründlich untersucht. So oft, wie in den letzten Wochen der Schwangerschaft hatte ich noch keinen Ultraschall bekommen. Bei dieser letzten Ultraschall-Untersuchung erfuhr ich dann, dass es ein Mädchen wird. Mit den hochauflösenden Geräten im Krankenhaus konnte man es eindeutig sehen.

Anschließend kam ich in einen Entbindungsraum und es wurde 30 Minuten CTG geschrieben, Blut abgenommen und eine Braunüle gelegt. Die Hebamme hängte mich dann an eine Infusion mit einem wehen-hemmenden Medikament. Dieses muss 20 Minuten wirken, bevor man mit der Wendung beginnen kann. Es muss ja schließlich alles entspannt sein. Und das war dann ein tolles Gefühl. Der Bauch war plötzlich weich und irgendwie leichter. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass ich schon einige Tage Übungswehen hatte, welche schon zu Senkwehen wurden. Natürlich hatte ich die Übungswehen schon wahrgenommen, wusste zu dem Zeitpunkt aber nicht, dass das Wehen sind.

Ich wurde immer nervöser. Nach gefühlten Stunden kam dann der ganze Tross. Oberarzt, eine weitere Gynäkologin zum helfen, eine Hebamme, eine Schwester und eine Studentin. Und dann war da noch meine Mutter. “Entspannen Sie sich” war das Erste, was der Oberarzt zu mir sagte. Mein Gedanke war: “Wie soll ich mich bei so vielen Menschen im Raum bitte entspannen?!?!”

Durch eine erneute Ultraschall-Kontrolle wurde geschaut, wie das Baby sitzt und in welche Richtung es gedreht werden kann. Dann wurde mein Bauch dick mit Gel eingerieben und der Arzt versuchte mit der einen Hand den Po vom Baby aus dem Becken zu schieben, so dass es in Querlage kommt. Es wurde per CTG kontrolliert, was das Baby dazu sagt. Naja, sie war “not amused”, die Herztöne gingen runter und ich wurde aufgefordert ganz tief in den Bauch zu atmen. Sofort beruhigte sich alles wieder. Dann der nächste Versuch. Mit der einen Hand Babys Po hochheben, mit der anderen Hand das Köpfchen Richtung Becken schieben. Die zweite Ärztin hielt dann hier und da gegen, so dass der Oberarzt umgreifen konnte. Das ist teilweise schon ein komisches Gefühl und an manchen Stellen auch unangenehmer. Aber als Schmerz würde ich es persönlich nicht beschreiben. Man selber versucht zu entspannen, tief zu atmen und hofft, dass das Baby sich dreht.

Meine Kleine wollte leider nicht.

Jedes Mal, wenn sie kurz vorm Drehen war, machte sie sich steif und rutschte zurück. Der Arzt hat eine knappe Stunde versucht sie zu wenden. Ohne Erfolg. Dann wurde abgebrochen und der Wehenhemmer entfernt. Da bei der Wendung ggf. eine Plazenta-Ablösung, Blutungen oder Geburtswehen ausgelöst werden können, musste ich bis abends zur Beobachtung dort bleiben. Abends erfolgte eine nochmalige Ultraschall-Untersuchung und es wurde neben einem Aufklärungstermin zu PDA und Kaiserschnitt direkt ein Kaiserschnitt-Termin für 39+3 vereinbart.

Die Geburt

Tja, was soll ich sagen. Die Senkwehen nahmen in der Folge volle Fahrt auf. Mittwochs bei 38+5 hatte ich bereits jede Stunde bis zu 6 Wehen und ich sagte zu meinem Partner noch, dass unser Mädel bestimmt nicht bis Montag warten möchte. Nachts um 1 Uhr hatte ich dann den Blasensprung, innerhalb kürzester Zeit Wehen im 3 Minuten Takt. Dennoch habe ich, wie unsere Hebamme es uns gesagt hat, zuerst in Ruhe geduscht, die Tasche fertig gepackt, dann meinen Partner geweckt und ihm etwas zu Essen gemacht.

Zur Klinik brauchten wir 30 Minuten. Und ich muss ehrlich sagen, das waren die längsten 30 Minuten, an die ich mich erinnern kann. Um halb drei waren wir in der Klinik. CTG zeigte immer noch Wehen alle 3 Minuten, der Muttermund war schon auf 3 cm geöffnet. Da vor mir schon drei Notsectios gemacht wurden und das knappe Personal k.o. war, kam ich wieder an den Wehenhemmer.

Wie der Zufall es so will hatte die Gynäkologin Nachtdienst, die bei der Wendung mitgeholfen hat. Sie klärte mich, bzw. uns dann nachts noch über den Ablauf eines Kaiserschnittes auf. Mit Schichtwechsel erschien dann morgens der Anästhesist und führte das Aufklärungsgespräch zur PDA durch. Für mich ging es dann bald in den OP, Mein Partner musste sich umziehen, währenddessen wurde ich umgelagert, abgedeckt und desinfiziert. Der Anästhesist prüfte, wie gut die PDA wirkt, mein Partner kam dazu.

Um 8:40 Uhr war dann unser „Mäusekind“ auf der Welt und begrüßte uns mit kräftigem Schreien.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich auch jetzt alles nochmal genauso machen würde. Meine Meinung gegenüber bestimmten Punkten hat sich nicht verändert. Aber ich bin sehr froh, dass unsere Tochter wenigstens den Zeitpunkt ihrer Geburt selber bestimmen konnte.

Ihr fragt euch vielleicht, was ich raten würde, wenn ihr in der gleichen Situation steckt:
Wenn ihr euch eine natürliche Geburt wünscht, versucht alles. Auch die Wendung, obwohl sie, wie man bei uns sieht, nicht immer erfolgreich ist.
Und wenn es doch nicht sein soll. Egal! Ihr seid auch tolle Mamas, wenn euer Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt.

*Moxen:
Moxibustion, auch Moxa-Therapie oder kurz Moxen, bezeichnet den Vorgang der Erwärmung von speziellen Punkten des Körpers. Die Therapie wurde in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entwickelt. Bei der Moxibustion verglimmen kleine Mengen von getrockneten, feinen Beifußfasern (Moxa) auf oder über bestimmten Therapiepunkten. Den traditionellen chinesischen Lehren zufolge wirkt die Hitze auf den Fluss des ’Qi in den darunter liegenden Leitbahnen (auch Meridiane) ein.
Quelle: WIkipedia

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